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  • 01.08.2011
  • von Hella Dittfeld

Das verflixte 7. Jahr

von Hella Dittfeld

Tausende feierten völlig verregnete Erlebnisnacht

Das verflixte siebente Jahr wird eigentlich nur in Ehen befürchtet, doch diesmal traf es die Erlebnisnacht mit nasser Wucht. Es regnete und regnete und wenn es damit aufhörte, dann goss es. Doch wer dachte, dass damit die Erlebnisnacht buchstäblich ins Wasser fällt, der irrte. Der Verein „Potsdam mittendrin“ hatte vor der 7. Erlebnisnacht am Samstag die Gastwirte, die Einzelhändler, die Mitwirkenden und Sponsoren so gut motiviert, dass trotz des Regenwetters bis auf wenige Ausnahmen alle angekündigten Veranstaltungen stattfanden, wobei natürlich die trockenen Plätze in den Restaurants und unter den Markisen und Schirmen besonders begehrt waren.

Wie die Sprecherin des Vereins, Gitty Oeckel, einschätzt, seien es zwar nur etwa halb so viele Besucher wie im vergangenen Jahr gewesen, was sich vor allem negativ auf die Getränke- und Essensstände im Straßenbereich ausgewirkt habe. Aber die Gaststätten seien rappelvoll gewesen. 2010 hatten ein heißer Erlebnistag und eine laue Nacht dem Stadtfest eine wahre Besucherflut beschert. „Dafür ist uns in diesem Jahr aber auch keiner vor Hitze umgefallen“, sagte die Vereinssprecherin mit dem nötigen Schuss Ironie, der die Erleichterung verriet, dass trotz des widrigen Wetters erneut fröhlich und friedlich gefeiert wurde. Für das nächste Jahr wird schon wieder am neuen Konzept für die Erlebnisnacht gebastelt, verrät Oeckel. „Wir verändern jedes Jahr das Motto und damit auch das Konzept und wir versuchen die Qualität noch weiter zu steigern“, verspricht sie, will aber ansonsten über den Inhalt der weiteren Ideen noch nichts verraten. Nur soviel: Der Verein wird sich verstärkt auf das heutige moderne Geschehen konzentrieren und es als spannenden Kontrast in das barocke Umfeld der Innenstadt einbetten. Den Gundling als reimenden Hofnarren habe man schon beurlaubt.

Neu waren in diesem Jahr bereits die Kunsteisbahn und der Wettkampf um einen Wanderpokal. Der Luisenplatz soll auch 2012 sportliche Wettkampfstätte bleiben, ob dann wieder im Eisfußball um den Pokal gestritten wird, lässt Oeckel offen. „Es kann auch eine ganz andere Sportart sein“, meint sie.

Das Wetter machte am Samstag natürlich allen zu schaffen und nicht jeder begrüßte es so fröhlich wie der Weltklasse-Barmixer Vadim Davidenko, der lachend erklärte: „Ich habe ohnehin was gegen Sonnenschein.“ Manch einer reagierte auch abwehrend und holte ganz spontan seine Leute ins Trockene. So hatte sich der Club Latino kurzerhand in die Wilhelmgalerie verzogen, um der Rutschgefahr auf der Open-Air-Bühne am Nauener Tor zu entgehen und auch die Flamenco-Tänzer wurden unter Dach und Fach gebracht. Einige Angebote, zum Beispiel die Erlebnisstrecke für die Jüngsten, mussten leider vom Autohaus Wegener abgebaut werden, aber das mulmige Gefühl im Überschlagsimulator konnte sich jeder holen, der daran Interesse hatte.

Die Mööpps aus Luzern erwiesen sich als überaus regentauglich und hatten sich ihrem „filmreifen“ Auftritt angepasst. Sie spielten in „Bolizei“-Uniform auf, hatten Blaulicht auf ihren Kappen und machten mit Megafon darauf aufmerksam, dass sie noch nicht wüssten, ob es einen weiteren Tatort geben werde. Folgen der Krimiserie flimmerten im Karstadt-Schaufenster. Den Mööpps- Fans war jedoch allein der Musikerauftritt Tatort genug. Im Kaufhaus wurde nach Rokoko-Manier getanzt und Andreas Schulte heizte zusammen mit Ralf Benschu die Stimmung an. Die Mannequins der Modenschau von Karin Genrich und befreundeten Einzelhändlern nutzten die Markise als Regenschutz oder stolzierten einfach mit Regenschirm auf den Laufsteg. Und wenn es mal gerade nicht in Strömen goss, konnte man sich auch auf eine Hebebühne stellen, wurde nach oben gefahren und schaute Potsdam aufs Dach. Viele der Musiker mit ihren Bands haben zudem längst eine Fangemeinde und die hielt – wie zum Beispiel im Holländischen Viertel bei Carly Peran – auch der Regen nicht ab, um ihrem jeweiligen Idol zu huldigen.

„Dass eine so gute Stimmung herrschen würde, hätte ich nicht gedacht“, meint auch Vereinschef Jörn Rohde. Er möchte sich bei allen bedanken, die durchgehalten haben. In seine „Hafthorn“-Kneipe konnte man sich jedenfalls nur noch hineinquetschen. Auch viele Händler zeigten sich zufrieden mit ihren Umsätzen, selbst wenn sie geringer ausfielen als im Vorjahr.

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