28.09.2016, 21°C
  • 18.09.2014
  • von Erik Wenk

Vom Ende des afrikanischen Traums

von Erik Wenk

Interkulturelle Woche mit 20 Veranstaltungen in Potsdam. Festessen mit Flüchtlingen am Schlaatz.

Ibraimo Alberto wollte in Brandenburg den „afrikanischen Traum“ leben: Aufgewachsen in Mosambik, 1981 Umzug in die DDR, Vertragsarbeiter im Fleischkombinat, Karriere als Boxer in Ostberlin, später Ausländerbeauftragter in Schwedt. Doch nach vielen Rassismus-Erfahrungen – sein bester Freund wurde von Neonazis getötet, sein Sohn massiv bedroht – kehrte Alberto der Mark den Rücken und zog 2011 nach Karlsruhe.

Erzählen von diesen Erlebnissen wird der Autor des Buches „Ich wollte leben wie die Götter“ am kommenden Montag, dem 22. September, bei einer Lesung im Buchladen Sputnik (siehe Kasten) im Rahmen der „Interkulturellen Woche“. Auch Potsdam gehört zu den bundesweit über 300 Städten, die sich unter dem Motto „Gemeinsamkeiten finden, Unterschiede feiern“ an der Aktionswoche vom 21. bis 27. September beteiligen. Insgesamt 20 Veranstaltungen von 22 Institutionen stehen auf dem Programm, bis auf eine alle kostenlos.

Ein Klassiker ist das „Dinner for All“ am 23. September, ein großes Festessen mit Flüchtlingen und Potsdamern im Flüchtlingsheim am Schlaatz. „Es geht darum, Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Alters zusammenzubringen“, sagt Anke Gutermuth, Koordinatorin des Flüchtlingsprojektes „Integration+“ im Projekthaus Babelsberg. „Und beim Essen geht auch vieles ohne Sprache.“ Ebenfalls am Dienstag kann man im Begegnungszentrum „Kibuz“ in der Berliner Straße 148 die jüdische Küche kennenlernen. Start ist um 12 Uhr, um Voranmeldung wird gebeten.

Eröffnet wird die Interkulturelle Woche am Montag mit der zehnten Verleihung des Integrationspreises der Stadt Potsdam im Treffpunkt Freizeit mit anschließendem Familienfest. Erstmals an der Interkulturellen Woche beteiligt ist die Ausländerbehörde Potsdam, die am Dienstag zwischen 14 und 16 Uhr zahlreiche Beratungen zur beruflichen Integration für Migranten anbietet. Am 26. September stellt sich um 17 Uhr der neue Potsdamer Migrantenbeirat in der Stadt- und Landesbibliothek vor.

Wie es sich in Togo lebt, können besonders Kinder bei Koko N’Diabi Affo-Tenin erfahren, die gleich an drei Tagen – am 23. September im Jugendzentrum Freiland, am 24. September in der Stadt- und Landesbibliothek und am 26. September im Freiland – aus ihrer Heimat erzählt und zur Fantasiereise mit togolesischen Kleidern und Alltagsgegenständen einlädt (Voranmeldung nötig).

Bereits am Samstag findet am Johannes-Kepler-Platz am Stern das diesjährige Toleranzfest statt. Es steht unter dem Motto „Auch Kinder haben Rechte!“. Anlass ist der Weltkindertag. Zwischen 13 und 18 Uhr können sich Kinder und Jugendliche mit ihren Familien über ihre Rechte in der Schule und in der Gesellschaft informieren. Zu der Veranstaltung lädt das städtische Anti-Rechts-Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“ ein. Jährlich am dritten Samstag im September setzt sich das Bündnis in einem anderen Stadtteil für ein friedvolles Miteinander ein. Am Stern spielt das Thema Toleranz eine besondere Rolle: Anfang 2015sollen hier insgesamt 40 Bürgerkriegsflüchtlinge aufgenommen werden. Zusammen mit zehn deutschen Familien werden sie in einem fünfstöckigen Wohngebäude in der Grotrianstraße leben. Erik Wenk(mit mvs)


HINTERGRUND

Aus dem Programm

Sonntag, 21. September, 14 Uhr: Verleihung Integrationpreis und Familienfest, Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64

Montag, 22. September, 19 Uhr: „Ich wollte leben wie die Götter“ – Lesung mit Ibraimo Alberto, Buchladen Sputnik, Charlottenstraße 28

Dienstag, 23. September, 16 Uhr: „Dinner for All“, Flüchtlingsheim am Schlaatz, An der Alten Zauche 2b

Mittwoch, 24. September, 19.30 Uhr: „Toleranz – Weg oder Ziel?“ – Vortrag und Diskussion der Bahá’i-Gemeinde Potsdam, Volkshochschule, Raum 2-14, Am Kanal 47

Freitag, 26. September, 10 Uhr: „Wie leben Kinder in Togo?“, Freiland, Haus 1, Fr.-Engels-Straße 22


Social Media

Umfrage

Soll das Tempo 30 auf der Zeppelinstraße erst einmal auf drei Monate zeitlich begrenzt werden und nur testweise erfolgen?