zum Hauptinhalt
"Wunderbarer Neger" und "nicht so wunderbarer Deutscher": Eine Bildkombo zeigt den Schlagersänger Roberto Blanco (l), aufgenommen am 25.07.2014 in Bayreuth (Bayern), und Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern (CSU), aufgenommen am 27.08.2015 während einer Talkshow in Berlin.

© dpa

Twitter-Reaktionen nach "Neger"-Äußerung: "Joachim Herrmann ist ein nicht so wunderbarer Weißer"

Ein Politiker sagt im Fernsehen das N-Wort und lacht. Auf Twitter ist Bayerns Innenminister Joachim Herrmann derzeit ein häufig gebrauchter Hashtag.

Der CSU-Politiker Joachim Herrmann hat den Schlagersänger Roberto Blanco in der ZDF-Sendung "Hart, aber fair" einen "wunderbaren Neger" genannt. Auf Twitter ließen die empörten Reaktionen nicht lange auf sich warten. Unter den Hashtags #Herrmann, #hartaberfair und auch #Neger stapeln sich die Kommentare.

Wie kam es zu der Aussage? In der ARD-Sendung mit dem Thema "Flüchtlinge" am Montagabend hob "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz die Erfolgsgeschichten der Einwanderer hervor. "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat", sagte der Innenminister Bayerns lachend und reagierte damit auf einen Einspielfilm, in dem ein Mann sagte, er wolle keine "Neger" in Bayern haben. "Und beim FC Bayern spielen auch 'ne ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit. Und das finden die Fans vom FC Bayern auch gut."

Moderator Frank Plasberg reagierte mit einem "Holla" auf Herrmanns Äußerung. Ranga Yogeshwar entgegnete: "Zu mir hat man auch schon mal Neger gesagt. Das ist einfach so. Wahrscheinlich ist das Mangel an Differenzierung."

Franz Josef Strauß hatte Blanco 1982 die Ehrenmitgliedschaft der CSU angetragen. Auf einem Parteitag revanchierte dieser sich auf einem Parteitag mit der Plattitüde: "Wir Schwarzen müssen zusammenhalten."

"Ist jetzt nicht wahr, oder? Joachim Herrmann von der @CSU nennt Roberto Blanco bei @hartaberfair einen #Neger", schreibt Tagesspiegel-Redakteur Matthias Meisner und gibt damit die spontane Reaktion vieler User wieder: Unglaublich, dass tatsächlich ein Politiker öffentlich das "N-Wort" verwendet.

"Tja, auch Bayern gehört zu Deutschland (in diesem Fall: leider). Und Achtung, eine Durchsage: Der kleine Joachim möchte bitte aus den 50er Jahren abgeholt werden", schreibt Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt in seinem "Checkpoint".

"Ist der Mohrenkopf eigentlich noch erlaubt?", twitterte Jens Spahn (CDU/CSU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen.

Einige Twitter-Nutzer erinnerten an ein altes Cover des Satiremagazins "Titanic":

"Merkel so: Rassismus bekämpfen Herrmann so: Neger", twittert Christopher Lauer, ehemaliges Mitglied der Piratenpartei und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses.

"Lerchenberg", die satirische Sitcom des ZDF mit Sascha Hehn in der Hauptrolle, versucht, den Skandal auf dem Schwestersender ARD in einem Tweet zur Eigenwerbung zu nutzen.

Satiriker Jan Böhmermann fragt, ob "die Negervertreter im @WDR Rundfunkrat die heutige #hartaberfair Ausgabe aus der Mediathek löschen lassen?"

Die TAZ twitterte "aus aktuellem Anlass" das Video zu einem Hit von Roberto Blanco: "Ein bisschen Spaß muss sein".

"Und ich bin eine wunderbare Kümmeltürkin, Herr #Herrmann", schreibt die Journalistin und Autorin Hatice Akyün.

Der Hörfunk- und Fernsehmoderator Micky Beisenherz findet, man dürfe der CSU nicht böse sein. Das N-Wort sei bei der Partei nichts Negatives - so wie Schwarzgeld.

Der Twitter-Nutzer Günter Klein schrieb: "Joachim Herrmann ist ein nicht so wunderbarer Weißer."

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
showPaywallPiano:
false