• Gender-Debatte an der FH Potsdam: Streit um Unisex-Toilette

Gender-Debatte an der FH Potsdam : Streit um Unisex-Toilette

Der Senat der Fachhochschule Potsdam will über die Einrichtung einer Gendertoilette entscheiden. Das sorgte im Vorfeld für Streit: Eine Lehrkraft drohte einem Studenten, eine andere Dozentin sprach von einer Gefahr für Menschen und deren Ordnung.

Der Senat der FH Potsdam beschäftigt sich nun mit dem Anliegen, eine Unisex-Toilette verbindlich einzurichten.
Der Senat der FH Potsdam beschäftigt sich nun mit dem Anliegen, eine Unisex-Toilette verbindlich einzurichten.Foto: M. Thomas

Potsdam - An der Fachhochschule Potsdam (FHP) gibt es Streit um die Einführung einer sogenannten Unisex-Toilette. Sie sollen für Menschen, die sich nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen, zur Verfügung stehen. Im Rahmen einer Aufklärungsaktion hatte die „AG Diskriminierungsfreie FHP“ eine Damentoilette zur Unisex-Toilette umgewidmet, was zu Widerstand aus dem Lehrkörper führte. Die Hochschulleitung entfernte schließlich die Beschilderung.

Abstimmung über Unisex-Toilette

Der studentische Senator der Fachhochschule Potsdam, Domenico Janz, hat sich der Sache nun angenommen, er will über die verbindliche Einrichtung von Unisex-Toiletten an der FH Potsdam im Senat der Hochschule abstimmen lassen. Der Antrag liegt den PNN vor. Bei der Aufklärungsaktion hatte die Studierenden-AG mit Schaubildern und Plakaten über die in ihren Augen bestehende Notwendigkeiten von Unisex-Toiletten informiert. Eine Damen-Toilette am Standort Friedrich-Ebert-Straße wurde dabei mit einem Schild symbolisch zum gendergerechten WC umgestaltet.

„Leider nicht zur Freude aller, da die leitenden Stellen der Hochschule dies als Gefahr und nicht als Potenzial der Hochschulentwicklung wahrnehmen und stattdessen den Studierenden drohen“, sagte Janz gegenüber den PNN. Die Hochschulleitung habe in einem Briefwechsel mit der AG nach der Aktion polizeiliche Ermittlungen wegen Sachbeschädigung von öffentlichen Eigentum angedroht. Die FH wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Sie kämen einer Vergewaltigung gleich

Eine Dozentin hatte die Aktion offenbar scharf kritisiert. Laut Janz sagte sie, dass Unisex-Toiletten eine Gefahr für Menschen und deren Ordnungen seien, sie kämen einer Vergewaltigung gleich. Die Wogen der Empörung schlugen in der Auseinandersetzung offensichtlich recht hoch: Einem der AG-Mitglieder seien von einer Lehrkraft Probleme im Studium angedroht worden, sollte er sich weiter in der Sache engagieren, so Janz.

Das Thema wurde indessen an der Fachhochschule lebhaft diskutiert. Die Hochschulleitung hatte das Anliegen zur Diskussion in den Fachbereich Sozialwesen gegeben. Von der FH-Kanzlerin und dem Gleichstellungsbüro der Hochschule kamen laut Janz positive Signale zu dem Vorhaben, in der Fachbereichssitzung des Sozialwesens gab es indes erneut Streit darüber.

Leitung der FH Potsdam nimmt Anliegen ernst

Nun liegt es am Senat der FH, auf seiner Sitzung am kommenden Mittwoch darüber zu befinden. Die FH-Leitung nimmt nach eigenen Worten das Anliegen der Studierenden ernst und will sich daher in der Senatssitzung ausführlich damit befassen. Auch Janz ist sich sicher: „Der überwiegende Teil der Hochschulangehörigen findet Unisex-Toiletten wichtig, und setzt sich auch dafür ein.“