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  • 16.02.2017
  • von Jana Haase

Serien der Babelsberger Ufa: Erfolge in Serie

von Jana Haase

Die Babelsberger Ufa erreicht mit TV-Serien mittlerweile Zuschauer weltweit. Heute hat "Der gleiche Himmel" mit Tom Schilling Berlinale-Premiere. Foto: Bernd Schuller/ZDF

Durch den digitalen Wandel erreicht die Babelsberger Ufa mit ihren TV-Produktionen ein weltweites Publikum. Die Branche mahnt bessere Förderbedingungen für hochkarätige Serien an. Das neueste Projekt "Der gleiche Himmel" hat heute Berlinale-Premiere.

Babelsberg/Berlin - Vom internationalen Erfolg von „Unsere Mütter, unsere Väter“ im Jahr 2011 war die Babelsberger Ufa noch überrascht – der Dreiteiler über fünf Freunde in den Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde unter dem Titel „Generation War“ in mehr als 140 Länder verkauft. Mittlerweile hat Deutschlands größte TV-Produktionsfirma den Weltmarkt von Anfang an mit Blick, wenn hochkarätige Mehrteiler wie „Deutschland 83“ entwickelt werden. Das neueste Projekt, „Der gleiche Himmel“, feiert am heutigen Donnerstag auf der Berlinale Premiere. Vor dem Hintergrund des geteilten Berlins der 1970er- Jahre wird die Geschichte eines Ostdeutschen – gespielt von Tom Schilling – erzählt, der als „Romeo“ auf eine NSA-Agentin auf der anderen Seite angesetzt wird. Ab 27. März soll der Dreiteiler im ZDF zu sehen sein, er ist laut Ufa aber auch schon an den Internetdienst Netflix in den USA und Großbritannien sowie an mehr als 100 weitere Länder verkauft.

Digitale Revolution sei für Ufa eine große Chance

Es ist nicht das einzige Ufa-Projekt für den Weltmarkt. Ufa-Vorstandschef Wolf Bauer sprach bei einer Diskussion im Rahmen der „Drama Series Days“ auf der Berlinale von einem grundlegenden Wandel der TV-Branche. Hochkarätig produzierte Formate könnten heute vor allem dank der Internetstreamingdienste ein weltweites Publikum erreichen. Bauer verglich diese Entwicklung mit Revolutionen wie der Einführung des Tonfilms in den 1920er- und 30er-Jahren und des Fernsehens in den 1950er-Jahren: Beides habe die Voraussetzungen für das Filmemachen verändert. Bauer sieht die digitale Revolution für die Ufa als große Chance: „Es gibt für uns ganz neue Finanzierungsmöglichkeiten über Partner wie Amazon und andere Internetplattformen.“ Die Entwicklung führe auch dazu, dass Produktionen von immer besserer Qualität entstünden, weil diese sich auch international messen lassen müssten.

Die Filmförderung in Deutschland hinke dieser Entwicklung aber noch hinterher und sei zu einseitig auf Kino ausgerichtet, kritisierte Bauer. Um im Serienbereich nicht international abgehängt zu werden, sei dringend ein besseres Förderprogramm nötig, so der Ufa-Chef. Für „Der gleiche Himmel“, aber auch die ARD-Serie „Charité“ über das Berliner Krankenhaus in den 1880er-Jahren, sei etwa trotz des Schauplatzes Berlin in Prag gedreht worden, weil die dortigen Förderbedingungen besser gewesen seien.

Immerhin startete das Bundeswirtschaftsministerium im vergangenen Jahr den „German Motion Picture Fund“ (GMPF) – unabhängig vom Deutschen Filmförderfonds, der bei der Kulturstaatsministerin angesiedelt ist. Im GMPF stehen jährlich zehn Millionen Euro für die Förderung von internationalen Koproduktionen und hochkarätigen Serienformaten bereit. Von den acht im ersten Jahr geförderten Projekten waren den Angaben zufolge sieben Serien: Darunter die in Babelsberg gedrehte X-Filme-Produktion „Babylon Berlin“ und die im Studio Babelsberg entstandene US-Agentenserie „Berlin Station“. Auch das Medienboard Berlin-Brandenburg, die gemeinsame Filmförderung beider Länder, gewährt im Rahmen eines speziellen Programms Darlehen für serielle Formate.

"Homeland" und "Berlin Station": Internationale Projekte nach Babelsberg geholt

Das sei zwar ein erster Schritt, aber noch nicht genug, hatte während der Berlinale auch schon Michael Scheel angemahnt, der Herstellungsleiter von „Berlin Station“ (PNN berichteten). Eine Verbesserung hält auch Henning Molfenter vom Studio Babelsberg für geboten. Dank des GMPF habe Babelsberg immerhin mit „Homeland“ und „Berlin Station“ schon internationale Serien an den Standort holen können, sagte er den PNN am Rande der Berlinale: „Früher wären die nach Ungarn gegangen.“ Von solchen Produktionen profitierten viele Firmen und Dienstleister vor Ort, betonte Molfenter: „Wir drehen komplett lokal.“ Eine zweite Staffel von „Berlin Station“ ist bereits in Planung.

Jörg Winger, gemeinsam mit seiner US-amerikanischen Frau Anna der kreative Kopf hinter der Ufa-Produktion „Deutschland 83“, sieht noch viel Potenzial für hochkarätige Serienformate aus Deutschland. In den USA entstünden pro Jahr mittlerweile eine dreistellige Zahl von solchen großen Serien – in Deutschland war es 2016 gerade mal eine Handvoll. Winger sieht Potenzial für jährlich zehn bis 20 große Serien aus Deutschland.

Amazon als Koproduzent für "Deutschland 83"

Die Ufa plant momentan zwei weitere Staffeln für „Deutschland 83“, für die der Internetdienst Amazon als Koproduzent gewonnen werden konnte. Eine weitere Serie soll den Aufstieg Hitlers thematisieren, erzählt aus der Perspektive von drei seiner Weggefährten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs auf Grundlage des Buches „Hitlers ersten Krieg“ von Thomas Weber. Für die ARD hat die Ufa einen Mehrteiler produziert, der im Berliner Krankenhaus Charité in den 1880er-Jahren spielt. Vorbereitet wird auch die Adaption des Frank-Schätzing-Bestsellers „Breaking News“, der in Israel spielt und von einem deutschen Reporter erzählt, dem explosive Unterlagen des israelischen Geheimdienstes zugespielt werden.

Für diese Projekte arbeitet die Ufa inzwischen auch mit internationalen Kreativen. Kreative Köpfe hinter „Deutschland 83“ sind das US-amerikanisch-deutsche Ehepaar Anna und Jörg Winger, „Breaking News“ wird der israelische Regisseur und Produzent Dror Moreh, dessen Dokumentation „The Gatekeepers“ 2012 für den Oscar nominiert wurde, adaptieren. Ein Rezept für den weltweiten Erfolg von solchen Serienformaten gebe es nicht, darin waren sich die Kreativen bei der Berlinale-Diskussionsrunde einig. Um sich aus der Masse hervorzuheben, müsse man das Publikum immer wieder überraschen. Das könne gelingen, wenn man vermeintlich Bekanntes mit einer eigenen Stimme und aus einem neuen Blickwinkel erzähle, sagte Anna Winger.

 

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Handwerker, Dienstleister und auch der Tourismus profitieren davon. Die TV-Serienproduktionen sollten deshalb stärker gefördert werden, meint PNN-Autor Kay Grimmer.

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