Coronakrise : Infizierte für die Gesunden tracken

Potsdamer Experte für Digitale Medizin empfiehlt, Handydaten auszuwerten, um Infizierte von Gesunden besser zu trennen.

Handyortung soll bei der Bekämpfung der Pandemie helfen.
Handyortung soll bei der Bekämpfung der Pandemie helfen.Foto: dpa

Potsdam - Flächendeckende Tests und Tracking von Handydaten können dabei helfen, die Coronakrise schneller zu überwinden: Dafür plädiert Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers des Hasso Plattner-Instituts (HPI), im aktuellen HPI-Podcast „Neuland“. „Derzeit gelten die Regeln zum Kontaktverbot für alle – egal ob man ein Risiko hat oder nicht“, so Böttinger. Dies sei weder erforderlich noch auf lange Sicht durchzuhalten, weder in sozialer noch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Damit das Leben für den Rest normal weitergeht

Sinnvoller sei es, wenn nur die Infizierten und ihre Kontaktpersonen in Quarantäne müssten, dann könne das Leben für den Rest normal weitergehen. Dazu sollte sich Deutschland ein Vorbild an Südkorea und Singapur nehmen, sagt Böttinger: Beide Länder setzten auf flächendeckende Tests und die Auswertung von Handy-GPS-Daten. Durch beide Maßnahmen konnten die Infizierten und ihre Kontaktpersonen schnell identifiziert und isoliert werden, so Böttinger.

Massive Kritik von Opposition, SPD und Datenschützern

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in seinem Gesetzesentwurf zur Bekämpfung der Corona-Krise ursprünglich vorgesehen, flächendeckend Handy-Standortdaten von Infizierten auszuwerten und Kontaktpersonen im Zweifel zu kontaktieren. Nach massiver Kritik von Opposition, SPD und Datenschützern, die eine umfassende Überwachung der Bürger befürchteten, hatte Spahn den Passus zurückgezogen und selbst von einem „massiven Grundrechtseingriff“ gesprochen. Unionspolitiker setzen nun auf eine freiwillige Lösung, wie bei der App in Singapur. Böttinger glaubt, dass sich eine solche Lösung Datenschutzkonform realisieren lasse: Es müsse eine genaue Strategie geben, die Daten müssten anonymisiert sein und es müsse genau geregelt sein, welche Daten wofür eingesetzt werden. 


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