• Konfliktforscherin geht in Pension: Die Zankenden an einen Tisch bringen

Konfliktforscherin geht in Pension : Die Zankenden an einen Tisch bringen

Sarah Stoffers
Foto: privat

Wie Konflikte friedlich und gewaltfrei gelöst werden können, diese Frage hat Angela Mickley ihr ganzes Arbeitsleben umgetrieben. Nun geht die Konfliktforscherin der Fachhochschule Potsdam nach gut 23 Jahren in den Ruhestand. Mickley ist heute davon überzeugt, dass Mediation, also die gewaltfreie Bewältigung eines Konfliktes unter Moderation eines Dritten, mehr bringe als die Bestrafung von Tätern – egal, ob es sich um Konflikte im privaten, beruflichen Umfeld handele oder um Konflikte zwischen Staaten.

Angela Mickley beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dieser Problematik. Als Professorin für Friedenspädagogik, Konfliktbearbeitung/Mediation und Ökologie an der Fachhochschule Potsdam forschte sie zu internationalen und regionalen Konflikten und lehrte Konfliktlösungsansätze, Krisenprävention und Friedenserziehung an Universitäten in Österreich, in Moldau, Georgien, Namibia oder der Führungsakademie der Bundeswehr.

Am heutigen Mittwoch gibt Angela Mickley als FH-Professorin ihre Abschiedsvorlesung, ihr Thema: „Krise, Flucht, Konflikt – Intervention für Frieden und lebensfähige Umweltgestaltung – Neue Aufgaben der sozialen Arbeit“ (FH-Campus, 10.15 Uhr, Raum 108). Im Oktober wird sie als Dozentin in den Ruhestand gehen.

Angela Mickley sammelte bereits Mitte der 1970er-Jahre erste Erfahrungen in Friedensarbeit und Konfliktforschung im Nordirland-Konflikt. Dort gründete und leitete sie eine Jugendfarm, um zwischen gewalterfahrenen Protestanten und Katholiken zu vermitteln. In der Friedensarbeit vor Ort habe sie gelernt, wie wichtig es ist, die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen. „Ich habe gemerkt, dass es etwas bringt, wenn die Betroffenen an der Lösung beteiligt werden und formulieren können, was sie wie und wann von der anderen Konfliktpartei brauchen und sie sich dann auch, nach manchmal sehr harten Verhandlungen, einigen können“, sagt sie.

Bei der von ihr favorisierten Mediation werde die Autonomie des Menschen respektiert. Hier entscheide nicht der Mediator, sondern die Parteien über den Ausgang des Konfliktes. „Wenn eine dritte Partei bei einem Streit entscheiden soll, da begebe ich mich in Hände die ich vielleicht nicht gut genug kenne.“ Opfer von Gewalttaten beispielsweise würden zudem oft gar nicht unbedingt eine harte Bestrafung fordern, sondern mit dem Täter sprechen und ihm begreiflich machen wollen, was er überhaupt angerichtet habe.

Anfang der 90er-Jahre begann Angela Mickley dann an Berliner Schulen als Konfliktberaterin zu arbeiten. Zudem konzipierte sie das Weiterbildungsprogramm Konfliktmanagement/Mediation. Seit 1995 ist sie Professorin an der Potsdamer FH. Als einen der Höhepunkte ihrer Arbeit an der FH Potsdam nennt die Konfliktforscherin den von ihr Ende der 90er-Jahre durchgeführten Weiterbildungskurs für Lehrer, Polizisten und Sozialarbeiter, in dem die drei Berufsgruppen gemeinsam Konfliktbearbeitung im Bereich Jugendgewalt gelernt haben. Dass die Kurse in den vergangenen Jahren in Brandenburg sehr erfolgreich weitergeführt wurden, freut die Wissenschaftlerin besonders.

Und noch ein Erfolg: Mediation ist zwar immer noch nicht verpflichtend in die Lehrerausbildung integriert worden, doch in einigen Masterstudiengängen an der FH Potsdam sei das Verfahren fester Bestandteil des Studiums. Sarah Stoffers

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