Historisches Gedenken in Potsdam : Überlieferungen

Mauergedenken am Jungfernsee, Potsdamer Rabbiner und ein historischer Kompass für deutsche Soldaten

Relikt. Der letzte Kontrollturm der Berliner Mauer am Jungfernsee.
Relikt. Der letzte Kontrollturm der Berliner Mauer am Jungfernsee.Foto: S. Gabsch

Maßstäbe in Sachen historischen Gedenkens hat wieder einmal das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) gesetzt. Zusammen mit dem Verein „Erinnerungsorte Potsdamer Grenze“ haben Historiker des ZZF einen Gedenkpfad für den Jungfernsee kuratiert, der an die einstige Grenzsituation der Berliner Mauer zwischen Potsdam und Sacrow erinnern soll. Im neuen Jahr wird das Vorhaben mit Mitteln der Stadt umgesetzt.

Eine interessante Facette ergab sich im Gespräch mit ZZF-Direktor Martin Sabrow zum 25. Jubiläum des ZZF. Kurz vor Abrissbeginn des FH-Baus am Alten Markt sagte er, dass ein Teil des Gesamtkomplexes im Original hätte erhalten bleiben können, ohne den Raumeindruck des Stadtschlosses stark einzuengen. In der Architekturszene gibt es mittlerweile eine Brutalismus-Debatte zur Rettung baulicher Betonmonster. Für den FH-Bau kommt sie allerdings zu spät.

Ein Jubiläum konnte auch der Rektor der Rabbinerausbildung am Abraham Geiger Kolleg, Walter Homolka, im abgelaufenen Jahr begehen: Seit 20 Jahren ist der Religionswissenschaftler auch Rabbiner. Ohne ihn wäre die Verankerung der Jüdischen Theologie an der Universität Potsdam nicht zustande gekommen. Aber es gibt auch neue Gesichter in den Potsdamer Geistes- und Sozialwissenschaften, so etwa Jörg Hillmann, der als neuer Kommandeur im September die Führung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam (ZMSBw) übernommen hat – unter anderem, um den historischen Kompass der Soldaten zu justieren und ihr Wertegerüst zu stärken. Auch fanden hier in diesem Jahr im Beisein von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Workshops zu Überarbeitung des Traditionserlasses der Bundeswehr statt – unter der Überschrift „Kostbares Erbe oder drückende Last der Vergangenheit?“, um überlieferungswürdige Werte und soldatische Vorbilder zu definieren.

Am Moses Mendelssohn Zentrum wurde im abgelaufenen Jahr immer noch kein Nachfolger für Gründungsdirektor Julius H. Schoeps gefunden. Das Zentrum weitete indessen seine Forschungen zum Judentum in Südosteuropa und zum deutsch-jüdischen Kulturerbe aus. Im Mai gab es dazu gemeinsam mit der Universität Split eine internationale Konferenz zum Thema „Jews on The Balkans“. Im Juni folgte gemeinsam mit dem Lepsiushaus Potsdam eine Konferenz zu Massengewalt in Südosteuropa im 19. und 20. Jahrhundert. 

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