Wissenschaft : Nicht ins kalte Wasser werfen

Uni will mit Didaktik-Programm die Lehr-Kompetenz der Dozenten verbessern

Als die Universität Potsdam im vergangenen Jahr als einer der Preisträger im „Wettbewerb exzellente Lehre“ vom Stifterverband und der Kultusministerkonferenz ausgezeichnet wurde, war die Verwunderung bei vielen Studierenden groß. Denn gleichzeitig spitzte sich der Bildungsstreik der Studenten an der Hochschule zu, Hauptforderung waren bessere Studienbedingungen. Dass nun gerade eine Hochschule, an der in vielen Bereichen die Lehrveranstaltungen aus allen Nähten platzen, für „exzellente Lehre“ ausgezeichnet wurde, schien vielen unverständlich.

Ausgezeichnet wurde die Uni allerdings nicht für den Allgemeinzustand der Lehre, sondern für ein Programm, das in der Ausbildung der Studierenden Exzellenz schaffen soll. „Lehre und Studium an der Universität Potsdam – reflektiert, profiliert, forschungsbasiert“ heißt das Programm, das nun mit einer Million Euro gefördert wird. Mit diesem Geld kann das Projekt drei Jahre finanziert werden. An dem Wettbewerb beteiligten sich 57 Universitäten und 47 Fachhochschulen deutschlandweit, auch die FH Potsdam wurde ausgezeichnet.

In dieser Woche hat die Uni ihr Exzellenz-Programm nun erstmals öffentlich vorgestellt. „Die Auszeichnung ist Beweis für die in Potsdam vorhandene Kreativität, die unsere Universität im Wettbewerb mit anderen Universitäten erfolgreich voranbringen wird“, sagte Uni-Präsidentin Sabine Kunst. Die Frage sei nun, wie man das zusätzliche Geld auch zur Verbesserung der Betreuungsrelation einsetzen könne. Ziel sei eine sichere Kompetenzvermittlung, also eine Garantie dafür, dass der Lehrstoff auch in den Köpfen der Studierenden ankommt. Durch die forschungsbasierte Lehre, der sich die Uni verschrieben hat, sollen eben auch Kompetenzen bei den Studenten entwickelt werden. Nur so könne man die Berufsperspektiven verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es vor allem auch wichtig, die Lehrenden didaktisch zu schulen.

Die Potsdam Graduate School, das Netzwerk Studienqualität Universität Potsdam und das Zentrum für Qualitätsentwicklung erarbeiteten dafür ein Konzept, das auf die Professionalisierung der Lehrveranstaltungen an der Hochschule und die Weiterentwicklung von Instrumenten und Verfahren der Lehrevaluation abzielt. Geplant sind Qualifizierungsangebote für Doktoranden (Junior Teaching Professionals), Post-Docs und Neuberufene (Senior Teaching Professionals). „So werden die Lehrenden zu einer kompetenzorientierten und forschungsbasierten Lehre befähigt“, erklärte Heike Küchmeister, Geschäftsführerin der Potsdam Graduate School. „Die Teilnehmer des Programms erleben die enge Verknüpfung von Lehre und Forschung“, erläuterte sie. Dazu gehöre die Sensibilisierung für die Lerninteressen und Erwartungen der Studierenden, um daran anknüpfend fachspezifisches und fachübergreifendes Wissen zu vermitteln.

So weit, so gut. Bei der Präsentation kamen auch einige Teilnehmer selbst zu Wort. Die Romanistik-Promovendin Sophie Ratschow würdigte das Programm als vorbildlich, sinnvoll und attraktiv. Ihre Kollegin Sabine Volk, die in Germanistik promoviert, sah das allerdings etwas anders. Die Idee, die Dozenten nicht ins kalte Wasser springen zu lassen, sei zwar gut. Doch die Überfüllung der Lehrveranstaltungen mache die Ausbildung der Studierenden zu einer großen Herausforderung. „Die Betreuung durch die Dozenten ist durch die Überlastung nicht vollkommen zu gewährleisten“, sagte sie. Auch sehe sie durch das Programm keine Chancengleichheit gegeben. „Eigentlich sollten Nachwuchswissenschaftler nicht in Exzellenzprogrammen, sondern flächendeckend gefördert werden.“ Rückendeckung bekam die Dozentin von ihren Studierenden. Auch sie berichteten von teilweise unmöglichen Studienbedingungen. Eine Studentin bat schließlich Uni-Präsidentin Kunst, sich gerade auch „im Sinne ihres Namens“ für die Geisteswissenschaften einzusetzen. Jan Kixmüller