• Schließung von Hochschulen befürchtet Heftige Kritik an den Sparplänen der Regierung

Wissenschaft : Schließung von Hochschulen befürchtet Heftige Kritik an den Sparplänen der Regierung

Wegen der geplanten Kürzungen in der Wissenschaft ist die rot-rote Landesregierung bei Hochschulvertretern weiter heftig in der Kritik. Sollte es bei den Kürzungsplänen bleiben, seien Schließungen etwa von Fachhochschulen „unvermeidbar“, warnte Manfred Görtemaker, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam, am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion zur Haushaltslage, zu der die Studentenzeitschrift „speakUP“ ins Audimax eingeladen hatte. Görtemaker forderte „Umschichtungen“ im Landeshaushalt. „Bildung und Wissenschaft muss ein sehr viel höherer Stellenwert eingeräumt werden als bisher“, erklärte er und verwies auf die Finanzausstattung von Unis im Ausland, denen bei vergleichbarer Größe etwa das Zehnfache des Etats der Uni Potsdam zur Verfügung stehe.

Der Etat soll in Zukunft bekanntlich noch schrumpfen: Wie berichtet muss Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) allein im kommenden Jahr 12 Millionen Euro bei den Hochschulen sparen. Das kritisiert auch der amtierende Uni-Präsident Thomas Grünewald. Er warnte gestern vor drohenden Studienplatzreduzierungen als Folge der vorgesehenen Mittelkürzungen. Die Hochschulen holten junge Leute ins Land und sorgten damit für einen „gesunden Ausgleich“ zum demografischen Wandel, betonte er. „Wenn Brandenburg allein auf seine Bevölkerung angewiesen wäre, wäre alles noch viel schlimmer.“

Ähnliche Befürchtungen äußerte auch Johannes Vielhaber, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz und Rektor der Fachhochschule Potsdam, in einem Interview mit dem Radiosender „radioeins“: Spätestens ab 2013, wenn die Ausgleichszahlungen des Bundes wegfielen, drohten Schließungen von „ganzen Fachbereichen“. Es falle „schon manchmal schwer“, die von der Regierung postulierte Priorität für Bildung und Wissenschaft „zu erkennen“.

Görtemaker kritisierte indes auch den amtierenden Uni-Präsidenten Grünewald für die von ihm angeschobene Debatte um die Einführung sogenannter „Studienkonten“. Dabei soll den Studierenden eine kostenlose Ausbildung nur für einen begrenzten Zeitraum gewährt werden, bevor dann Gebühren fällig werden. Das Modell würde gegen die drohenden Kürzungen „überhaupt nicht helfen“, die Diskussion darüber zum jetzigen Zeitpunkt sei „unglücklich“, so Görtemaker.

Heftige Kritik an den Kürzungsplänen und der Gebühren-Debatte kam auch von den Studierenden auf dem Podium und aus dem ansehnlich besetzten Audimax: Mit seiner Forderung nach kostenfreier Bildung von der Kita bis zur Hochschule erntete Uni-Student Sebastian Walter (Die Linke) allerdings bissige Kommentare, weil seine Partei die Kürzungspläne mitverantwortet. Eine komplette Reform des „maroden Bildungssystems“ forderte Sabine Volk, Mitgründerin von „Intelligenzija Potsdam“, einer Initiative zur Verbesserung der Situation von Lehrenden und Studierenden, und erhielt dafür Beifall. Bildung sei keine Ware, sondern ein Menschenrecht, betonte sie. Jana Haase