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  • 26.08.2016
  • von Peer Straube

Potsdams Spielbank verliert Geld: Zockerflucht in die Onlinewelt

von Peer Straube

Verzockt? Die Potsdamer Spielbank ist eine von nur noch zwei Spielbanken in Ostdeutschland – Berlin nicht mitgerechnet –, in der klassische Spiele wie Roulette und Black Jack angeboten werden. Nach Jahren des Besucher- und Einnahmerückgangs hoffen die Betreiber, die Talsohle durchschritten zu haben. Foto: Christoph Schmidt / dpa

Immer weniger Spieler, immer weniger Einnahmen: Potsdams Spielbank „Jokers Garden“ leidet wegen der Konkurrenz aus dem Internet. Doch es gibt Hoffnung.

Potsdam - Schuld sind die Spielhallen. Und die Wettbüros. Der größte Wasserabgräber aber ist das Internet. „Wir müssen uns Konkurrenz stellen, die es eigentlich gar nicht geben dürfte“, sagt Jörg Stinnez. Seit Anfang Juli ist der 46-Jährige neuer Leiter der Potsdamer Spielbank „Joker’s Garden“ in der Breiten Straße. Wie das Kasino in Cottbus gehört es der Brandenburgischen Spielbanken GmbH & Co. KG, einer Tochter der landeseigenen Lotto-Gesellschaft. Denn in Brandenburg hat das Land das Monopol auf Spielbanken.

Doch seit fast zehn Jahren machen die immer mehr ausufernden Glücksspielangebote im Internet der Kasinobranche deutschlandweit Konkurrenz. Im Gegensatz zu den oft landeseigenen und strengen staatlichen Auflagen unterworfenen Einrichtungen gibt es für die Online-Spielbanken, deren Firmensitze meist in einer der großen Steueroasen wie Malta, Gibraltar oder den Cayman-Inseln liegen, kaum Reglements. Wettbüros und privat betriebene Automatenspielhallen ziehen ebenfalls Kunden von den klassischen Spielbanken ab. Die Verfügbarkeit und Variabilität von Glücksspielen sei enorm gestiegen, beschreibt Ingo Edelmann, Kaufmännischer Direktor der Brandenburgischen Spielbanken GmbH, das Dilemma.

In Brandenburg wurde als Folge der Spielerabwanderung im vergangenen Jahr bereits die Spielbank in Frankfurt (Oder) geschlossen, weil der Betrieb schließlich unrentabel geworden war.

Spieleinnahmen haben sich in zehn Jahren halbiert

Ein solches Szenario droht Potsdam laut Stinnez und Edelmann zwar nicht, aber auch hier wirkte sich die Zockerflucht massiv auf die Einnahmen aus. Erlebte das Kasino mit Sitz im denkmalgeschützten Gebäude am Lustgarten in den Jahren nach der Eröffnung noch Höhenflüge mit Erträgen in teils sogar zweistelliger Millionenhöhe und Besucherzahlen, die an der 100 000er-Marke kratzten, vollzog sich ab 2007 eine Entwicklung in umgekehrter Richtung. Damals ließen die Zocker noch 10,8 Millionen Euro im Haus, ein Jahr später war es eine Million weniger, 2009 wurden noch 7,8 Millionen Euro eingespielt, 2014 rutschte man sogar unter die Fünf-Millionen-Marke. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz zwar wieder auf 5,75 Millionen Euro – dennoch haben sich damit die Spieleinnahmen in weniger als zehn Jahren nahezu halbiert. Das hat auch die Stadt zu spüren bekommen. Flossen von dem Anteil, den die Spielbank von ihren Einnahmen ans Land abführen muss, 2005 beispielsweise noch fast eine Million Euro ins Stadtsäckel, waren es 2011 nur noch knapp 400 000 Euro, ein Jahr später rund 300 000 Euro. Im vergangenen Jahr waren es etwa 263 000 Euro, wie Rathaussprecherin Christine Homann auf PNN-Anfrage erklärte.

Edelmann glaubt aber, dass die Talsohle nun durchschritten ist. Der Abwärtstrend sei gestoppt, die Erträge nunmehr seit drei Jahren in etwa stabil. Auch Stinnez hofft, dass sich der Markt nun gesundgeschrumpft hat. „Wer jetzt noch kommt, der schätzt das klassische Spiel.“

Spielautomaten werden beliebter

Und das gibt es – von Berlin einmal abgesehen – in Ostdeutschland neben Potsdam nur noch in der Merkur-Spielbank Leuna-Günthersdorf. Alle anderen Kasinos im Osten hätten Angebote wie Roulette und Black Jack bereits abgeschafft und setzten nur noch auf das Spiel am Automaten, das das meiste Geld bringt.

Obwohl die Zahl der Spielautomaten in der Potsdamer Spielbank mit knapp 100 seit der Eröffnung vor fast 15 Jahren nahezu gleich geblieben ist, hat sich ihr Anteil am Gesamtumsatz deutlich erhöht. 2002 habe er noch bei etwa 60 Prozent gelegen, inzwischen seien es 80 Prozent, so Edelmann. Der Rest entfällt auf das klassische Spiel wie Roulette und Black Jack. Auch tägliche Pokerturniere richtet das Kasino seit einigen Jahren aus. Zwar sei der große Hype vorbei, aber 18 bis 20 Spieler kämen durchschnittlich immer noch zusammen, sagte Stinnez.

Der neue Spielbankleiter, der seit der Gründung dabei ist und sich vom Croupier über die Stationen Saalchef und Bereichsleiter zum Chef hochgearbeitet hat, glaubt nicht, dass das Potsdamer Kasino in die Verlustzone rutscht. Die Spielbank sei zwar nicht groß, dafür punkte das Haus mit einer besonderen Atmosphäre, die privater, intimer und stilvoller sei als in großen Häusern. Dennoch wird der Spielbetrieb womöglich in einigen Jahren auf die andere Havelseite wechseln. Wie berichtet plant der Projektentwickler Asenticon im künftigen Forscherquartier in der nördlichen Speicherstadt auch den Bau eines Kasinos. Der Umzug dorthin sei „prinzipiell ein Thema“, sagte Edelmann. Der Standort sei zentral gelegen und gut angebunden. Ausweiten werde man die Spielangebote dort wohl nicht. Aber die Räume könnten großzügiger gestaltet werden. Spielen, sagt Stinnez, sei schließlich auch eine Frage des Stils.

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