Wissenschaft : Geiger-Preis 2011 geht nach Südafrika

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Der diesjährige Abraham-Geiger-Preis des gleichnamigen Kollegs zur Rabbiner-Ausbildung an der Universität Potsdam geht an die südafrikanische Bürgerrechtlerin Helen Zille. Die Jury würdigt die Ex-Bürgermeisterin von Kapstadt und heutige Ministerpräsidentin der Provinz Western Cape damit für ihren Beitrag zur Demokratisierung des Landes, teilte das Abraham Geiger Kolleg mit.

Gegen die jahrhundertealte Tradition der beiderseitigen Abschottung sei es Helen Zille gelungen, die alten Rassenschablonen am Kap aufzubrechen, hieß es. Sie habe sich bereits früh als Journalistin gegen die Apartheid engagiert. Ihr Wille zu Pluralität und Transparenz stehe heute dem Trend entgegen, Südafrika zu einem Einparteiensystem werden zu lassen.

Die 1951 geborene Helen Zille ist Vorsitzende der Democratic Alliance, Südafrikas größter Oppositionspartei, die traditionell auch die jüdische Gemeinschaft zu ihren Wählern und Mitgliedern zählt. Ihre Eltern stammten aus Essen und Dessau, wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt und flohen nach Südafrika. Zille ist die Großnichte des berühmten Berliner Milieumalers Heinrich Zille.

Als Oberbürgermeisterin von Kapstadt hat Zille nach der Misswirtschaft des ANC unter anderem alle unter ihrem Vorgänger abgeschlossenen Verträge auf Korruption durchkämmt und die maroden städtischen Finanzen saniert.

Der Abraham-Geiger-Preis wird am 26. September in Berlin verliehen. Laudator ist der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Horst Seehofer. Bayern verbindet seit 1995 eine Partnerschaft mit der Provinz Western Cape.

Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro soll für einen Studienfonds verwendet werden, der Studierenden aus Südafrika das Rabbinerstudium am Abraham Geiger Kolleg zu ermöglichen hilft, hieß es. Zwei Absolventen des Kollegs seien bereits Rabbiner in Kapstadt.

Der Preis erinnert an den Vertreter des liberalen Judentums, Abraham Geiger (1810–1874), dem drei Prinzipien wichtig waren: die Freiheit des Gewissens und des Glaubens, die Freiheit der Forschung und Lehre sowie die Meinungsfreiheit aller Menschen. Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre zählten Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, Karl Kardinal Lehmann und Susannah Heschel. PNN

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