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  • 06.01.2016
  • von Katharina Wiechers

Todestag von Lenné wird in Potsdam kaum gewürdigt: Der vergessene Ehrenbürger

von Katharina Wiechers

In Stein gemeißelt. Dass Peter Joseph Lenné vor 150 Jahren in Potsdam starb, ist bekannt – er ist auf dem Bornstedter Friedhof begraben. Doch einen Festakt oder eine Ausstellung zu Ehren des wahrscheinlich bedeutendsten Landschaftsarchitekten seiner Zeit gibt es in Potsdam nicht. Foto: Andreas Klaer

Der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné gestaltete zahlreiche Gärten und Welterbe-Parks in Potsdam. Doch zu seinem 150. Todestag wird er in der Stadt kaum gewürdigt.

Potsdam - Ein Kranz vom Oberbürgermeister und eine Schnitzeljagd durch den Park – besonders viel hat Potsdam nicht zu bieten anlässlich des 150. Todestages eines seiner bedeutendsten Ehrenbürger. Der Gartenkünstler und Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné starb am 23. Januar 1866 in Potsdam, in Bornstedt ist er begraben. Doch während in Berlin, wo Lenné wie in Potsdam zahlreiche Parks gestaltet hat, ein Lenné-Jahr mit mehreren Veranstaltungen begangen wird, ist in Potsdam bislang nur wenig geplant.

„Die Stadt wird an Lenné erinnern, aber wann und in welcher Form ist noch nicht spruchreif“, sagte eine Sprecherin der Stadt Potsdam am Dienstagnachmittag auf PNN-Anfrage – gut zwei Wochen vor dem Todestag. Am Abend legte sie nach, offenbar hatte man im Rathaus zwischenzeitlich nachgebessert. Es sei geplant, dass Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) anlässlich des Todestages einen Kranz am Bornstedter Grab niederlege. Außerdem werde ein Angebot „für die jüngere Generation“ erarbeitet, hieß es in einer Mitteilung am Abend. „Ein für den Sommer 2016 geplantes kulturpädagogisches Angebot soll vor allem die von Lenné berühmten Sichtachsen, die die Stadt mit den Parkanlagen in einzigartiger Weise verbunden haben, erlebbar machen. Geplant sind Touren, die Blicke auf die schönsten Werke Lennés erlauben. Unter anderem sollen – basierend auf Geocaching – spielerisch in einer Art Schnitzeljagd Informationen über Person und Werk Lennés vermittelt werden.“

Lenné sei ohnehin sehr präsent

Auch bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), die für die Lennéschen Gartenkunstwerke in Berlin und Brandenburg zuständig ist, hat man für Potsdam kein großes Programm ausgearbeitet. Lenné sei ohnehin immer sehr präsent, auch unabhängig vom Todestag, sagte SPSG-Sprecher Frank Kallensee dazu. Angesichts der Fülle von Jubiläen müsse man sich für bestimmte Dinge entscheiden. Außerdem sei die Stiftung aktiv an dem Berliner Programm beteiligt.

Dieses wurde maßgeblich vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf gestaltet und konzentriert sich vor allem auf den Schlosspark Glienicke, wo 2016 das 200-jährige Bestehen gefeiert wird. Auftakt für das Lenné-Jahr unter dem Motto „Peter Joseph Lenné 2016 – 200 Jahre Schlosspark Glienicke“ ist eine festliche Matinee im Schloss Glienicke am Todestag des Künstlers, also am 23. Januar. Im Laufe des Jahres sind spezielle Führungen im Park Glienicke, Vorträge und Gespräche geplant. Den Schlusspunkt für das Lenné-Jahr bildet die jährliche Verleihung des Peter-Joseph-Lenné-Preises des Landes Berlin im November 2016 – ein Ideenwettbewerb zur Garten- und Landschaftsarchitektur. In Potsdam plant die Schlösserstiftung bislang lediglich eine Führung im Rahmen der jährlichen Veranstaltungsreihe „Preußisch Grün“. Am 9. Juni führt Gartendenkmalpfleger Gerd Schurig durch den von Lenné gestalteten Teil von Park Sanssouci.

Lenné gestaltete viele Gärten und Parks in Potsdam

Dabei hat Potsdam dem Landschaftsarchitekten viel mehr zu verdanken als die Umgestaltung von Sanssouci. Der 1789 in Bonn geborene Lenné, der seit 1816 in Potsdam wirkte und sich von englischen Landschaftsgärten inspirieren ließ, gestaltete auch die russische Kolonie Alexandrowka, den Wildpark, den Ruinenberg, den Park Sacrow, den Park um das Orangerieschloss, die Außenanlagen rund um das Belvedere auf dem Pfingstberg oder den Garten von Schloss Lindstedt.

Auch den Park Babelsberg sollte einst Lenné gestalten. Doch er überwarf sich mit Prinzessin Augusta und wurde entlassen, stattdessen bekam sein Konkurrent Fürst Hermann von Pückler-Muskau den Auftrag. Ebenfalls nicht zum Zuge kam er – anders als der Name vermuten lässt – bei der Lennéschen Feldflur in Bornim. Zwar ging der Auftrag auch hier erst an Lenné, geplant und ausgeführt wurden die Arbeiten nach einer Beschwerde von Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode aber vom Hofgärtner von Sanssouci, Hermann Sello.

Bis heute präsent ist Lenné in Potsdam nicht nur durch seine Gärten, die zu einem großen Teil Unesco-Weltkulturerbe sind und jährlich unzählige Touristen anlocken. Auch die Lennéstraße in Potsdam-West und die Lennéschule in Zentrum-Ost erinnern an den berühmten Gartenkünstler. Außerdem hat Peter Joseph Lenné die Ehrenbürgerschaft der Stadt inne. Drei Jahre vor seinem Tod wurde dem „General Director der Koeniglichen Gaerten“ diese verliehen. Doch schon damals lief die Würdigung nicht ohne Schnitzer ab: In der Urkunde wurde aus dem Joseph versehentlich ein Paul.

 

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