• Klima-Protest: Potsdamer Klimaforscher begrüßen „Fridays For Future“

Klima-Protest : Potsdamer Klimaforscher begrüßen „Fridays For Future“

Schüler streiken seit Wochen für den Klimaschutz. Rückendeckung gibt es dafür von Potsdamer Klimaforschern.

Am Klima-Streik am 15. März vor dem Landtag beteiligten sich mehr als 1000 Potsdamer Schüler.
Am Klima-Streik am 15. März vor dem Landtag beteiligten sich mehr als 1000 Potsdamer Schüler.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hat die „Fridays-For-Future“-Bewegung als wichtiges Hoffnungszeichen für die Zukunft bezeichnet. Im ZDF sagte er, dass „im Augenblick möglicherweise etwas historisch Einmaliges“ passiere: „Es gibt einen Schulterschluss zwischen der Wissenschaft und den Kindern und Jugendlichen.“ 

Seit 30 Jahren warne die Wissenschaft, dass der Planet „ohne Tempolimit“ gegen die Wand gefahren werde – ohne dass jemand wirklich darauf höre. „Jetzt passiert etwas Besonderes: Die jungen Leute berufen sich auf die Ergebnisse der Forschung“, so der Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Schellnhuber: Beweis für den Mut der Jugend

Die von der Schwedin Greta Thunberg initiierten Schülerdemonstrationen für den Klimaschutz seien eine „positive Überraschung“ und ein Beweis für den Mut der jungen Generation, sagte Schellnhuber außerdem dem „Don Bosco Magazin“. Ihn würden Aussagen der demonstrierenden Schüler wie etwa „Ich will mir meine Zukunft nicht stehlen lassen“ berühren, so der Klimaexperte, der Papst Franziskus bei der Erstellung der Umweltenzyklika „Laudato si“ beriet. „Ich selbst bin 68 Jahre alt. Mich selbst werden die negativen Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr intensiv betreffen. Aber unser heutiges Handeln ist eine fatale Bedrohung für die künftigen Generationen“, so Schellnhuber. 

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber lobt die streikenden Schüler. 
Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber lobt die streikenden Schüler. Foto: PIK/Batier

„Wir Älteren müssen zur Verantwortung gezwungen werden. Und das über alle Landesgrenzen hinweg.“ Für den Klimaschutz sei es bereits „sehr spät, aber faktisch noch nicht zu spät“, so der Forscher. Entscheidend seien die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte. 

PIK-Chef Ottmar Edenhofer: „Wir müssen bis 2030 die Klimawende schaffen."
PIK-Chef Ottmar Edenhofer: „Wir müssen bis 2030 die Klimawende schaffen."Foto: Nestor Bachmann/dpa

Auch der amtierende Direktor des PIK, Ottmar Edenhofer, stellt sich hinter die Proteste: Der „Bild am Sonntag“ sagte er, dass die Schüler recht haben: „Wir müssen bis 2030 die Klimawende schaffen. Es geht um Generationengerechtigkeit“.

Schellnhuber kritisierte, dass die Entscheidungsträger bisher jedoch weitermachen würden wie bisher – „weil sie angeblich populistische Bewegungen fürchten“. Stattdessen riet er zu enormen Kraftanstrengungen für eine „Kehrtwende, die früher sehr viel leichter gegangen wäre“. Für die Überwindung der Klimakrise gebe es zwar technisch viele Projekte, bisher fehle jedoch die Zusammenführung aller Möglichkeiten und eine „ermutigende Vision der Zukunft, ein Narrativ“, sagte der Forscher. Dabei müsse es nicht unbedingt um Verzicht gehen, sondern es biete sich auch das „gute Leben mit vernünftigem Ressourceneinsatz“ an. Solche Visionen seien auch in der Papst-Enzyklika „Laudato si“ enthalten, die auf Prinzipien wie „Barmherzigkeit, Respekt und Achtsamkeit für alle Mitmenschen und Kreaturen“ setze und dabei durchaus auch den „Gewinn durch Verzicht“ beschreibe. Schellnhuber: „Diese Werte können einen Weg weisen, der zu einem fundamentalen Wandel führt.“ (mit KNA)