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  • 26.03.2016
  • von René Garzke

Kriminalstatistik für Potsdam: Potsdam ist Hochburg der Fahrraddiebe

von René Garzke

Fast 2200 Fahrräder wurden in Potsdam im vergangenen Jahr geklaut - und die Aufklärungsquote ist gering. Foto: dpa

Mehr Wohungseinbrüche, mehr Diebstähle, mehr Rauschgiftdelikte: Die neueste Kriminalstatistik zeigt, dass die Zahl der Straftaten in Potsdam 2015 stark gestiegen ist. Die Aufklärungsquote ist dabei weiter gesunken.

Potsdam - Die Zahl der in Potsdam begangenen Straftaten hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Das geht aus der am Donnerstag vorgestellten Kriminalstatistik der Polizeidirektion West für das Jahr 2015 hervor. Demnach wurden in der Landeshauptstadt insgesamt 17 425 Straftaten verübt. Zum Vergleich: 2013 erfasste die Polizei 16 438 Fälle, im Jahr 2014 waren es 15 093. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote (AQ) im Vergleich zum Vorjahr um fast fünf Prozentpunkte auf 44,7 Prozent gesunken.

Worüber die Statistik täuscht: Trotz prozentual gesunkener Aufklärungsquote konnten die Beamten mehr Tatverdächtige ermitteln. 5202 waren es im vergangenen Jahr (2014: 5067). Zum Verständnis: In den jährlich veröffentlichten Kriminalstatistiken der Polizei gilt eine Tat als aufgeklärt, wenn ein Verdächtiger ermittelt worden ist – auch wenn sich dieser später, etwa vor Gericht, nicht als der tatsächlich Schuldige herausstellt. Die Statistik ist daher zunächst einmal ein Tätigkeitsnachweis der Polizei.

Zunahme bei Diebstählen

Potsdam bleibt laut der Statistik weiter die Hochburg der Fahrraddiebe: Die Ermittler registrierten 2199 Fälle, nur knapp sieben Prozent konnten aufgeklärt werden. Im Vorjahr wurden der Polizei 2016 gestohlene Fahrräder bekannt, die Aufklärungsquote lag 2014 bei etwa elf Prozent. Schwerpunktgebiete der Fahrraddiebe sind die nördliche und südliche Innenstadt sowie Babelsberg-Süd.

Ebenfalls zugenommen hat im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle: In Potsdam wurden im vergangenen Jahr 201 solcher besonders schweren Diebstähle festgestellt, die Aufklärungsquote lag bei etwa 13 Prozent (2014: 166 Fälle, AQ 22 Prozent). Hauptschwerpunkt der Einbrecher aber war wie in den Vorjahren das Potsdamer Umland: 308 Fälle weist die Statistik dort für 2015 auf, die Aufklärungsquote liegt bei nur knapp sechs Prozent (2014: 289 Fälle, AQ 8 Prozent).

Dennoch konnte die Polizei hier einen Erfolg verzeichnen: Die Quote der abgebrochenen Einbrüche stieg im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion West von etwa 25 Prozent 2014 auf 35 Prozent im Jahr 2015. Dies sei auch auf die von der Polizei durchgeführten Präventionsveranstaltungen zurückzuführen, hieß es. Dort seien die Bürger auf die Möglichkeiten von Sicherheitstechnik hingewiesen und vielerorts auch die „wachsamen Nachbarn“ aktiviert worden.

Rauschgiftdelikte: Crystal Meth bald auch in Potsdam?

Gleichzeitig stellte die Polizei in Potsdam mehr Rauschgiftdelikte als in den Vorjahren fest: 2013 waren es noch 371 Fälle, 2014 dann 533 und im vergangenen Jahr 590. Vor allem Cannabis und Kokain spielten hierbei eine Rolle. Der Anstieg ist auch auf die vermehrten Kontrollen durch Polizisten zurückzuführen. Die harte Droge Crystal Meth ist in der Landeshauptstadt noch überhaupt nicht feststellbar. Gleichwohl sagte Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West: „Die Bewegung von Süd nach Nord ist da, aber sie geht langsamer voran als gedacht.“ Bisher wurde Crystal Meth vor allem im Süden Brandenburgs festgestellt.

Zwei Tötungsdelikte

Unwesentlich verändert hat sich im Vergleich zu den Vorjahren hingegen die Zahl der Gewaltdelikte. Die Polizei registrierte demnach zwei Tötungsdelikte – einmal im Fall Elias sowie wegen versuchten Mordes gegen einen Studenten, der wie berichtet im April in Potsdam-West einen Polizisten mit einem Messer attackierte. Weil er die Tat infolge einer Schizophrenie begangen hatte, sitzt der Täter seit dem Urteil in einem psychiatrischen Krankenhaus. Im Vorjahr hatte es keine Tötungsdelikte gegeben, 2013 waren es fünf. Insgesamt weist die Statistik 306 Gewaltstraftaten aus – dazu zählen Raub, Sexualstraftaten sowie gefährliche und schwere Körperverletzung. 2014 waren es noch 269. Die Aufklärungsquote lag mit 72 Prozent auf Vorjahresniveau.

Mehr rechtsextreme Straftaten

Deutlich gestiegen ist hingegen die politisch motivierte Kriminalität im Vergleich zu 2014 – um 23 Prozent auf 130 Fälle. Davon waren 101 Taten rechtsextremistisch motiviert. Bei dem Großteil (58) handelte es sich um Propagandadelikte. Anders als in der Landesstatistik gab es in Potsdam aber keinen erheblichen Anstieg rechter Gewalttaten: Sieben Fälle weist die Statistik aus, fünf waren es im Jahr zuvor. Außerdem zählte die Polizei elf linksextreme Straftaten, davon zwei Gewaltdelikte.

Eine Verkehrstote auf Potsdams Straßen

Leicht gestiegen ist auch die Zahl der Verkehrsunfälle. 5747 Mal krachte es in Potsdam. Das waren 141 Unfälle mehr als 2014. Die Bilanz: 695 Verletzte, 66 davon schwer, und 3 Tote (2014: 705/55/2). 775 Unfälle wurden von über 65-Jährigen verursacht, ein Plus von 65 gegenüber dem Vorjahr. 142 Verletzte und zwei Tote gab es auf den Straßen. Insgesamt kamen 71 Kinder zu Schaden, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber wie 2014 wurde kein Kind im Straßenverkehr getötet. 314 Radfahrer wurden auf den Straßen verletzt, es gab insgesamt 423 Unfälle, an denen Radler beteiligt gewesen sind. Eine Radfahrerin verunglückte tödlich: Im November war eine 19-Jährige am Nauener Tor von einem Lastwagen erfasst worden.

Oberste Priorität hat bei der Polizei in diesem Jahr neben der politisch motivierten Kriminalität die Bekämpfung der Wohnungseinbruchsdiebstähle. Weiteres Ziel sei es, die Aufklärungsquote in allen Bereichen zu steigern. Denn: In den teilweise niedrigen Quoten macht sich auch die Dauerbelastung der Polizei durch die ständige Bewachung von Asylunterkünften und die anhaltend hohe Zahl von Demonstranten zur Flüchtlingspolitik bemerkbar.

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