• Potsdamer Max Planck Forschung liefert Ideen für die Zukunft

Ideen für Morgen : Zukunftsmaterial

Seit 25 Jahren werden am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm an der Grenze von Chemie und Biologie Innovationen erdacht. 

Zukunftsmaterialien entwickeln. Sanja Sviben vom Max Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm, sie ist Trägerin der Otto-Hahn-Medaille.
Zukunftsmaterialien entwickeln. Sanja Sviben vom Max Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm, sie ist...Foto: PROMO

Golm - Günstige Malaria-Impfstoffe für Millionen von Menschen, intelligente Biomaterialien und Grüne Chemie: Das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) hat in den 25 Jahren seit seiner Gründung eine Vielzahl von Innovationen hervorgebracht. Am heutigen Freitag wird das Golmer Institut anlässlich des bundesweiten Max-Planck-Tages seine Gründung im Oktober 1993 feiern.

Forschung an der Grenze von Chemie und Biologie

Kolloid- und Grenzflächenforschung beschreibt einen Bereich zwischen der atomaren und makroskopischen Ebene, die Forschung an der Grenze von Chemie und Biologie. Gearbeitet wird dabei mit sehr kleinen Strukturen im Nano- und Mikrometerbereich. Diese Nanostrukturen sind Grundlage von neuartigen Impfstoffen – entwickelt von einem Team um Peter H. Seeberger – oder intelligenten Wirkstoffträgern. Wirkstoffe einer Chemotherapie, Mittel zum Korrosionsschutz oder auch Vitamine: solche Substanzen packen die Forscher in winzige Container, um sie passgenau ans Ziel zu bringen und dort zu entladen – bei Bedarf auch im menschlichen Körper. Bekannt geworden sind diese Entwicklungen als Mikro- und Nanokapseln.

Zukunftsträchtige Disziplin

Die Max-Planck-Gesellschaft hatte vor mehr als 25 Jahren auf die Renaissance dieser zukunftsträchtigen Wissenschaftsdisziplin mit der Gründung des MPIKG reagiert. Nach der Wiedervereinigung wurden die Institute für Physikalische Chemie und für Organische Chemie in Berlin-Adlershof sowie für Polymerchemie in Teltow in das neue Max-Planck-Institut integriert. Mittlerweile arbeiten am Golmer Institut rund 350 Mitarbeiter.

Holz aus Abfall hergestellt

Die Festveranstaltung heute soll vor allem auch den Blick nach vorn öffnen. Dazu erklären die Nanoforscher, dass „die Verzahnung von Biologie, Physik und Chemie untrennbar mit innovativen Forschungstechnologien verbunden“ ist. Dass dies auch für die Zukunftsfähigkeit von großer Bedeutung ist, betonte jüngst der geschäftsführender Direktor Markus Antonietti. Bei einem Politiker-Besuch in Golm forderte er eine Art neue Reformation der Wissenschaft, denn globale Probleme könnten durch sie gelöst werden. Als Beispiel präsentierte er eine kleine Platte „Remix Wood“, die aussieht wie Holz, aber aus Abfall hergestellt ist – „achtmal so fest wie ein Ikea-Brett“, lautete sein Kommentar. Seit Jahren schon forscht Antonietti auch an einem Verfahren, das biologische Abfälle in hochwertige Kohle verwandeln soll.

Markus Antonietti.
Markus Antonietti.Foto: Norbert Michalke

Neben Antonietti (Abteilung Kolloidchemie) wird das Institut derzeit von Peter Fratzl (Abteilung Biomaterialien), Reinhard Lipowsky (Abteilung Theorie & Bio-Systeme) und Peter H. Seeberger (Abteilung Biomolekulare Systeme) geleitet.

Institut mit großer Forschungskraft

Peter Fratzl wurde 2009 mit dem Leibniz-Preis, dem wichtigsten deutschen Forschungspreis, ausgezeichnet. Bereits 2008 hatte Fratzl den Max-Planck-Forschungspreis erhalten. Er beschäftigt sich mit natürlichen Materialien wie Knochen und Pflanzen. Fratzl gilt als Pionier auf dem Gebiet biologischer und biomimetischer Werkstoffe. Die Forschungskraft des Instituts zeigt sich mittlerweile auch beim Nachwuchs: Weit über 50 ehemalige Mitarbeiter sind auf Professuren an Unis berufen worden.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) hat das Golmer Institut  als herausragende Forschungseinrichtung des Landes gewürdigt. „Ein zentraler Teil des Forschungsstandortes Golm ist das Max-Planck-Institut mit seiner international anerkannten Spitzenforschung in der Kolloid- und Grenzflächenforschung", so Münch. Mit seiner Forschungsarbeit trage das Institut maßgeblich zur Vernetzung zwischen außeruniversitärer Forschung und Hochschulen sowie zur Fachkräftesicherung bei.

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