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Themenschwerpunkt:

Garnisonkirche

  • 14.09.2016
  • von Alexander Fröhlich

Garnisonkirche in Potsdam: Gute Aussichten auf millionenschweren Bundeszuschuss

von Alexander Fröhlich

Eine Lösung der Frage, ob das Geld nicht eigentlich nur für den ursprünglich geplanten kompletten Wiederaufbau, sondern stattdessen auch nur für den Turm ausgegeben werden kann, scheine machbar, sagte Philipp Lengsfeld den PNN. Foto: A. Klaer

Optimismus in der Unionsfraktion im Bundestag: Für den Aufbau des Garnisonkirchenturms wird es wohl zwölf Millionen Euro vom Bund geben. Die Finanzierungslücke für den Turm wird immer kleiner.

Potsdam - Die größten Hürden für die millionenschwere Bundesförderung für den Wiederaufbau des Garnisonkirchturms sind offenbar beiseite geräumt. Die Unionsfraktion im Bundestag sieht gute Chancen für die Bewilligung des Zuschusses in Höhe von zwölf Millionen Euro. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Philipp Lengsfeld (CDU) sagte den PNN, mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und den Haushaltspolitikern im Bundestag seien noch formale Aspekte der Bundesförderung für den als Projekt von nationaler Bedeutung eingestuften Wiederaufbau zu klären. Eine Lösung der Frage, ob das Geld nicht eigentlich nur für den ursprünglich geplanten kompletten Wiederaufbau, sondern stattdessen auch nur für den Turm ausgegeben werden kann, scheine machbar, sagte Lengsfeld. Das Projekt habe mehrere Überprüfungszyklen durchlaufen, bei der Lösung gehe es jetzt um eine machbare Umsetzung.

Nur noch der Turm soll aufgebaut werden - ohne Turmhaube

Wie berichtet haben Garnisonkirchenstiftung und Fördergesellschaft von dem 40 Millionen Euro teureren Wiederaufbau der gesamten Kirche Abstand genommen und damit eine Bedingung der evangelischen Landeskirche für Kirchenzuschüsse erfüllt. Nun soll nur noch der Turm aufgebaut werden, allerdings ohne Zierrat und Turmhaube. Damit könnten die Kosten auf 26 Millionen Euro gesenkt werden. Das Bundesgeld fließt aber nur, wenn die Gesamtfinanzierung für den Turm steht. Bislang hieß es aus dem Haus der Kulturstaatsministerin: Ob das Geld bewilligt werden kann und die abgespeckte Turmvariante förderfähig ist, werde erst geprüft, wenn das Finanzkonzept steht.

Genau davon geht Lengsfeld aus. Er ist Mitglied der zuständigen Arbeitsgruppe Kultur und Medien der Unionsfraktion und Mitglied im entsprechenden Ausschuss und dort für Erinnerungspolitik zuständig. Nach den bisherigen Gesprächen sei er „optimistisch, mit der Kulturstaatsministerin zu einem guten Ende zu kommen“, so Lengsfeld. Er sei in der Sache in seiner Fraktion aktiv im Gespräch. Ausdrücklich wies er daraufhin, dass die Förderung ein Projekt der CDU/CSU-Fraktion sei – und Grütters CDU-Mitglied.

Turmbau sei in sich ein geschlossenes Projekt

Die Lösung der Förderfrage sieht nach Lengsfelds Darstellung folgendermaßen aus: Grundsätzlich gehe es bei dem Zuschuss nicht darum, mit einer Anschubfinanzierung Projekte zu unterstützen, bei denen dann die Kosten ausufern. Vielmehr müssten die Projekte in sich geschlossen und voll ausfinanziert sein. Für den Bund ist laut Lengsfeld nun entscheidend, ob man vom kompletten Wiederaufbau auf die „leicht modifizierte Linie“, also den Turm, umschwenken kann. Auf jeden Fall, meint Lengsfeld. Denn nach seiner Argumentation ist völlig klar, dass der Turmbau ein in sich geschlossenes Projekt ist. Damit sei die wichtigste Bedingung für die Kofinanzierung erfüllt, sagte der CDU-Politiker: „Am Ende geht es um den Gedanken des Wiederaufbaus. Es geht um die Sichtbarkeit. Vielleicht war auch die Idee mit der kompletten Kirche ein bisschen viel.“

Er verwies dabei auf das Beispiel Humboldtforum in Berlin – das im Wiederaufbau befindliche Stadtschloss in Mitte. Auch dort habe der Bund die Kosten für den Bau der Hülle übernommen. Die Zierelemente würden von Spenden finanziert. „Der Bau wächst, damit wächst die Strahlkraft für die Sponsoren. Die können sich sicher sein, dass Sichtbarkeit und Erfolg gegeben sind“, so Lengsfeld. Nach diesem Beispiel könnte es in Potsdam beim Garnisonkirchturm laufen – und zügiger als erwartet. „Die Gesamtfinanzierung muss stehen. Wir sind da kurz vor hundert Prozent“, sagte Lengsfeld.

Immer mehr Spenden für den Wiederaufbau

Tatsächlich läuft es bei der Wiederaufbaustiftung nach einer 1,5-Millionen-Euro-Spende im Juli immer besser. Nun hat sie, wie berichtet, eine neue Großspende in Höhe von 250 000 Euro erhalten. Der Spender möchte anonym bleiben. Zudem laufen Gespräche über eine weitere Spende in sechsstelliger Höhe. Damit wird die Finanzierungslücke immer kleiner. Nun fehlten noch rund 1,4 Millionen Euro, sagte der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg, am Dienstag den PNN. Der 26,1 Millionen Euro teure Wiederaufbau des Turms soll unter anderem mit 2,6 Millionen Euro aus Fördermitteln, 4,75 Millionen Euro aus Kirchendarlehen, mit Spenden und den zwölf Millionen Euro vom Bund finanziert werden.

Eschenburg sagte, die Resonanz auf den ZDF-Fernsehgottesdienst vom vergangenen Sonntag sei enorm – weniger finanziell, sondern ideell. Es sei gelungen, die Idee des Projekts und seine Funktion als „ein Lernort für Frieden und Verständigung“ breit zu vermitteln. „Wir bauen keine Militärkirche“, sagte Eschenburg. Die Pläne für den Wiederaufbau sind umstritten. Die 1732 eingeweihte Garnisonkirche war eines der bekanntesten Wahrzeichen Potsdams, zugleich aber die zentrale Militärkirche des absolutistischen Preußens. Am 21. März 1933 wurde sie am „Tag von Potsdam“ von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung nach Hitlers Machtübernahme genutzt. 1945 brannte die Barockkirche nach einem alliierten Luftangriff aus. In der DDR wurde die Ruine auf Geheiß der SED-Oberen 1968 abgerissen.

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