Wissenschaft : „Die Ölkrise hat das Ende der DDR mit befördert“

ZZF-Co-Direktor Frank Bösch über die Folgen der Ölkrise 1973, autofreie Sonntage, die Krise im Osten und die neue Lust am Radfahren (25.09.13)

Foto: ZZF

 

Herr Bösch, woran erinnern Sie sich persönlich, wenn Sie an die Ölkrise denken?

Bei der ersten Ölkrise 1973 war ich zu klein, um mich selbst daran zu erinnern. Meine Schwester wurde während der autofreien Sonntage geboren. Sie per Auto im Krankenhaus zu besuchen war damit eigentlich nicht erlaubt. Bei der zweiten Ölkrise 1979 erinnere ich mich an den kalten Winter in Norddeutschland. Es gab Stromausfälle und gerade dies verstärkte die Angst vor der erneuten Energiekrise. Die vier autofreien Sonntage und das Ausschalten der öffentlichen Beleuchtung sparten zwar wenig Energie ein, aber sie sensibilisierten die Bevölkerung für die Endlichkeit der Rohstoffe. Die Ölkrise gilt zudem als wichtige Zäsur, weil sie zu einer weltweiten Wirtschaftskrise führte und die globale Verflechtung verdeutlichte.

 

 

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Ist die Ölkrise der Grund dafür, dass Sie heute lieber mit dem Fahrrad fahren?

Indirekt ja. Energiesparen wurde danach zumindest im Westen zu einem neuen Schlagwort. Die Kinder der Energiekrise kaufen heute oft sparsamere Autos und bevorzugen es, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In den 1970er-Jahren war dem Autofahrer der Verbrauch seines Wagens kaum bekannt. Erst nach der Ölkrise tauchte die Angabe des durchschnittlichen Spritverbrauchs in der Werbung auf und wurde zu einem Kaufargument. Unmittelbar nach den beiden Ölkrisen hatten in Westeuropa kleinere Autos Erfolg, wie der VW Golf.