• Hans-Joachim Schoeps und Deutschland: Ein schwieriges Verhältnis

Hans-Joachim Schoeps und Deutschland : Ein schwieriges Verhältnis

Im Zusammmenhang mit den Erkenntnissen, zu denen der Historiker Julius H. Schoeps bezüglich des Nationalsozialismus gekommen ist (siehe Interview), ist auch die Lebensgeschichte seines Vaters Hans-Joachim Schoeps von Interesse. Der deutsch-jüdische Religionshistoriker war nicht nur Monarchist aus Überzeugung, sondern auch nationalkonservativ eingestellt – seine Eltern hatten ihn in dezidiert preußischem Geist erzogen. Noch im schwedischen Exil glaubte er daran, dass Deutschland von einer Bande von Verbrechern regiert werde, dass Hitler nicht Deutschland sei, sondern eine braune Besatzungsarmee auf deutschem Boden stand. Bevor er selbst ins Exil gehen musste, hatte er noch an eine völkische Errettung Deutschlands durch die Nazis geglaubt, und eine Trennung von deutschen und undeutschen Juden propagiert.

Doch als Jude und bekennender Bisexueller mit Kontakten zu Otto Strasser musste er 1938 – mithilfe des Auswärtigen Amtes – nach Schweden emigrieren, wo in der Folge die Grundlagen für seine religionsphilosophischen und historischen Standardwerke entstanden. Von Schweden aus musste Schoeps hilflos mit ansehen, wie seine Eltern in Deutschland deportiert und der Vater in Theresienstadt starb, die Mutter in Auschwitz ermordet wurde. In Schweden heiratete Schoeps die Mendelssohn-Nachfahrin Dorothee Busch, die beiden Kinder Julius Hans und Manfred wurden geboren.

Der Anschluss an die deutschen Exilorganisationen in Schweden gelang Schoeps nur schwerlich. Unter den meist sozialdemokratisch gefärbten Exilanten hatte er als jüdischer Verfolgter eine Sonderrolle, hinzu kam seine nationalkonservative Einstellung, die in den Exilkreisen zu einigem Misstrauen führte. Sein Sohn Julius H. Schoeps hat in einem Vortrag, den er bei einer Konferenz zur deutsch-jüdischen Migration nach Schweden an der Universität von Upsala 2014 hielt, beschrieben, wie sein Vater in Exilkreisen als verkappter Nazi-Agent gesehen wurde. Schoeps, der sich gleichermaßen als Jude und Preuße, weniger aber als Deutscher definierte, und seine konservative Gesinnung betonte, wies den Vorwurf des Nazismus zwar entschieden zurück. Dennoch blieb er aber unter den Exilanten ein Fremdkörper. Bereits 1943 entwarf Schoeps eine Idee, wie ein anderes Deutschland nach seiner Rückkehr aussehen sollte, plädierte dafür, dass die vor den Nazis geflüchteten Juden nach Kriegsende zurückkehren sollten, um Deutschland unter anderen Vorzeichen neu aufzubauen.

1946 kehrte Schoeps tatsächlich als einer der wenigen überlebenden Juden zurück, wurde Professor an der Universität Erlangen und verfasste neben religions- und geistesgeschichtlichen Arbeiten bedeutende Schriften zur Geschichte Preußens. Sein Lehrstuhl aber, der eigens als Akt der Wiedergutmachung eingerichtet worden war, wurde noch zu Schoeps Lebzeiten abgewickelt. Jan Kixmüller