Überregional : Weckruf für Kometensonde

„Rosetta“ soll erstmals einen kosmischen Eisbrocken aus der Nähe erkunden

Ralf Nestler
Im Anflug. So stellt sich ein Grafiker das Eintreffen der Sonde „Rosetta“ vor. Der mitgereiste Roboter „Philae“ setzt bereits zur Landung an. Die Mission kostet rund eine Milliarde Euro.Abb.: dpa/Esa
Im Anflug. So stellt sich ein Grafiker das Eintreffen der Sonde „Rosetta“ vor. Der mitgereiste Roboter „Philae“ setzt bereits zur...

Seit 2004 dreht die europäische Raumsonde „Rosetta“ ihre Runden im Weltall, die letzten zweieinhalb Jahre in energiesparendem Tiefschlaf. Dieser sollte am Montag durch einen zuvor einprogrammierten Weckruf beendet werden, um die Sonde für die Landung auf einem Kometen im November dieses Jahres vorzubereiten. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt, dass ein fliegendes Labor auf einem kosmischen Eisklumpen aufsetzt und ihn direkt untersucht.

Bevor es soweit ist, muss Rosetta jedoch aus ihrem Weltraumschlaf erwachen. Dazu gehört das langsame Aufheizen der Technik, das Justieren der Lage im Weltraum und das Ausrichten der zwei Meter großen Antennenschüssel in Richtung Erde. Gespannt erwarteten die Fachleute im Darmstädter Kontrollzentrum der europäischen Raumfahrtagentur Esa ein Lebenszeichen der Sonde. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieben die Empfänger allerdings stumm, erst am Abend bestand die Chance, ein Signal zu empfangen.

Die Sonde befindet sich derzeit rund 810 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, das ist mehr als das Fünffache des Abstands zwischen Sonne und Erde. Aufgrund der großen Distanz benötigen die Funksignale von Rosetta bis zum Esa-Kontrollzentrum 43 Minuten.

In den nächsten Monaten soll sich die Sonde dem Kometen „Tschurjumow-Gerasimenko“ nähern und den Landeroboter „Philae“ darauf absetzen. Er soll den etwa drei Kilometer großen Kometenkern genau untersuchen. Mithilfe der Daten wollen die Forscher verstehen, wie das Sonnensystem vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist. Auf Planeten wie der Erde oder dem Mars sind die alten Spuren aus der Frühphase durch geologische Prozesse längst verwischt. Kometen hingegen haben als „kosmische Gefriertruhen“ ihren ursprünglichen Zustand seit Jahrmilliarden konserviert. Ralf Nestler