• Untersuchung des Potsdamer Klima-Instituts: Wie man seine Klimabilanz verbessern kann

Untersuchung des Potsdamer Klima-Instituts : Wie man seine Klimabilanz verbessern kann

Potsdamer Klimaforscher untersuchen mit dem Umweltbundesamt, wie Haushalte CO2-Emissionen senken können. Dabei gab es einige Überraschungen.

Richard Rabensaat
Bilanz verhagelt. Flüge schlagen beim CO2-Budget stark zu Buche. 
Bilanz verhagelt. Flüge schlagen beim CO2-Budget stark zu Buche. Foto: P. Pleul/dpa

Berlin/Potsdam - Auf Schritt und Tritt hat der Klimawandel die Teilnehmer eines Projekts verfolgt, an dem das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt gewesen ist. „Klimaneutral leben in Berlin“ so das Motto eines Experiments, das nun seinen vorläufigen Abschluss gefunden hat. 100 Haushalte hatten teilgenommen. Einmal pro Woche hatten sie Daten über ihren täglichen Verbrauch an Gütern an den Klimarechner des Bundesumweltamtes übermittelt. Somit wurde errechnet, wie viel Treibhausgas dabei freigesetzt wurden.

CO2-Emissionen als Hauptverursacher des Klimawandels

Gewaschene Wäsche, gefahrene Kilometer, gegessene Speisen, der jeweilige Wert an Kohlendioxid (CO2) sind als Rechenwert erschienen. CO2-Emissionen gelten als Hauptverursacher des Klimawandels. Am Ende stand die Klimabilanz eines ganzen Jahresverbrauchs. Jeder der teilnehmenden Haushalte sollte erfahren, wie sein alltägliches Handeln sich in der Bilanz des Weltklimas niederschlägt. Und damit seine individuelle Verantwortung für die Erwärmung Klimaerwärmung berechnen können.

Ungefähr zehn Tonnen CO2 stößt ein Durchschnittshaushalt im Jahr aus. Einen Ausstoß von nur einer Tonne im Jahr zu erreichen, war das erklärte Ziel der Teilnehmer und ist zudem fernes Ziel der Klimapolitik. Der Wert erwies sich jedoch als schwieriger, als die Teilnehmer angenommen hatten. „Die Flüge haben mir die ganze Bilanz verhagelt“, stellt Ute Couraudon fest. Sie habe schon immer versucht, bewusst zu leben und auch ihre Familie in den Praxistest mit einbezogen. Ein Energieberater hatte sie auf Möglichkeiten hingewiesen, in der eigenen Wohnung die CO2-Bilanz zu verbessern. „Die Fenster neu abzudichten war nicht nur für die Klimabilanz sehr positiv, sondern hat auch einen erheblichen Wohlfühleffekt gehabt“, so Couraudon. Weniger Fleisch zu essen, auf Tiefkühlprodukte zu verzichten: das sei zwar in Zahlen messbar, schlage sich aber doch eher geringfügig in der Gesamtbilanz nieder. Der Urlaub und der damit verbundene Flug hätte dann jedoch alle Anstrengungen zu der einen anvisierten Tonne CO2-Ausstoß zu gelangen, zunichte gemacht.

Waschmittel aus eingeweichten Kastanien

Ute Couradon hat sich jedoch nicht damit begnügt, bewusster zu leben, sondern auch nach neuen Möglichkeiten gesucht, Emissionen zu verringern. Dabei ist sie auf manche Überraschung gestoßen. „Ich habe aus eingeweichten Kastanien ein Waschmittel erstellt, das biologisch und hochwirksam ist“, berichtet sie.

„Ganz normale Menschen haben sich Gedanken gemacht, was sie für das Klima tun können“, so Michael Bilharz vom Umweltbundesamt bei der Abschlussveranstaltung. Häufig grassiere das Vorurteil, der Klimaschutz sei eher etwas für Besserverdienende, die dann doch mit dem SUV zum Biosupermarkt fahren. In dem Experiment, an dem neben dem PIK auch das Umweltbundesamt, die Leibniz Gemeinschaft und die Nationale Klimaschutz Initiative beteiligt waren, hätten aber Haushalte quer durch die Lebenswirklichkeit Deutschlands teilgenommen.

Familie Beese fand das Experiment nach eigenem Bekunden „sehr spannend“. Auch den drei, fünf und neun Jahre alten Kinder hätten die Eltern vermitteln können, dass Klimaschutz „einfach Spaß machen kann“, so Karin Beese. Auch hier hatte der Energieberater auf den Strom fressenden Kühlschrank, die wenig effizienten Duschköpfe und die schlecht eingestellte Heizung hingewiesen. Mit dem veganen Essen aber haderte die Familie ein wenig. Es seien auch verschiedene Phasen innerhalb des Experiments durchlaufen worden, so Beese. „Ich habe schon so viel Stress, warum soll ich mir das auch noch antun“, fragte sich Karin Beese. Aber dann war da doch der Ehrgeiz, das eigene Verhalten genau unter die Energielupe zu nehmen.

Das Experiment ist noch nicht vorbei

„Die ausgewählten 100 Haushalte haben dem Ganzen ein Gesicht gegeben“, stellte Bilharz letztlich fest. Daraus erkläre sich auch das große Medieninteresse an dem Experiment. Auch wenn der individuelle Klimarechner des Bundesumweltamtes nun nicht mehr zur Verfügung steht, hofft Bilharz, dass das Experiment nicht zu Ende ist. Es gebe Signale von Seiten Berlins, dass Interesse an einer Fortsetzung der Langzeituntersuchung nun mit 1000 Haushalten bestehen könne.