Wissenschaft : „Wie technische Irrlichter“

Fraunhofer Institut und Fachhochschule Potsdam stellten ihre gemeinsam entwickelte Marke OLED:OFIES vor

Tizian Nemeth

Mimo wäre weit ausgeschlagen. Die Anspannung bei Prof. Peter von Maydel schien groß, aber angesichts des Publikums – potentielle Anwender aus der Wirtschaft – auch nachvollziehbar. Mimo ist eine Uhr mit integrierter Herzfrequenzanzeige, entworfen von Peter Dörmer und Philipp Lüdicke, Studenten des Fachbereichs Design an der Fachhochschule Potsdam (FHP). Das Besondere an dieser Uhr ist neben dem Design die Display-Technologie OLED:OFIES, die gestern als neue Marke im Fraunhofer Institut für Angewandte Polymerforschung in Golm vorgestellt wurde.

Das Kürzel steht für „Organische Lichtemittierende Dioden – Optimizing Form and Interaction for Embedded Systems“. Dahinter verbirgt sich ein innovatives Konzept. Auf transparenten Oberflächen werden Licht, Texte und Grafiken erzeugt und dargestellt. Dabei ist das Material biegsam und erlaubt durch das Übereinanderlegen mehrerer Schichten eine vielfältige Farbgebung. Als „technische Irrlichter, die dort auftauchen, wo sie keiner erwartet“ bezeichnete Prof. Jörg Hundertpfund von der FH die Neuerung.

Anschaulicher wurde die Technologie bei der Präsentation praktischer Anwendungen, die von Designstudenten der FH Potsdam entwickelt wurden. Sie hatten für dieses besondere Projekt den Anstoß gegeben, erzählt Peter von Maydel. Als damaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter der FH entwickelte er gemeinsam mit seinen Studenten zunächst Uhren mit dieser neuen Technologie und ging dann auf das Fraunhofer Institut zu. Die Forscher waren von den offerierten Anwendungsmöglichkeiten der OLED-Technologie begeistert. So begann im Jahr 2004 ein drei Jahre währendes gemeinsames Projekt. Dabei sollten die angehenden Designer der FH „auf Augenhöhe“ mit den Wissenschaftlern des Instituts die neue Technik weiterentwickeln. Als Seminare zur Designentwicklung innerhalb dieses Projektes angeboten wurden, war die Nachfrage bei den FH-Studenten groß. Hier bot sich für sie die Möglichkeit, einmal konkret als „Anwalt des Endverbrauchers“ zu wirken. Entwürfe, wie der wiederverwendbare Schwangerschaftstest von Maria Moneva, beeinflussten direkt die Forschung am Fraunhofer Institut. Viele Ideen führten zur Überarbeitung der technischen Entwicklung.

Die ersten praktischen Anwendungen setzt die Firma testo AG um, die ein neues Messgerät zur Aufspürung von Gaslecks entwickelte und dabei im Display die neue OLED-Technologie nutzt. Auch hierfür entwarfen die Studenten der FH das Design. Um die neue Marke zu bewerben, drehten sie gleich die passenden Werbefilme und erdachten die Logos. Das Projekt läuft im Oktober 2007 aus. Peter von Maydel, der inzwischen an der Hochschule für Kunst in Bremen eine Professur angetreten hat, hofft jedoch auf eine Weiterführung mit konkreten Entwicklungen, die dann in die Produktion überführt werden. Das große Interesse bei den anwesenden Firmen auf der gestrigen Präsentation deutete bereits in die richtige Richtung. Tizian Nemeth

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