PIK-Studie : Keine Entwarnung

Die Kleine Eiszeit im 17. Jahrhundert soll nach einer aktuellen Potsdamer Studie nicht durch geringe Sonnenaktivität verursacht worden sein. Daher dürfte die jetzige Sonnenschwäche auch ohne Effekt bleiben

Überschätzte Wirkung. Der Einfluss von Schwankungen der Sonnenaktivität wird nach Ansicht von Klimaforschern überschätzt. Die Auswirkung der Sonnenaktivität auf das Klima sei vergleichsweise gering, sagen sie.
Überschätzte Wirkung. Der Einfluss von Schwankungen der Sonnenaktivität wird nach Ansicht von Klimaforschern überschätzt. Die...Foto: dapd

Die derzeit abgeschwächte Sonnenaktivität wird keinen großen Einfluss auf unser Klima haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Georg Feulner vom PIK hat darin untersucht, ob die sogenannte kleine Eiszeit im 16. und 17. Jahrhundert durch das damalige Minimum der Sonnenaktivität – das sogenannte Maunder-Minimum – ausgelöst wurde. Das Ergebnis von Feulner, das nun in den Geophysical Research Letters (Vol. 38) publiziert wurde: „Die schwächelnde Sonne war nicht der bestimmende Faktor für die kleine Eiszeit“. Vor allem Vulkanausbrüche sowie eine geringere Menge von Treibhausgasen in der Atmosphäre hätten entscheidend zu dieser Phase kühleren Klimas beigetragen.

Die Wissenschaft geht bislang davon aus, dass durch verstärkte Wolkenbildung in der Atmosphäre bei geringerer Sonnenaktivität eine Abkühlung auf dem Globus eintritt. Entsprechend wurde nun erwartet, dass die geringe Sonnenaktivität, wie sie von einigen Forschern für die kommenden Jahrzehnte prognostiziert worden war (PNN berichteten), die globale  Mitteltemperatur absenkt. Auf Grundlage ihrer neuen Ergebnisse erwarten die PIK-Forscher nun aber keine spürbare Abkühlung für das vom Menschen mit seinen Treibhausgas-Emissionen aufgeheizte Erdklima. „Der Einfluss von Schwankungen der Sonnenaktivität wird oft überschätzt“, sagt Georg Feulner. Seine nun vorgelegte Analyse zeige dies für die Vergangenheit. Die Auswirkung der Sonnenaktivität auf das Klima sei vergleichsweise gering. „Und hieraus können wir etwas lernen für die Klimaentwicklung der Zukunft.“ Auch die Hoffnung, dass der Klimawandel durch die Schwächephase der Sonnen gebremst werden könnte, scheint damit unbegründet.

Die Sonnenzyklen betragen immer rund elf Jahre, auf ihrem Höhepunkt ist die Sonnenaktivität – Sonnenflecken, Strahlungsausbrüche und koronale Masseauswürfe – am stärksten. Sonnenflecken gelten als sichtbares Zeichen der Sonnenaktivität. Ist ihre Zahl gering, ist auch die solare Strahlungsintensität messbar niedriger. Im späten 17. Jahrhundert befand sich die Sonne nach einer langsamen Abschwächung der Sonnenaktivität, die um das Jahr 1600 einsetzte, in einer ausgedehnten Ruhephase, dem Maunder-Minimum.

Zwei aktuelle Studien, die zu unterschiedlichen Werten für die Sonneneinstrahlung im Maunder-Minimum gekommen waren, hat Feulner für seine Untersuchung verglichen. Die eine kommt zu dem Schluss, die solare Strahlungsintensität sei damals sehr viel geringer als heute gewesen. Die andere besagt, dass die Sonnenintensität in jener Zeit lediglich genauso gering gewesen sei wie im außergewöhnlichen Minimum der Sonne 2008/2009 .

PIK-Forscher Feulner hat nun mit einem komplexen Klimamodell ermittelt, wie sich die sehr unterschiedlichen Werte für die Sonneneinstrahlung auf die Temperaturen der Nordhalbkugel in den vergangenen 1000 Jahren auswirken. Das Klimamodell berücksichtigt auch die Treibhausgaskonzentration und den kühlenden Effekt von Schwefelsäuretröpfchen aus Vulkanausbrüchen. Die im Modell ermittelten Daten hat Feulner dann mit den aus Klimaarchiven wie Eisbohrkernen, Baumringen, Sedimenten und Korallen rekonstruierten Temperaturen des letzten Jahrtausends verglichen.

„Das Ergebnis ist eindeutig“, so der Forscher. Die Werte aus jener Studie, derzufolge die Sonneneinstrahlung in der kleinen Eiszeit extrem gering war, habe in der Modellrechnung über die Jahrhunderte hinweg zu Temperaturen geführt, die in Zeiten niedriger Sonnenaktivität deutlich unter den tatsächlich beobachteten liegen. Die Werte der anderen Studie hingegen, die keinen großen Unterschied zwischen der Strahlungsintensität damals und dem jüngsten Sonnenminimum sieht, hätten im Modell zu wirklichkeitsnahen Temperaturen geführt. „Um die Klimageschichte zu verstehen, müssen natürlich neben den Treibhausgasen auch alle anderen Klimafaktoren berücksichtigt werden“, erklärt Feulner seinen Ansatz.

Dass die Sonne, wie vielfach vermutet, nun in eine dem Maunder-Minimum ähnliche Ruhephase eintritt, wird nach Ansicht von Feulner nur sehr geringe Auswirkungen auf die durch den anthropogenen Treibhauseffekt steigenden globalen Temperaturen haben. „Das würde uns lediglich eine Abkühlung von maximal 0,3 Grad Celsius bringen“, lautet Feulners Ergebnis. Und das würde die bis zum Ende des Jahrhunderts zu erwartende Klimaerwärmung nur um etwa zehn Prozent mindern. „Leider zu wenig um den Klimawandel spürbar abzuschwächen“, so Feulners Fazit. Wichtiger noch ist für die Wissenschaft aber das Ergebnis zum Maunder-Minimum. Denn, dass diese Phase nicht durch eine Sonnenschwäche verursacht wurde, ist eine ganz neue Erkenntnis in der Erdwissenschaft.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.