• Tagung Uni Potsdam Industrie 4.0: Selbstständige Maschinen: Nicht ohne den Menschen

Tagung Uni Potsdam Industrie 4.0: Selbstständige Maschinen : Nicht ohne den Menschen

Wie sieht die Industrie der Zukunft aus? Klar ist bereits jetzt, dass der Mensch in den neuen cyber-physischen Systemen weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.

Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Die Fabrik der Zukunft werde auf keinen Fall menschenleer sein, sagt Norbert Gronau. Der Professor für Wirtschaftsinformatik betreibt an der Universität Potsdam eine Versuchsanlage für die Industrie 4.0 – nach Dampfmaschine, Fließband und Computer die nächste industrielle Revolution. Heute wird in der Fabrikhalle nicht nur mit Computern gearbeitet, sondern die Maschinen kommunizieren nun über Sensoren und Aktoren untereinander und mit ihrer Umwelt. Am gestrigen Dienstag sprach Gronau auf einer Uni-Konferenz zum Thema.

Der Mensch werde in den neuen cyber-physische Systeme genannten Industrieanlagen weiter eine wichtige Rolle spielen, nämlich um die Systeme und Automatisierungseinrichtungen zu bedienen und zu warten. „Es geht darum, Mensch und Maschine künftig in die Lage zu versetzen, Hand in Hand zu arbeiten“, sagt Gronau. Viele Fabriken würden bereits heute mit intelligenten Systeme arbeiten, die über Wissen zum Fertigungsprozess verfügen und selbst Entscheidungen treffen. „Diese werden die Arbeitswelt revolutionieren“, so Gronau. Thomas Schulz von der Firma GE Digital bestätigte Gronaus Einschätzung. Der Mensch bleibe im Zentrum der neuen Arbeitswelt. Wichtig sei dabei, dass die Mitarbeiter vernünftige „Interfaces“ brauchen, die ihnen zeitnahe Informationen der Systeme liefern, damit sie Entscheidungen treffen können. Auch für die Gewerkschaften ist die neuerliche industrielle Revolution ein Thema: Die IG Metal sieht den Menschen dabei im Mittelpunkt, wie Konrad Klingenburg von der IG Metall betonte.

Immer mehr Daten müssen verarbeitet werden

Die Industrie, deren Entwicklung heute vom rasanten Fortschritt der IT angetrieben werde, steht für Gronau vor der Herausforderung, immer mehr Daten verarbeiten zu müssen. Für die schnellere Verarbeitung seien bessere Algorithmen und weltweite Vernetzung notwendig. Gronau sieht die Datenverarbeitung heute um den Faktor eine Million beschleunigt, allein bei 50 Kilometern Fahrt eines smarten Elektroautos fallen beispielsweise 50 Terabyte Daten an. In den Fabriken der Zukunft können über solche immensen Datenströme die einzelnen Werkstücke sich den eigenen Weg suchen. In anderen Branchen sind es beispielsweise Akten, die sich in neuen Software-Architekturen selbstständig ihre Ziele suchen.

Größte Hindernisse der Entwicklung sind für den Wirtschaftsinformatiker Norbert Gronau mangelnde langfristige Orientierung, Egoismus und mangelndes Interesse der Firmen sowie schlechte Software-Architekturen. Wissen aufbauen und Selbstorganisation sieht er als Aufgaben der Industrie. Gronau setzt auf wachsendes Know-how, einen Industrie-4.0- Masterplan und die Erprobung. Dafür hat Gronau am Campus Griebnitzsee der Universität Potsdam ein Anwendungszentrum Industrie 4.0 aufgebaut. Die Modellfabrik bietet für Unternehmen eine plastische und realistische Darstellung ihrer Arbeitsprozesse, Lösungsvarianten für Verfahren, konkrete Aussagen zum Nutzen von Technologien sowie Lösungsalternativen. Neuerungen von Industrieanlagen können hier interaktiv getestet und geschult werden. Die hybride Simulationsanlage kann auch zu Präsentationszwecken genutzt werden.

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