Neue Ergebnisse aus Potsdam : Ist diese Hitze noch normal?

Potsdamer Klimaforscher sind sich sicher: Die aktuellen Hitze-Rekorde werden vom Klimawandel verursacht. Das hat eine Auswertung der Wetterdaten ergeben.

Foto (Symbolbild): Frank Rumpenhorst/dpa

Potsdam - Angesichts der aktuellen Hitze haben Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung erneut auf Zusammenhänge mit dem Klimawandel hingewiesen. Demnach würden Wetterdaten zeigen, dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben. 

Alle Rekord-Sommer ereigneten sich seit dem Jahr 2000

„Die heißesten Sommer in Europa seit dem Jahr 1500 unserer Zeitrechnung ereigneten sich alle seit der letzten Jahrhundertwende: 2018, 2010, 2003, 2016, 2002“, erklärte PIK-Forscher Stefan Rahmstorf. „Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre.“ Rahmstorf wies zudem auf aktuelle Temperaturrekorde in Indien hin. Dort wurden Mitte Juni Temperaturen von über 50 Grad gemessen. „Hitzewellen können eine Gesellschaft hart treffen, etwa indem sie zu zusätzlichen Todesfällen in gefährdeten Gruppen wie bei alten Menschen und Kindern führen“, erklärte Rahmstorf. Außerdem könne eine Kombination von heißen und trockenen Bedingungen regional unter Umständen zu Wasserknappheiten und Ernteausfällen führen. 

Stefan Rahmstorf.
Stefan Rahmstorf.Foto (Archiv): Martin Schutt/dpa

Rahmstorfs PIK-Kollege Dim Coumou hat zudem in Studien eine Änderung der atmosphärischen Zirkulation durch die gegenwärtige Erderwärmung festgestellt: „Die Datenanalyse zeigt, dass sich die normalerweise nach Osten bewegende sommerlichen Windströmungen einschließlich des Jetstreams in den mittleren Breitengraden der nördlichen Halbkugel verlangsamt hat.“ Dies begünstige das Entstehen von heißen und trockenen Bedingungen auf dem Kontinent: „Aus ein paar warmen sonnigen Tagen können so gefährliche Hitzewellen werden.“ 

Der bisher heißeste Tag in Potsdam war im Jahr 1992

Hintergrund dieser Entwicklung sei das abtauende Meereis in der Arktis: Dies trage zu einer unververhältnismäßig starken Erwärmung in den nördlichsten Regionen unseres Planeten bei. Dadurch wiederum würden die natürlichen Muster des Jetstreams gestört kann. „Eine starke atmosphärische planetare Welle hat wahrscheinlich eine wichtige Rolle bei der aktuellen Hitzewelle gespielt“, so Coumou. 

So sieht eine starke atmosphärische planetare Welle aus.
So sieht eine starke atmosphärische planetare Welle aus.Grafik: PIK

„Das beobachtete Muster zeigte sich auch bei den extremen Wetterereignissen des vergangenen Sommers“, so Coumou. In einer Studie vom April dieses Jahres waren die PIK-Forscher zu dem Ergebnis gekommen, dass der Dürresommer 2018 durch stockende Riesenwellen im Jetstream verursacht wurde. Die durch stagnierende Wellenmuster hervorgerufenen Hitzewellen würden laut der Untersuchung von PIK-Leitautor Kai Kornhuber auf den bereits zu beobachtenden allgemeinen Temperaturanstieg durch die globale Erwärmung nun noch obendrauf kommen. Das erhöhe wiederum das Risiko besonders extremere Hitzewellen vor allem in Regionen wie Nordamerika und Europa. 

Der Potsdam-Rekord liegt bei 39 Grad

Ob in Potsdam am Mittwoch allerdings den Juni-Rekord geschlagen wird, der am 21. Juni 2000 mit 36,5 Grad laut der Aufzeichnungen der Potsdamer Säkularstation auf dem Telegrafenberg aufgestellt wurde, bleibt abzuwarten. Prognosen vom Dienstag gingen für Mittwoch von 36 bis 37 Grad aus. Der absolute Rekord für Potsdam liegt laut Säkularstation bei 39,1 Grad, erreicht am 9. August 1992. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte an diesem Tag an einer anderen Messstation allerdings nur 38,6 Grad gemessen.