• Klimaforscher als Comic-Held PIK-Chef Schellnhuber im „Graphic Interview“

Wissenschaft : Klimaforscher als Comic-Held PIK-Chef Schellnhuber im „Graphic Interview“

Nachdrücklich. Klimaforscher Schellnhuber als Comic-Gestalt. Abb: Jacoby & Stuart
Nachdrücklich. Klimaforscher Schellnhuber als Comic-Gestalt. Abb: Jacoby & Stuart

Der Weg zu seinem Arbeitsplatz führt John Schellnhuber am Einsteinturm vorbei. So stellt uns der Comic „Die große Transformation“ den Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, vor. Er steht neben dem Turm auf Potsdams Telegrafenberg und macht sich Gedanken über die Folgen der Klimaerwärmung. Schellnhuber, der auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates Globale Umweltveränderungen (WBGU) ist, erscheint nicht als stilisierte Comicfigur oder gar als ökologischer Superman, vielmehr wird er ganz realistisch dargestellt, was seinen Erklärungen mehr Nachdruck verleiht.

Der Rückgang der Artenvielfalt, Überschwemmungen und Dürren werden angesprochen, es folgt eine Erläuterung, wieso Kohlendioxid dafür verantwortlich ist, dann sieht man einen besorgten US-Präsidenten Obama und schließlich die Titanic, die auf einen Eisberg zusteuert. „Gerade der Klimawandel hat einen sehr langen Bremsweg und muss deswegen rasch begrenzt werden“, so Schellnhubers Kommentar.

Der Klima-Comic ist ein Projekt des Bundesforschungsministerium aus dem Wissenschaftsjahr 2012 „Zukunftsprojekt: Erde“, der in diesen Tagen im Verlagshaus Jacoby & Stuart erschienen ist. Mit einem Comic für Erwachsene wollen neun Wissenschaftler die Sinne für die Gefahren des Klimawandels schärfen. Eingebettet in schwarz-weiße Bildergeschichten erklären Physiker Hans-Joachim Schellnhuber, Geobiologe Reinhold Leinfelder oder Klimaforscher Stefan Rahmstorf die Brisanz der Entwicklung. Der Comic basiert auf einer Studie des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für globale Umweltfragen. Die Botschaft der Forscher ist eindringlich: Die Weichen für eine Begrenzung der Erderwärmung müssen jetzt gestellt werden, sonst kippt später das ganze System.

Das Buch mit zahlreichen Quellenbelegen und Literaturtipps soll auch dazu anregen, den eigenen Alltag zu hinterfragen – vom Essen bis zum Umgang mit Energie. Die Form des Comics verstehen die Wissenschaftler als Experiment. Sie wollen auf spielerische Art ein Publikum erreichen, dass sonst keine staubtrockenen Klimastudien liest.

Die Bildergeschichten konfrontieren den Leser nicht nur mit der Realität sterbender Korallenriffe und überfluteter Regionen, es werden auch Lösungsansätze aufgezeigt, etwa eine „Stadt der Zukunft“. „So kriegen wir die Kurve“, lautet der Untertitel des Comics. In den aufwendig gestalteten „Graphic Interviews“ geht es weniger um Horrorszenarien und Alarmismus als um die Frage, was getan werden muss, um nachhaltiges Wirtschaften weltweit zu ermöglichen. Kix/dpa