Fachkräftemangel in der Filmbranche : Offensive für die Filmwirtschaft

Das Potsdamer Erich Pommer Institut und die Filmuniversität Babelsberg starten ein Weiterbildungsprogramm gegen akuten Fachkräftemangel in der Filmbranche. 

Der Filmbranche fehlt es aktuell vor allem an leitenden Mitarbeitern für die Dreharbeiten.
Der Filmbranche fehlt es aktuell vor allem an leitenden Mitarbeitern für die Dreharbeiten.Foto: picture alliance/dpa


Frau Radojevic, das Erich Pommer Institut hat zusammen mit der Filmuniversität Babelsberg eine Weiterbildungsoffensive gegen Fachkräftemangel gestartet. Wozu, es gibt doch reichlich Filmabsolventen in der Region?
 

Seit etwa einem Jahr zeigt sich in der Filmbranche ein stärkerer Fachkräftemangel, vor allem für die Berufe am Set. Schauspiel und Regie ausgenommen, gibt es einen hohen Bedarf in nahezu allen Gewerken. Die Branche hat uns eine gewisse Dringlichkeit signalisiert, insbesondere für die Berufe Filmgeschäftsführung sowie Produktions- und Herstellungsleitung.

Woher rührt denn der akute Mangel in der Filmbranche?

Das hat mit der generell guten Auftragslage und dem zusätzlichen Bedarf durch die neuen Streaming-Anbieter zu tun – was ja wünschenswert ist. Im Vergleich zu früher gibt es eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Bewegtbildinhalten. Da viele Serien produziert werden, ist das verfügbare Personal teilweise langfristig in Produktionen eingebunden, auch dadurch entsteht ein konkreter Mangel. Das wird uns verstärkt aus unserer Region herangetragen, lokale Firmen wie das Potsdamer Filmunternehmen UFA GmbH oder auch Studio Babelsberg berichten davon. Dies ist aber auch ein bundesweiter Trend.

Das sind doch gute Nachrichten für die Absolventen.

Ja, klar. Wir hören von den Hochschulen, dass viele Studierende bereits während des Studiums für die Zeit nach dem Abschluss angeworben werden. Dennoch fehlt es an Fachkräften für Funktionen am Set, die für Berufseinsteiger nicht immer geeignet sind oder für die keine Hochschulausbildung Voraussetzung ist.

Dafür reichen die Absolventenzahlen der Hochschulen nicht aus?

Im Moment offenbar nicht, und die Branche ist sich auch einig, dass darüber hinaus zu wenig für die betriebliche Aus- und Weiterbildung getan worden ist. Wir verstehen unser Angebot als ein kurzfristig wirksames und ergänzendes Angebot zu den bestehenden Studiengängen.

Was haben Sie nun vorgesehen?

Wir wollen uns als erstes einem besonders stark nachgefragten Berufsfeld widmen: Der Produktions- und Herstellungsleitung sowie der Filmgeschäftsführung. Die Weiterbildungsinhalte wurden zusammen mit der Branche entwickelt. Uns war es wichtig, schnell zu reagieren, um den akuten Bedarf zeitnah zu decken. Die Weiterbildung wird bereits Ende Januar starten, mit drei viertägigen Modulen, die dann bis Mai laufen. Die Module werden auf Wochenenden aufgeteilt, um die Personen zeitlich so wenig wie möglich zu binden, aber gleichzeitig ein umfassendes Programm zu bieten. Wir wollen mit der Weiterbildung vor der besonders drehintensiven Zeit ab Frühsommer fertig sein. Gedreht wird zwar das ganze Jahr über, aber der Sommer ist noch stärker frequentiert.

An wen richtet sich das Angebot?

Vor allem an Personen aus den Bereichen Aufnahmeleitung und Junior Producer. Wir richten uns auch an die Unternehmen selbst, damit sie uns gezielt die Mitarbeiter schicken, die das Potenzial haben, die nächste Karrierestufe zu erklimmen. Freiberufler können sich natürlich auch bewerben. Die Weiterbildung kostet rund 5000 Euro.

Das kann sicher nicht jeder aufbringen, gerade die Freiberufler nicht. Gibt es eine Förderung oder anderweitige Finanzierung?

Ja, es stehen Voll- und Teilstipendien zur Verfügung, die von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten VFF gestiftet werden. Ein Gremium der VFF und der Filmuniversität Babelsberg wird diese vergeben.

Erhält man am Ende einen Hochschulabschluss?

Nein, aber man erhält ein Teilnahmezertifikat des Erich Pommer Instituts. Es gibt optional die Möglichkeit zusätzlich eine freiwillige Prüfungsleistung in Form einer Hausarbeit abzulegen. Ein solches Teilnahmezertifikat mit Leistungsnachweis hat den Vorteil, dass die erworbenen Kompetenzen bei der Aufnahme eines Studiums bei inhaltlicher Eignung anrechenbar sind.

Sind auch Absolventen der Filmuni gefragt?

Natürlich, vielleicht auch solche, die schon länger aus der Hochschule heraus sind und ihre Kenntnisse auffrischen und aktualisieren wollen. Grundsätzlich wollen wir Menschen, die schon im Beruf sind, praxisnah weiterbilden.

Was vermitteln Sie in den Kursen?

Beispielsweise Budgetierung und Finanzierung. Da lernt man ganz konkret, wie man Spielfilme und Serien in Deutschland realistisch budgetiert und erfolgreich finanziert. Es wird auch um Film- und Vertragsrecht gehen. Auch Verhandlungs- und Teamführung sind Thema, denn die Fachkräfte, die wir qualifizieren wollen, haben Führungspositionen inne und sollen entsprechende Fähigkeiten erlangen.

Woran fehlt es besonders?

Buchhaltung und Steuerrecht sind beispielsweise so ein Fall. Wenn da etwas schiefläuft, hat man hinterher ziemlich viel Ärger.

Haben Sie bereits Bewerber?

Tatsächlich haben sich sofort einige Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Für diesen Durchlauf werden wir insgesamt zehn bis 15 Plätze anbieten.

Das klingt nicht viel.

Wenn man bedenkt, dass diese Fachkräfte dann zehn bis 15 Filmproduktionen betreuen können, dann ist das schon einiges. Und der Medienstandort Babelsberg würde hiervon direkt profitieren. Wir wollen den Workshop relativ klein halten, damit ein intensiver Austausch möglich wird. Das ist auch erst der Anfang. Wir gehen von einer guten Nachfrage aus und würden dann zeitnah den nächsten Workshop anbieten. Ziel ist es, dieses Weiterbildungsangebot zu verstetigen, um dem Fachkräftemangel nachhaltig zu begegnen.

Das Gespräch führte Jan Kixmüller




EPI-Geschäftsführerin Nadja Radojevic.
EPI-Geschäftsführerin Nadja Radojevic.Foto: privat

Nadja Radojevic (40) ist Geschäftsführerin und Direktorin Weiterbildung des Erich Pommer Instituts (EPI) mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. 


Die Bewerbungsfrist für die Weiterbildung endet am 11. Dezember 2019. Interessierte können sich ab sofort bewerben. Weitere Informationen im Internet unter www.epi.media/fpm