• Konferenz am HPI in Potsdam: Deutschland kann Internet 4.0

Konferenz am HPI in Potsdam : Deutschland kann Internet 4.0

Pfeilschnell und zielgerichtet: Potsdamer Start-ups nutzen das Internet 4.0. Überhaupt sei Deutschland in dieser Richtung gut aufgestellt - beispielsweise die Deutsche Bahn.

Richard Rabensaat
Deutschland kann bei der vermutlich nächsten Stufe des Internets weltweit ganz vorne mitzumischen, sind sich Wissenschaftler einig.
Deutschland kann bei der vermutlich nächsten Stufe des Internets weltweit ganz vorne mitzumischen, sind sich Wissenschaftler...Foto: Peter Steffen/dpa

Potsdam - Deutschland sei für den kommenden Wandel in der Informationstechnologie, hin zum Internet 4.0, dem „Internet der Dinge“, bestens aufgestellt, so Sebastian Turner, Herausgeber des Tagesspiegels. Damit widerspricht er der allgemeinen Befürchtung, bei der Künstlichen Intelligenz und dem Internet 4.0 werde das Land international abgehängt. Am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam beschreiben Informatiker, welche neuen Perspektiven sich aus den neuen Techniken ergeben, nun waren zur Konferenz „Industrie 4.0“ Experten aus dem In- und Ausland am HPI-Campus Griebnitzsee zusammengekommen.

Sebastian Turner, Herausgeber des Tagesspiegels.
Sebastian Turner, Herausgeber des Tagesspiegels.Foto: Kai-Uwe Heinrich (Archiv)

Eine weit fortgeschrittene Vernetzung von mittelständischen Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und erstarkenden Start-up-Unternehmen macht HPI-Direktor Christoph Meinel in Deutschland aus. Dies schaffe die Voraussetzung, bei der vermutlich nächsten Stufe des Internets weltweit ganz vorne mitzumischen, so Meinel. Als Beispiel aus der Region nennt er Rolls Royce, das Unternehmen wolle neue Kompetenzen in der künstlichen Intelligenz aufbauen. Die Entscheidung, dies wahrscheinlich in Brandenburg anzusiedeln, sei auch deshalb gefallen, weil dem Turbinenhersteller eine Kooperation mit dem HPI in Potsdam als möglich und aussichtsreich erscheine.

Wie das Internet 4.0, das Internet der Dinge, aussehen und was sich für den Nutzer neues dabei ergeben kann, erläuterten die Teilnehmer der Konferenz in Panel Diskussionen und Kurzvorträgen. Dass die Entwicklung der künstlichen Intelligenz und deren Verwendung in Robotern und anderen maschinellen Fertigungsanlagen dabei eine große Rolle spielen würde, darin waren sich die Teilnehmer einig. Dass gerade Potsdam mit seiner Verknüpfung wissenschaftlicher Institute und neu entstehender Unternehmen aus der Informationstechnologie gut aufgestellt sei liege nahe, sagte Meinel.

Prof. Dr. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts.
Prof. Dr. Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts.Foto: HPI/K. Herschelmann/HPI Hasso-Plattner-Institut/obs

Positive Möglichkeiten der vernetzten Dingwelt zeigte Marian Pufahl, Mitgründer des Start-ups Synfioo am Beispiel der Deutschen Bahn. „Die Bahn hat alle Voraussetzungen, einen großartigen, pünktlichen Service zu liefern“, so der Informatiker. Es müssten nur die vorhandenen Datentöpfe innerhalb des Unternehmens zusammengefasst werden. Irgendwo würde immer der notwendige Datensatz zu einem Transport, einem Ersatzteil oder einer Fahrroute existieren. Hier sieht Synfioo seine Aufgabe: vorhandene heterogene Datenpotenziale von Unternehmen aufstöbern, auswerten und so herausfinden, wo Potenziale stecken, die nicht genutzt werden.

Auf den Spuren des Pinguins

Ebenso wie Synfioo ist auch Lana Labs eine Ausgründung des HPI. Datenwissenschaftler, die zuvor in Potsdam studiert und promoviert hatten, haben sich mit Hilfe des Instituts in den vergangenen Jahren selbständig gemacht. Mittlerweile zählt die Firma 30 Mitarbeiter, so Mitgründer Rami-Habib Eid-Sabbagh. Das Wappentier von Lana Labs ist der Pinguin. In Chile unterstützt das Unternehmen ein Forschungsvorhaben zu dem Tier. Denn: „Der Pinguin bewegt sich pfeilschnell im Wasser, taucht tief ein und sucht sich genau das richtige Futter“, erläutert Sabbagh. Genau so etwas wolle Lana Labs für den Datenstrom erreichen. Auch Lana Labs sammelt Unternehmensdaten, führt diese dann einer Visualisierung zu und ist in dieser Weise schnell in der Lage, zu erkennen, an welcher Stelle des Produktionsprozesses Hindernisse entstehen. „Jeder Vorgang hinterlässt Datenströme, wie beispielsweise die Produktion einer Kolbenstange“, sagt Sabbagh. Laufe bei der Produktion eines Einzelteils etwas aus dem Ruder, könne der gesamte Produktionsprozess ins Stocken geraten, was Millionenschäden verursachen könne.

Angesichts derart detaillierter Datenanalysen wird die Datensicherheit immer wichtiger. „Wir haben einen sehr starken Forschungsschwerpunkt bei Data Security und der Sicherheit von Cloud Computing“, beschreibt dementsprechend Christoph Meinel einen der Arbeitsschwerpunkt des HPI.