PIK-Studie : Weltweiter Lebensmittelhandel verschärft Klimawandel

Potsdamer Klimaforscher warnen davor, dass durch einen ungebremsten Welthandel mit Lebensmitteln der Klimawandel deutlicht verschärft werden könnte.

Potsdam -  Bis 2045 müsse mit bis zu 15 Prozent mehr Treibhausgasen durch die Landwirtschaft gerechnet werden, wenn keine zusätzlichen internationalen Regeln zum Umweltschutz eingeführt werden, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Dienstag mit. Welthandel und Klimaschutz müssten deshalb bei internationalen Verhandlungen wie beim kommenden UN-Klimagipfel in Durban gemeinsam behandelt werden.

Eine zunehmende weltweite Öffnung der Märkte für landwirtschaftliche Produkte lasse der Studie zufolge zwar langfristig die Produktionskosten für  Nahrungsmittel sinken, hieß es. Dabei würden Produktionsgebiete in tropischen Regionen immer wichtiger. Dies sei jedoch nur zu Lasten von Umwelt und Klima möglich, etwa wenn Wälder zu Äckern umgewandelt würden.
 
Welthandel mit Lebensmitteln Handelsliberalisierung künftig mit dem Schutz von Wäldern vor Abholzung einhergehen. Mit Einsparungen durch billige Nahrungsmittel könnten zudem Maßnahmen zum Klimaschutz wie die Aufforstung von Flächen bezahlt werden. Auch Ausgleichszahlungen für einen
weitgehenden Verzicht auf die Umwandlung von Wäldern in Ackerflächen seien so „gut finanzierbar“.

Auch in die Entwicklung besserer Anbaumethoden muss der Studie zufolge „rasch deutlich mehr Geld“ gesteckt werde. Die Investitionen in Ertragssteigerungen seien stattdessen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Gerade in Entwicklungsländern könne so jedoch noch viel erreicht werden. Eine höhere landwirtschaftliche Produktivität diene dann sowohl der Sicherung der Welternährung als auch dem Klimaschutz.

Wenn der Welthandel bis 2045 von allen Schranken befreit würde, könnte die weltweite landwirtschaftliche Produktion verglichen mit 2005 um insgesamt etwa elf Billionen US-Dollar und damit um zehn Prozent billiger werden. Zugleich stiege der Ausstoß von landwirtschaftlichen Treibhausgasen um rund 15 Prozent gegenüber einem Szenario ohne Ausweitung des Handels, hieß es. Der Handel mit Getreide, Zucker, Soja und Fleisch habe sich seit 1950 bereits mehr
als verzehnfacht. epd

 

 

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