Wissenschaft : Theater der großen Gesten

Die English Drama Group der Universität Potsdam bringt Tom Stoppards „The Real Inspector Hound“ auf die Bühne

Almut Andreae
Große Kreativität. Die English Drama Group der Universität Potsdam.
Große Kreativität. Die English Drama Group der Universität Potsdam.Foto: Promo

Zu Beginn des Premierenabends ahnen die beiden Theaterkritiker Moon und Birdboot noch nicht, was auf sie zukommt. Auf dem Programm steht ein neues Kriminalstück, bei dem auch die attraktive Nachwuchsdarstellerin in der Rolle der Felicity Cunningham zum Zuge kommt. Während Birdbood sich den Reizen der jungen Schauspielerin aus der Provinz kaum erwehren kann, hadert Kritikerin Moon mit ihrem Stigma als zweite Geige in der Redaktionshierarchie. „The Real Inspector Hound“ ist ein Stück im Stück. Was die beiden Kritiker sehen und für sich kommentieren, geht gleichzeitig auch für die Zuschauer im Theatersaal über die Bühne.

1968 aus der Feder des einflussreichen britischen Theaterautors und Filmemachers Tom Stoppard geflossen und noch im selben Jahr in London uraufgeführt, birgt die Komödie besten Stoff für einen unterhaltsamen Theaterabend. Die English Drama Group, spezialisiert auf die Inszenierung anglophoner Theaterliteratur quer durch die Jahrhunderte, an der Universität Potsdam bringt das Stück in der kommenden Woche zur Aufführung. In denkbar kurzer Zeit, erzählt Regisseurin Anke Köhler, haben die Studierenden die Bühnen-Klamotte aufführungsreif gemacht. Während die Theatertruppe in der Regel zwei Semester benötigt, um ein Stück einzustudieren und sich um alles Notwendige rund um die Inszenierung zu kümmern, lief diesmal alles wie am Schnürchen. Die mit Beginn des Wintersemesters aufgenommene Einstudierung mündet bereits am kommenden Mittwochabend in die Premiere. Gespannt sein darf man auf ein buntes, facettenreiches Theater der großen Gesten.

In ihrer Rolle als Regisseurin der English Drama Group legt Anke Köhler Wert darauf, dass sich die Laien-Darsteller im Probenprozess ausprobieren und sich für Neues öffnen. „Theater wird da zum geschützten Raum, wo unglaubliche Kreativität entsteht“, erzählt Anke Köhler. 2003 hatte sich die ehemalige Anglistik-Studentin als Laienschauspielerin der English Drama Group angeschlossen, die seit 1984 an der Uni besteht. Längst flankiert und befruchtet die Theaterarbeit von Anke Köhler die eigene Forschung zur nonverbalen Kommunikation in der Unterrichtsdidaktik. So sind Stimm- und Atemübungen oder die Fähigkeit, Situationen gedanklich zu antizipieren und durchzuspielen, grundlegende Techniken der Theaterarbeit, die gerade auch für angehende Lehrer überaus tauglich sind.

Die Überzeugung, dass an der Schnittstelle zwischen Uni und Theater ungenutztes Potenzial schlummert, teilt Anke Köhler auch mit dem Hans Otto Theater. Begeistert ging sie auf die Einladung des Potsdamer Theaters ein, „The Real Inspector Hound“ Anfang März im Rahmen des Nachtboulevard in der Reithalle des Hans Otto Theater zu zeigen. Anke Köhler betont mit Blick auf das Publikum, wie wichtig es ihrer Meinung nach ist, „dass die Studenten den Weg ins Theater finden“. Der Vorschlag einer Kooperation war vom HOT ausgegangen. Mit seiner Initiative rannte es bei Anke Köhler offene Türen ein. Denn: „Theater ist schon immer mein Herzblut gewesen.“

Zwischen fast abgeschlossener Promotion und Beginn ihres Referendariats ab dem nächsten Schuljahr plant sie mit Mitwirkenden der Drama-Group bereits das nächste Stück für den Sommer. Demnach werden wieder fünfzehn bis zwanzig Studierende der Literatur-, und Naturwissenschaften, der Bibliothekwissenschaft, Psychologie oder der Pädagogik miteinander etwas auf die Beine stellen. Sich dafür während des Semesters einmal in der Woche regelmäßig für eine mehrstündige Probe treffen und, wenn es auf die Premiere zugeht, das ein oder andere gemeinsame Wochenende investieren.

Wie bisher werden vorhandene Talente wie Gesangeskünste, Instrumentalspiel, handwerkliches Geschick und vieles mehr zum Einsatz und damit der Produktion zu Gute kommen. Angefangen von der Stückauswahl über die Bühnentechnik bis hin zur Entwicklung des Programmheftes und zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit befindet sich die Theaterarbeit komplett in studentischer Hand. Finanziellen Rückhalt bekommt die English Drama Group seit zwei Jahren aus Mitteln des Programms „Studium Plus“.

Mit großem Elan haben dreizehn Studierende die Geschichte der beiden Inspektoren Hound in Szene gesetzt. Ort des Geschehens ist das abgeschiedene Landhaus Muldoon Manor. Wo in den Sümpfen eines Tages Lady Cynthia Muldoons Ehemann in den Sümpfen verschwand. Und schon ist genau hier erneut Gefahr im Verzug. Als noch weitere Personen auf dem Landsitz auftauchen, ist die Verwirrung bald komplett. Von alldem bleiben schließlich auch die Kritiker Moon und Birdboot nicht ganz unberührt. Almut Andreae

Premiere: Mittwoch, 19. Januar, 18.30 Uhr im Theatersaal der Universität Potsdam, Campus Golm, Auditorium Haus 5. Infos: www.edg-potsdam.de

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