Überregional : Die Neun-Monats-Revolution

Mit moderner Methodik dem Denken von Babys auf der Spur

Juliane Voigt

Lange Zeit nahm man an, dass Babys nicht denken, weil sie noch nicht sprechen können. Neueste Studien der Universität Potsdam aber zeigen, dass Kinder im ersten Lebensjahr ihre Umwelt durchaus sehr bewusst wahrnehmen. Die Entwicklungspsychologin Professor Birgit Elsner und ihr Team untersuchen, inwieweit Babys die Handlungen anderer Personen und deren Absichten verstehen. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen ermitteln sie, wo im ersten Lebensjahr die kritischen Punkte liegen, jene „Meilensteine“ also, an denen bestimmte soziale Fähigkeiten einsetzen.

Hierzu führen sie im Baby-Labor sogenannte Blickzeitstudien durch: Kinder im Alter von neun Monaten bekommen einen Film gezeigt, in dem ein Ball auf ein Objekt zurollt. Diese Szene wird so lange wiederholt, bis das Kind kein Interesse mehr zeigt. Dann wird die Szene verändert, um das Interesse des Kindes erneut zu wecken. Aus der Blickzeit auf das Präsentierte schließen die Forscher, welche Aspekte des Gesehenen besonders bedeutsam für Kinder in einem bestimmten Alter sind. Auf diese Weise haben die Kognitionswissenschaftler beobachtet, dass Babys zwischen belebten und unbelebten Dingen unterscheiden können. Eine wichtige Grundlage für das Verstehen anderer Personen und für soziales Verhalten.

Mit neun Monaten scheint also einer der Meilensteine der sozialen Entwicklung erreicht. Die Forscher nennen diesen Punkt auch die „Neun-Monats-Revolution“. In diesem Alter können Kinder zum Beispiel Zeige-Gesten interpretieren. So signalisieren sie, dass sie ein neues Verständnis von ihrer sozialen Umwelt haben. Juliane Voigt