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  • 15.09.2015
  • von Henri Kramer

Hells Angels in Potsdam: „Route 81“ am Ende

von Henri Kramer

Nicht noch einmal: Eine der Polizeiaktionen in der Hells-Angels-Bar. Foto: PNN-Archiv (2012)

Die Potsdamer Hells Angels haben ihre Bar in der Innenstadt geräumt – ob und wo sie ein neues Vereinsheim etablieren wollen, ist noch unklar. Die Polizei beobachtet die Lage.

Potsdam - Jahrelang gab es in der Charlottenstraße immer wieder Razzien und Großeinsätze der Polizei im dortigen Hells Angels-Vereinsheim, mehrfach wurden diverse leichte Waffen gefunden. Das hat nun ein Ende. Denn der Mietvertrag für ihr Domizil ist ausgelaufen, sie müssen eine neue Anlaufstätte suchen. Polizeisprecherin Ingrid Schwarz bestätigte den PNN, dass noch keine Informationen über einen neuen Treffpunkt der Hells Angels vorliegen. Auf die Frage, ob die Polizei erwartet, dass sich die Rockergruppierung nun womöglich komplett in Potsdam auflösen könnte, antwortete sie aber ebenfalls klar: „Nein.” 2012 hatte sich der Rocker-Verein nach mehreren Hausdurchsuchungen zwischenzeitlich aufgelöst.

Seit Jahren sind Rocker in Potsdam aktiv

Rocker sind in Potsdam schon seit Jahren aktiv. Zunächst hatten 2007 die Rocker des MC Gremium am Rande der Waldstadt ein Klubgelände eröffnet. Zwei Jahre später kamen die Hells Angels dazu – mit der Bar „Route 81– The Other Place“ in der Charlottenstraße. Sie übernahmen nach und nach die Vormachtstellung – auch weil sich bald mit den Red Devils ein Unterstützerclub für die Hells Angels in Potsdam gründete. Im Sommer 2009 kam es auf offener Straße zu einer Schießerei mit drei Verletzten und Schlägereien zwischen Anhängern der verfeindeten Klubs. Schließlich bestätigte die Polizei Ende 2010, dass sich der MC Gremium aufgelöst hat.

Schlagzeilen machten die Potsdamer Hells Angels 2009, als bekannt wurde, dass zu ihren damaligen Mitgliedern einer der Hooligans gehörte, die während der Fußball-WM 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel fast zu Tode prügelten. Mitte 2010 wurde ein geplanter Motorradkorso der Hells Angels durch Potsdam verboten. Immer wieder mussten sich Potsdamer Hells Angels vor Gericht verantworten, etwa wegen räuberischer Erpressung. Zu laufenden Ermittlungsverfahren gegen Rocker der Gruppe, die Polizei rechnet ihr derzeit 30 Mitglieder zu, machte Schwarz keine Angaben. Nach den vielen Razzien in der Vergangenheit war es zuletzt etwas ruhiger geworden – der letzte größere Polizeieinsatz war laut Schwarz im Februar 2014.

Auch Verbindungen nach Berlin

Verbindungen gab es auch immer in die Berliner Rockerszene. Im Februar 2010 waren bereits Dutzende Rocker des Motorradklubs Bandidos aus Berlin direkt in Potsdam zu den Hells Angels übergelaufen. Ebenso waren Berliner mehrfach zu Gast in der Potsdamer Hells-Angels-Bar. In der Bundeshauptstadt ist die Szene aber insgesamt deutlich größer. Mindestens 20 kriminelle Rockerclubs sind dort nach Behördenangaben aktiv. Sie gehören als Untergruppierungen zu sieben größeren Rockervereinigungen wie den Hells Angels, Bandidos, Gremium MC oder den Streetfighters. Das teilte die Berliner Senatsinnenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Innenpolitikers Tom Schreiber mit. Die Rockerclubs seien „polizeilich relevant in unterschiedlicher Intensität“. Der Wirkungskreis vieler Rockerbanden, die sich durch Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Frauenhandel finanzieren, beschränke sich dabei „ausdrücklich nicht nur auf Berlin“, schrieb der Senat.

Insgesamt gebe es in der Stadt etwa 1000 Rocker, die im kriminellen Milieu agierten, so der Senat. Die genaue Zuordnung zu den einzelnen Clubs sei zuletzt schwieriger geworden, weil es weniger Großveranstaltungen gab und das Tragen der Abzeichen und Westen zum Teil verboten ist, sodass „der Personenkreis nur noch bedingt erkennbar war“, hieß es weiter.

Berliner Rocker sind in Brandenburg unterwegs

Zusehends sind demnach die Berliner Rocker auch im brandenburgischen Umland unterwegs. Die Strukturen seien „zwar lokal unterschiedlich ausgeprägt, kriminalgeografisch jedoch als gemeinsamer Handlungsraum zu bewerten“, schreibt der Senat. „Es war in den vergangenen Jahren erkennbar, dass Rockergruppierungen zum Teil Standorte in das Land Brandenburg verlagert haben, aber dennoch weiter in Berlin aktiv sind.“

Übrigens: Laut Medienberichten soll in das frühere Hells-Angels-Domizil in der Charlottenstraße nun eine Galerie einziehen. Am Sonntag war vor Ort von derlei Absichten allerdings noch nichts zu sehen. (mit dpa)

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