Wissenschaft in Potsdam : Potsdamer Forscher: Permafrost taut immer schneller

Die Erderwärmung hinterlässt immer deutlichere Spuren: In vielen Gebieten mit Dauerfrostboden sind die Durchschnittstemperaturen gestiegen. Das zeigt eine neue Studie von Potsdamer Polarforschern.

Weggesackt. Wenn Permafrost auftaut, gerät der Boden ins Rutschen.
Weggesackt. Wenn Permafrost auftaut, gerät der Boden ins Rutschen.Foto: Guido Grosse/AWI

Potsdam - Potsdamer Polarforscher haben festgestellt, dass die Erderwärmung immer deutlichere Spuren in den Permafrostregionen der Welt hinterlässt. In allen Gebieten mit Dauerfrostboden sei die Temperatur des gefrorenen Untergrundes in mehr als zehn Metern Tiefe von 2007 bis 2016 um durchschnittlich 0,3 Grad Celsius gestiegen. Das betreffe die Arktis ebenso wie die Antarktis und in die Hochgebirgen Europas und Zentralasiens. Das geht aus einer neue globale Vergleichsstudie des internationalen Permafrost-Netzwerkes GTN-P hervor, die im Online-Fachmagazin Nature Communications erschienen ist.

In Sibirien ist der Boden fast ein Grad Celsius wärmer geworden

Die deutlichste Erwärmung beobachteten die Wissenschaftler demnach in der Arktis. In Sibirien sei die Temperatur besonders stark gestiegen, dort habe sich der gefrorene Boden um nahezu ein Grad Celsius erwärmt. Im Nordosten und Nordwesten Sibiriens habe der Temperatursprung an einzelnen Bohrlöchern sogar 0,90 Grad Celsius und mehr betragen, während die Lufttemperatur in den entsprechenden Regionen war im selben Zeitraum um durchschnittlich 0,61 Grad Celsius gestiegen war.

„Dort ist in Gebieten mit einem Permafrostanteil von mehr als 90 Prozent die Bodentemperatur innerhalb von zehn Jahren um durchschnittlich 0,39 Grad Celsius gestiegen“, berichtet Boris Biskaborn, Erstautor der Studie und Mitglied der Forschungsgruppe Polare Terrestrische Umweltsysteme von der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Auch deutliche Erwärmung in der Antarktis

Eine deutliche Erwärmung zeichnet sich laut Studie auch in den Permafrostgebieten der Hochgebirge sowie in der Antarktis ab. Die Temperatur der dauerhaft gefrorenen Böden in den Alpen, im Himalaya sowie in den Gebirgen der nordischen Länder stieg demnach im Mittel um 0,19 Grad Celsius. In den wenigen tiefen Bohrlöchern der Antarktis verzeichneten die Forscher einen Anstieg um 0,37 Grad Celsius.

„All diese Daten zeigen uns, dass sich der Permafrost nicht nur lokal und regional erwärmt, sondern weltweit und nahezu im Takt mit der Klimaerwärmung, die vor allem in der Arktis zu einer starken Erwärmung der Luft und zu größeren Schneedicken führt“, erklärte Guido Grosse, Leiter der Sektion Permafrostforschung am AWI in Potsdam. Beide Veränderungen würden nun die Erwärmung des bisher dauergefrorenen Untergrunds zur Folge haben.

Nach Ansicht der Forscher brauche die Überwachung des Permafrosts nun einen institutionellen Rahmen. Die Permafrost-Temperatur verrate direkt, wie der gefrorene Untergrund auf den Klimawandel reagiert, erklärten die Forscher. Diese Informationen würden vor allem in jenen Permafrostregionen benötigt, in denen sich der Boden bereits erwärmt oder zu tauen begonnen hat. Dort würden große Schäden entstehen, da der aufgetaute Untergrund wegsackt und Gebäude oder Straßen den Halt verlieren. 

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