Wissenschaft : Zwischen Krieg und Frieden

Tagung zur Rolle der Wissenschaft in Kriegen

Am 22. April 1915 kam es im belgischen Ypern zum ersten Mal zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen. Deutsche Truppen setzten Giftgas ein, mit verheerender Wirkung, es gab zahlreiche Tote aufseiten des Gegners – und als der Wind drehte, auch in den eigenen Reihen. Um die Sache zu perfektionieren, wurden in der Folge Giftgasgranaten entwickelt. An diesem Beispiel lasse sich die Verbindung von Militär und Forschung gut nachzeichnen, wie Reiner Braun von der Initiative „Juristen gegen Atomwaffen“ sagt. Zusammen mit dem „Netzwerk 1914-2014“ und den Studierendenausschüssen der Potsdamer und Berliner Unis hat die Initiative den zweitägigen Kongress „100 Jahre Erster Weltkrieg: Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden“ organisiert. Die These: Ohne die massive Einbeziehung der Wissenschaft wären die Weltkriege nicht möglich gewesen.

Automatisierung, Technisierung und Verwissenschaftlichung des Krieges stehen im Mittelpunkt des Treffens, zu dem unter anderem der bekannte Sozialforscher Wolfram Wette (16. Mai, 19 Uhr) und der Naturwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker (18. Mai 10 Uhr) sprechen werden. Der Kritiker der US-Politik Noam Chomsky wird sich in einer Video-Botschaft zu Wort melden. Von dem Entwicklungssprung der Technik im Ersten Weltkrieg – vom Pferd zu Panzer – wollen die Wissenschaftler einen Bogen in die Gegenwart schlagen und die zunehmende Automatisierung von Kriegsabläufen – etwa durch Drohnen und ferngelenkte Einsätze – thematisieren. Je weniger Militärs an Kämpfen direkt beteiligt sind, desto weniger Soldaten werden getötet – dadurch werde die Hemmschwelle für kriegerische Auseinandersetzungen herabgesetzt, so der Schluss von Reiner Braun. Angesichts des weiterhin bestehenden Atomwaffenarsenals und einer weltweiten Tendenz zu weiterer Aufrüstung sei dies eine beunruhigende Entwicklung.

Dem Potsdamer Uni-Asta geht es auch um die Frage, welchen Einfluss der militärische Bereich auf die Wissenschaft hat. Eine Drittmittelfinanzierung aus dem US-Verteidigungshaushalt an der Universität Potsdam, der Masterstudiengang Military Studies an der Uni und das Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit (Bigs) stehen beim Asta schon lange in der Kritik. Zur Novelle des Landeshochschulgesetzes hatten sie daher eine Zivilklausel gefordert, die Militärforschung an der staatlichen Hochschule untersagt. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) hatte sich hingegen für Ethikkommissionen starkgemacht, die nun laut Gesetz eine Kontrollfunktion übernehmen sollen. Jan Kixmüller

Am 16. Mai ab 19 Uhr im Kutschstall, Am Neuen Markt 9; am 17. Mai (ab 10.30 Uhr) und am 18. Mai (ab 10 Uhr) am Uni-Campus Griebnitzsee, August-Bebel-Straße 89. Eintritt: 10/5 Euro; das Programm: www.asta.uni-potsdam.de

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