Wissenschaft : Transrapid durch Sanssouci

In der kommenden Woche wird an der Uni das neue Studierendenparlament gewählt

Richard Rabensaat
Knackig wie Zwieback. Wahlwerbung in der Uni-Cafeteria Griebnitzsee.
Knackig wie Zwieback. Wahlwerbung in der Uni-Cafeteria Griebnitzsee.Foto: A. Klaer

Alte Streitpunkte seien zwar immer noch nicht beigelegt, aber insgesamt gebe es im Studierendenparlament (Stupa) eine konstruktive Zusammenarbeit aller studentischen Gruppen, stellt David Kolesnyk von der Juso Hochschulgruppe fest. Die Jusos stellen derzeit mit sechs Sitzen die größte Gruppe einer Koalition mit SDS, Beat, shine UP und „Grünem Campus“. Zusammen bilden sie den Studierendenausschuss der Uni Potsdam (AStA). Nächste Woche stellen sich nun neun Gruppen zur Wahl des nächsten Stupas (18.-20. Juni), darunter auch die Piraten.

Die GAL, die ehemalige Hochschulgruppe der Grünen, tritt nicht an, sie hat sich aufgelöst. 2010 war die GAL mit sieben gewählten Vertretern zwar die stärkste Gruppe, konnte sich gegen eine größere Linkskoalition aber dennoch nicht durchsetzen. „Die GAL war zu wenig grün, wir wollen ökologischer sein“, stellt Christin Wiech, die 24-jährige frauenpolitische Sprecherin im Vorstand der „Grünen Jugend“ Brandenburg und Kandidatin für das Stupa, fest. Der „Grüne Campus“ stellt sich als „graswurzelig“ dar und will eine umweltgerechtere, lebenswertere Uni und eine selbstbestimmte Studierendenschaft. Mitglieder der Gruppe Uni Solar sind ebenso vertreten wie Mitglieder der FC Nahrungskette foodcoop. „Wir sind Aktivisten“, behauptet Wiech. Im Wahlkampf um das Stupa halte man sich eher zurück, die Personaldecke, um Posten zu besetzen, sei eher dünn.

Das Spektrum der Bewerber für das Parlament reicht vom RCDS, der sich an christdemokratischer Politik orientiert, über JumpUp, die versprechen: „Wir bewegen deine Uni“, bis zu shine UP die von sich behaupten, sie seien emanzipierter als Alice Schwarzer und mobiler als Karlsson vom Dach. Zudem solle eine Transrapidstrecke Golm und Griebnitzsee verbinden und am besten auf rosafarbenen Stelzen quer durch den Park Sanssouci führen. Ein neuer Bewerber ist JuPlagNg: „Knackig wie Zwieback, Spritzig wie Cola“. Es handele sich um drei Jurastudenten, glaubt Vincent Heßelman zu wissen. Er ist für Campuspolitik beim gegenwärtigen AStA zuständig. „Beat“ wiederum stellt unmittelbar klar: „Wir sind keine Hochschulgruppe, sondern ein Netzwerk von aktiven Studierenden.“

Bei den politischen Gruppen der Hochschule handele es sich um temporäre Zusammenschlüsse, die schnell und häufig wechseln könnten, erklärt Heßelmann. Auch er vermutet jedoch, dass die künftige politische Konstellation in Stupa und AStA der jetzigen stark ähneln werde und auch wieder eine vergleichbare Koalition zustande kommen wird. Heßelmann hofft allerdings, dass die Wahlbeteiligung wieder steigen wird. Mit acht Prozent sei die Beteiligung an der Wahl zur studentischen Selbstverwaltung im vergangenen Jahr doch recht gering gewesen, während im Jahr 2011 immerhin zwanzig Prozent abgestimmt hätten. Das hätte an der Verbindung der Wahl mit der Abstimmung über das Semesterticket zusammengehangen, mutmaßt Heßelmann.

Gegenwärtige Streitpunkte sind die Steigerung der Studentenwerksbeiträge und der Mensapreise, die Novellierung des Hochschulgesetzes und auch der geradezu klassische Streit um die Verwendung der Gelder der studentischen Selbstverwaltung. Bei einer einberufenen Vollversammlung der Studentenschaft wirbt der AStA für die Urabstimmung über die Studentenwerksbeiträge, die mit der Stupa-Wahl verbunden ist. Mittels der Beiträge sollen auch künftig billiges Mensaessen, allerlei Mensaservice und auch die Beratung der Studenten garantiert werden.

„Wir setzen uns für ein politisches Mandat der Studentenschaft ein und unterstützen auch politische Aktionen außerhalb der Uni“, konstatiert Wiech. David Kolesnyk betont, dass die Jusos sich für eine „Zivilklausel“ im Brandenburgischen Hochschulgesetz oder auch in der Verfassung der Universität Potsdam einsetzten würden. Die Universität solle frei von militärischer Einflussnahme sein, es solle rein „zivil“ gelehrt und geforscht werden. Den Studierenden ist vor allem das mit der Uni kooperierende Brandenburgische Sicherheitsinstitut BIGS ein Dorn im Auge, an dem auch Firmen aus der Rüstungsindustrie beteiligt sind.Richard Rabensaat

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