Wissenschaft : Große Pläne, flache Hierarchien

Der neue Asta der Uni Potsdam hat sich nach einer strukturellen Neuordnung viel vorgenommen

Ambitioniertes Team. Die Referenten des neuen Studierendenausschusses Asta stellen sich den Aufgaben, die auf sie als Vertretung von über 20 000 Studierenden zukommen. Mit dabei: Marei Frener, Alexander Gayko, Jan Glogau, Paul Möller (v.l.n.r.). Foto Manfred Thomas
Ambitioniertes Team. Die Referenten des neuen Studierendenausschusses Asta stellen sich den Aufgaben, die auf sie als Vertretung...

Bescheiden gibt er sich nicht gerade, der neu gewählte Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Potsdam (Asta). „Ich hoffe auf Großes in diesem und nächstem Jahr“, sagt der Vorsitzende Paul Möller (listenlos), der auch Referent für Hochschulpolitik ist. Themen wie Teilzeitstudium, Ausweitung der Prüfungsrechtsberatung oder Abbau der finanziellen Rücklagen stehen auf der langen To-do-Liste. Bereits umgesetzt wurden strukturelle Änderungen: Die Hierarchie von Referenten und Koreferenten wurde aufgelöst, künftig gibt es nur noch Referenten. Durch die Neuordnung sollen die Asta-Mitarbeiter flexibler agieren und füreinander einspringen können.

Ebenfalls neu: Gleich sechs Referate sind zu dreien zusammengelegt worden. „Campuspolitik“ und „externe Hochschulpolitik“ wurden zu „Hochschulpolitik“ verschmolzen, „Ökologie“ und „Verkehr“ wurden zusammengefasst und auch „Antifaschismus“ und „Antimilitarismus“ firmieren nun unter einem Dach. Die Anzahl der Mitglieder soll sich aber nicht verringern: Bislang sind die zehn Referate von 13 Studierenden besetzt. „Das ist etwas weniger als sonst“, räumt Finanzreferent Alexander Gayko (BEAT!) ein, der bereits seit zwei Jahren Mitglied des Astas ist. Doch es hätten bereits drei weitere Studenten Interesse bekundet, mitzumachen.

Trotz Neuordnung der Strukturen – an der politischen Ausrichtung ändert sich wenig: Wie in den letzten beiden Semestern bleibt der am 30. September neu gewählte Asta mit Vertretern der Listen Jusos, BEAT!, shineUP, Linke.SDS und grüner Campus eher linksorientiert. Die Worte „Idealismus“ und „Veränderung“ fallen im Gespräch mit den Referenten immer wieder: „Ich komme aus einem linken Elternhaus“, sagt der 31-jährige Jan Glogau (BEAT!). „Ereignisse wie die Mahnwachen während des Kosovo-Kriegs waren für mich einschneidend“, erzählt er. Danach sei er dem linken Jugendverband solid beigetreten. Was er damals verändern wollte? „Alles“, sagt Glogau. Bereits Anfang der 2000er war der Geschichts- und Philosophiestudent ein Jahr lang im Asta tätig, erst jetzt ist er nach einer langen Pause wieder eingestiegen. Heute ist er Kultur-Referent und Mitorganisator des Hochschulsommerfests am 31. Mai. „In Sachen alternative Kultur muss in Potsdam das Rad vielleicht nicht neu erfunden werden“, meint Glogau. „Aber es ist wichtig, diese Kultur stärker nach außen zu tragen.“ Was nicht immer leicht sei: In der Vergangenheit gab es etwa wiederholt Versuche, das Sommerfest in die Innenstadt zu verlegen – vergebens.

Etwa die Hälfte der Asta-Mitglieder sind neu dabei, so auch die 26-jährige Pressesprecherin Marei Frener (shineUP): „Ich möchte mich engagieren und das Studieren etwas angenehmer gestalten“, sagt sie über ihre Motivation. Zuvor war die Geoökologie-Studentin bereits in der Umweltkommission der Uni aktiv und half bei der Vorbereitung zur Wahl des Studierendenparlaments. „Die meisten Studierenden haben gar nicht mitgekriegt, dass Wahl ist“, beklagt sie. „Ich würde gerne das Engagement unter den Studierenden stärker aktivieren.“ Dazu plant sie unter anderem neue Veranstaltungen zum Thema politische Bildung.

Sich an der studentischen Selbstverwaltung zu beteiligen, sei jedoch schwerer geworden, meint Paul Möller. „Die Leute haben nicht genug Zeit und sehen sich wegen der kurzen Studienzeit auch weniger als Teil der Hochschule“, meint er. Dem 21-jährigen Studenten für Politik und Verwaltung und Geschichte war es selbst so ergangen: Drei Jahre lang sei er mit Scheuklappen durchs Studium gehetzt. Erst beim Überschreiten der Regelstudienzeit begann er, sich mehr der Uni und der Stadt zu widmen und wurde 2012 Koreferent beim Asta.

„Ich möchte alles anpacken, was das Studieren schwieriger macht“, fasst Möller zusammen. Dazu zählen Dinge wie starre Studienverlaufspläne, Sanktionen bei Überschreitung der Regelstudienzeit oder Zugangsbeschränkungen zum Masterstudium. Einiges davon könnte in der Novelle des brandenburgischen Hochschulgesetztes im Frühjahr 2014 neu geregelt werden. Möller hofft unter anderem, die Möglichkeit zum Teilzeitstudium durchzusetzen. Auch im Uni-Senat gebe es Baustellen: „Wir wollen eine Viertel-Parität, also dass wissenschaftliche Mitarbeiter, Studierende und Verwaltungsmitarbeiter das gleiche Stimmgewicht besitzen wie Professoren“, erklärt Jan Glogau. Der Senat sei zudem stark männlich dominiert, kritisiert der Kultur-Referent, was auch einem Mangel an weiblichen Professorinnen in vielen Studiengängen geschuldet sei. „Wir wollen die Uni-Leitung künftig mehr für Geschlechtergerechtigkeit sensibilisieren“, kündigt Glogau an.

An den Finanzen dürften die geplanten Vorhaben jedenfalls nicht scheitern: Im vergangenen Jahr wurden laut Gayko weniger Anträge gestellt und der Haushalt sei gut ausgestattet. Zudem verfügt die Studierendenschaft über große Rücklagen, von denen der Asta im kommenden Jahr 40 000 bis 70 000 Euro abbauen möchte. „Um den Abbau der Rücklagen müssen wir uns stark bemühen“, betont Möller. Es müssten langfristige Projekte gefunden werden, die gefördert werden können. Dazu könnte laut Gayko auch das alternative Jugendzentrum Freiland gehören, sofern von dieser Seite Anträge kämen. Die Entscheidung darüber fällt letztlich das Studierendenparlament.

Ein straffes Programm also, aber die Stimmung ist aufgeräumt und zuversichtlich: „Die Leute hier sind frisch und haben viele Ideen“, findet Möller. Ihm komme der neue Asta sehr harmonisch vor. Marei Frener sieht das ähnlich: „Die Atmosphäre ist sehr angenehm und das Team sehr ambitioniert.“ Gayko hingegen weist nüchtern darauf hin, dass die Referenten aufpassen müssen, sich nicht mit Arbeit zu überfrachten, und als Frener die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum anspricht, seufzt er leicht resigniert: „Ich hab das schon aufgeben.“ Für Frener keine Option: „Da müssen wir weiter dranbleiben.“