• Erforschung der Antarktis: Eisschmelze bremste einst Eisschwund

Erforschung der Antarktis : Eisschmelze bremste einst Eisschwund

Selbstheilungskräfte der Antarktis: Durch das Schmelzen von Eismassen der Antarktis wurde der Rückgang des Eises schon einmal überraschenderweise gestoppt - und zum Teil sogar umgekehrt.

Paradox. Tauwetter nach der Eiszeit bremste weiteren Eisverlust.
Paradox. Tauwetter nach der Eiszeit bremste weiteren Eisverlust.Foto: R. Bauer/dpa

Polarforscher haben unlängst herausgefunden, dass Teile der Antarktis sich stark anheben, weil die abschmelzenden Eismassen leichter werden. Durch das rasche Heben des Untergrunds könnte nun das Abschmelzen der Eismassen dort wiederum gebremst werden. Dieser für die Wissenschaft unerwartete Prozess hatte das Eis der West-Antarktis schon vor 10 000 Jahren vor dem kompletten Abschmelzen bewahrt. Der Rückgang der westantarktischen Eismassen nach der letzten Eiszeit wurde überraschenderweise zum Teil sogar umgekehrt.

Dies könnte eigentlich bedeuten, dass die durch die Erderwärmung verursachte Eisschmelze in der Antarktis verlangsamt wird. Doch Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun festgestellt, dass dieser Mechanismus viel zu langsam ist, um den Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Eisverlusts in der Antarktis im Zuge des Klimawandels zu verhindern.

Dass das Schrumpfen der Eismassen nach der Eiszeit das weitere Schrumpfen letztlich beendete, ist eine neue und unerwartete Erkenntnis der Polarforschung. Durch das rasche Heben des Untergrundes wurde das Wandern der Aufsetzlinie, an der das Eis Bodenkontakt hat, und damit das Abschmelzen der Eismassen dort gebremst. Oder einfach gesagt: Weniger Eis bedeutet weniger Gewicht und mehr Platz für den Untergrund, auf dem sich dann wieder Eis ansammeln kann.

Nach der Eiszeit hatte sich das Eis in der Antarktis in einem Zeitraum von 1000 Jahren um mehr als 1000 Kilometer ins Landesinnere zurückgezogen. „Nach geologischen Maßstäben ist das ziemlich schnell“, erklärt Torsten Albrecht vom PIK, einer der drei Hauptautoren der unlängst in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie. „Nun aber haben wir festgestellt, dass sich dieser Prozess irgendwann teilweise umgedreht hat.“ Statt eines totalen Kollapses sei der Eisschild wieder um bis zu 400 Kilometer gewachsen. Eine begrenzte, aber erstaunliche Stabilisierung, die immerhin 10 000 Jahre dauerte.

Für die gegenwärtige globale Erwärmung wird der Prozess aber wohl keine Rolle spielen. „Angesichts der Geschwindigkeit des derzeitigen Klimawandels durch das Verfeuern fossiler Brennstoffe ist klar: der von uns entdeckte Mechanismus funktioniert leider nicht schnell genug, um die heutigen Eisschilde vor einem Schmelzen zu bewahren und damit zu verhindern, dass sie massiv beitragen können zum Anstieg des Meeresspiegels“, sagt Torsten Albrecht. Es bleibe dabei, dass nur eine schnelle Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen den Meeresspiegelanstieg durch den Eisverlust abbremsen könne. Jan Kixmüller

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