• Töpfer-Institut muss nachjustieren Wissenschaftsrat fordert Kurskorrektur am IASS

Wissenschaft : Töpfer-Institut muss nachjustieren Wissenschaftsrat fordert Kurskorrektur am IASS

Initiator. Klaus Töpfer hat das Nachhaltigkeits-Institut mit begründet.
Initiator. Klaus Töpfer hat das Nachhaltigkeits-Institut mit begründet.Foto: Thilo Rückeis

Der Wissenschaftsrat hat umfangreiche Kurskorrekturen beim Potsdamer Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) angemahnt. Das 2009 unter Gründungsdirektor Klaus Töpfer durch den Bund, das Land Brandenburg und mehrere Wissenschaftsorganisationen eingerichtete Nachhaltigkeits-Institut stehe angesichts des bevorstehenden Ausscheidens der beiden erstberufenen Direktoren vor einer weitreichenden Umbruchsituation, so der Wissenschaftsrat. Grundsätzlich würdigte das wichtigste deutsche wissenschaftspolitische Beratungsgremium die geleistete Aufbauarbeit des Instituts, gab dem Haus allerdings weitreichende Aufgaben zur Neustrukturierung auf.

Anerkannt wurde, dass das IASS als neuartiges Institut mit dem Schwerpunkt nachhaltige Entwicklung zugleich Aufgaben eines Forschungsinstituts sowie eines Instituts für Politik- und Gesellschaftsberatung wahrnimmt. Der transdisziplinäre Ansatz und die Konzentration auf Themen mit hohem Transformationspotenzial wurden hervorgehoben. „Das IASS bewegt sich damit auf einem wichtigen, aber auch schwierigen Gebiet“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel. „Wenn das IASS seine Gründungsidee erfolgreich umsetzt, kann sich das Institut in Anbetracht der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu einem wichtigen Scharnier zwischen Wissenschaft und Gesellschaft entwickeln“, so Prenzel.

Dazu seien aber konzeptionelle und organisatorische Kurskorrekturen am IASS erforderlich. In erster Linie nennt der Wissenschaftsrat den Aufbau sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Theorie- und Methodenkompetenzen, den verstärkten Ausbau des Konzepts für ein Institute for Advanced Studies sowie eine neue Form der Themenfindung und -bearbeitung. Entscheidend für die weitere Entwicklung des IASS sei es zudem, personell rasch die richtigen Weichen zu stellen. Klaus Töpfer und Carlo Rubbia scheiden zum Jahresende beziehungsweise Mai 2015 als Gründungsdirektoren aus. Der ehemalige Bundesumweltminister Töpfer werde aber auf jeden Fall das Haus führen, bis eine tragfähige Nachfolgeregelung gefunden ist, so eine IASS-Sprecherin. Am 7. November werde die Mitgliederversammlung über die Berufungsverfahren der Nachfolger entscheiden.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt in Zukunft ein Leitungsmodell mit zwei oder drei gleichberechtigten Direktorinnen und Direktoren mit rotierender Geschäftsführung. Für die weitere konzeptionelle Entwicklung des IASS sei der anstehende Leitungswechsel von entscheidender Bedeutung, heißt es von dem Gremium. Die Direktoren sollten dabei gemeinsam mit der Universität Potsdam oder anderen Universitäten der Region als planmäßige Professoren berufen werden. „Ziel der weiteren Anstrengungen des IASS muss es sein, eine konsistente und qualitätsgesicherte Forschungsprogrammatik zu entwickeln und die wissenschaftliche Qualität insbesondere seiner eigenständigen Forschungsarbeiten zu verbessern“, so der Rat.

Auch wird dem Institut empfohlen, die bisherige Clusterstruktur aufzugeben und eine Organisationsform anzustreben, die einerseits die längerfristig angelegte Herausbildung von Schwerpunkten fördert und andererseits eine hohe Flexibilität in der Bearbeitung von Projekten erlaube. Auch solle die administrative Aufgabenverteilung überdacht und angepasst werden: „Insbesondere sollte zukünftig auf die Position eines Generalsekretärs mit eigenen Forschungsaufgaben verzichtet werden“, so der Wissenschaftsrat.

Das finanzielle Engagement des Bundes und des Landes Brandenburg würdigte der Rat. Er spricht sich zunächst für eine befristete Fortführung der Projektförderung aus und empfiehlt dem Bundesforschungsministerium und Brandenburgs Wissenschaftsministerium, drei bis spätestens fünf Jahre nach Berufung der neuen Direktoren eine erneute Evaluation vornehmen zu lassen, um anschließend über die zukünftige Finanzierung des Instituts zu entscheiden. Jan Kixmüller

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