Überregional : Hand aufs Herz

Fehler in Artikeln von Bodo-Eckehard Strauer?

Die Behandlung von Herzinfarktpatienten mit adulten Stammzellen machte Bodo-Eckehard Strauer weltweit bekannt. Nun sind erneut Zweifel an seinen Publikationen aufgekommen. Bereits Ende 2012 gab es den Verdacht, er habe wissenschaftlich nicht einwandfrei gearbeitet. Jetzt haben vier Forscher vom Londoner Imperial College in Strauers Publikationen mehr als 200 Widersprüche entdeckt, berichten sie im „International Journal of Cardiology“. Die Arbeiten enthielten Ungereimtheiten, Ungenauigkeiten und Beschönigungen, behaupten sie.

Die Universität Düsseldorf, wo Strauer bis zu seiner Emeritierung 2009 arbeitete, will die aktuellen Vorwürfe nicht kommentieren. Susanne Dopheide, Sprecherin des Düsseldorfer Universitätsklinikums, verweist auf eine Uni-interne Kommission sowie eine dreiköpfige externe Kommission, die nach dem Lautwerden der ersten Vorwürfe im Dezember den Fall untersuchen. „Selbstverständlich werden auch die jetzt publizierten Daten herangezogen“, sagt sie. Allerdings seien diese sehr umfangreich, so dass es noch „einige Monate“ dauern werde, bis ein Ergebnis vorliege.

In einer Stellungnahme von Strauers Anwalt Ralf Höcker zu den Anschuldigungen heißt es: „Der Hauptautor ist ein Biologe, der meinen Mandanten seit langem zwanghaft mit vermeintlichen Enthüllungen, Anzeigen und Schmähschriften verfolgt.“ Für seine „Abrechnung“ habe er ein persönliches Motiv. Einer seiner Angehörigen sei Patient bei einer früheren Mitarbeiterin Strauers gewesen.

Strauer hatte 2001 zum ersten Mal einen Herzinfarktpatienten mit dessen eigenen Knochenmark-Stammzellen behandelt. Dem Patienten waren die Stammzellen in das vom Absterben bedrohte Herzgewebe gespritzt worden. Die Meinungen über diese Therapie, die auch danach angewendet wurde, gehen auseinander.

„Anfangs dachte man, die Stammzellen würden sich in Herzzellen umwandeln, das glaubt heute kaum noch jemand“, sagt Gerd Hasenfuß von der Uni Göttingen. Dennoch wurde teilweise eine bessere Funktion des Herzens beobachtet. „Möglicherweise setzten die eingespritzten Zellen Botenstoffe frei, so dass der Heileffekt verbessert wurde“, sagt Hasenfuß. Manche Studien zeigten jedoch, dass der Effekt nicht lange anhielt. dpa/nes