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  • 06.12.2016
  • von Katharina Wiechers

Potsdamer Bürgerstiftung: Schenken für das Wir-Gefühl

von Katharina Wiechers

Foto: promo

Die Potsdamer Bürgerstiftung hat eine Wichtelaktion gestartet. Und sie hat noch weitere Projekte geplant.

Ein Weihnachtsgeschenk, das um einen Laternenmast gebunden ist? Ein Päckchen, das an einem Gartenzaun hängt? Oder von einem Straßenschild baumelt? Wem so etwas am heutigen Nikolaustag in Potsdam begegnet, der sollte eines tun: Zugreifen. Denn hier hat niemand etwas vergessen oder verloren, sondern in voller Absicht hinterlassen. „Potsdam wichtelt“ heißt die Aktion, die von der Potsdamer Bürgerstiftung initiiert wurde. Alle Potsdamer waren dazu aufgerufen, Montagabend oder Dienstagmorgen einem Mitmenschen ein Päckchen in der Stadt zu hinterlassen – ohne zu wissen, wen es erreichen würde. Gleichzeitig sollten alle, die ein Geschenk entdeckten, dieses auch mitnehmen. Eine Art Challenge sollte es sein, so die Vorsitzende der Potsdamer Bürgerstiftung, Marie-Luise Glahr. „In Zeiten, in denen sich die Menschen immer mehr abschotten, wollten wir ein Zeichen der Mitmenschlichkeit setzen.“

Die Aktion könnte auch als eine Art Auftakt für die Bürgerstiftung gesehen werden. Gegründet wurde diese schon 2010, doch richtig in Erscheinung getreten ist sie bislang kaum. Doch nun hat sich Glahr mit vollem Elan in die Stiftungsarbeit gestürzt und in den vergangenen Monaten zahlreiche Projekte ins Rollen gebracht.

Ins Leben gerufen hatte die 44-jährige Juristin die Stiftung gemeinsam mit ihrem Kollegen aus der Kanzlei, Felix Müller-Stüler. „Wir haben beide jeweils drei Kinder und dann noch der Beruf – es blieb nicht genug Zeit für die Stiftung“, erzählt sie über die Anfangszeit. Doch als sie vor einem Jahr den Job in der Kanzlei aufgab, um mehr Zeit für die Familie zu haben, wollte sie auch der Bürgerstiftung wieder mehr Platz einräumen. Seitdem entwickelte sie ein Logo, knüpfte Kontakte und startete mehrere Aktionen. Zum Beispiel die „Gemeinsame Masche“, bei der sich Potsdamerinnen und Flüchtlingsfrauen regelmäßig zum Stricken treffen. Oder die „Experimentierkiste“, ein gemeinsames Projekt mit der Industrie- und Handelskammer, das bei Kindern den Forscherinstinkt wecken soll: Geschreinert in den Werkstätten des Oberlinhauses und befüllt mit Utensilien für Versuche, die im Experimentiermuseum Extavium erdacht wurden, genug für eine ganze Schulklasse oder Kitagruppe. Oder aber das „Bunte Essen“, das schon 2015 stattfand und bei dem ein Team aus syrischen Flüchtlingen für die Gäste der Suppenküche kocht – am 30. Dezember ist es wieder soweit.

In anderen Fällen unterstützt die Bürgerstiftung bereits bestehende Initiativen – zum Beispiel die Ehrenamtlichen, die den Flüchtlingen an der Heinrich-Mann- Allee Deutschunterricht geben. Eine lose Gruppe, die kein Verein werden wollte, aber froh darüber war, ihre Spenden über die Bürgerstiftung organisieren zu können.

Apropos Spenden – sie sind auch die einzige Einnahmequelle der Bürgerstiftung, vom Gründungskapital einmal abgesehen. Wie hoch dieses war und von wem es stammte – Minimum für Stiftungen sind 50 000 Euro – soll geheim bleiben, sagt Glahr. Nur so viel: „Es sind Potsdamer.“ Sonst lebt die Stiftung von so manchem Dauerauftrag und immer mal wieder einer Einzelspende. Bei der Bürgerstiftung Nürnberg hat sich Glahr außerdem die Idee der „Rest-Cent-Aktion“ abgeschaut: Unternehmen oder Mitarbeiter sollen die Centbeträge nach dem Komma auf dem Gehaltszettel monatlich der Bürgerstiftung überweisen. „Im schlimmsten Fall sind das für den Einzelnen 99 Cent“, sagt Glahr. „Aber für uns hätte das eine große Wirkung.“

Für andere Projekte sucht sie hingegen auch gezielt Einzelspenden, zum Beispiel für die „Bürgerbank“. Die Biertischgarnituren sollen an Haus- oder Bürogemeinschaften verschenkt werden. So soll das Miteinander gestärkt werden – sowieso das Hauptanliegen der Stiftung.

„Wir wollen das Wir-Gefühl in Potsdam stärken“, sagt Glahr. Oft werde in der Stadt auf die Unterschiede verwiesen, zwischen Neu-Potsdamern und Alt-Potsdamern, zwischen dies- und jenseits der Havel. „Wir wollen das Verbindende zeigen.“

Glahr selbst kommt aus Süddeutschland, lebt aber bereits seit 1998 in Potsdam. Ihre Kinder sind mittlerweile 6, 12 und 13 Jahre alt. Vor allem bei der Wichtelaktion fieberten sie mit, so Glahr. Wie sie hofft auch die Mutter, dass viele Potsdamer sich beteiligen. Und dass alle, die ein Päckchen entdecken, es auch mitnehmen. „Denn nichts ist trauriger für einen Schenker, als wenn niemand sein Geschenk will.“

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