Wissenschaft : Campus der Generationen

Ältere Akademiker sollen an der Universität wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden

Astrid Priebs-Tröger

Vielen sieht man die 50 plus nicht an. Und doch sind an diesem Nachmittag die meisten der rund vierzig Besucher der Potsdamer Universität zwischen 50 und 65 Jahren alt. Sie sind gekommen, um sich über den „Campus der Generationen“ zu informieren, der hier Mitte April starten wird.

Auch Petra Raasch sitzt im Hörsaal. Sie ist 59 Jahre alt und studierte einst Technologie für Gaststätten- und Hotelwesen. Bis 1989 hat sie als Innenarchitektin in diesem Bereich gearbeitet. Und auch nach der Wende versuchte sie, mit viel Engagement ihre Brötchen zu verdienen, unter anderem als freiberufliche Akquisiteurin bei einem renommierten Luxemburger Innenarchitekturbüro. „Doch jetzt ist mir die Puste ausgegangen“ sagt sie, denn das ständige Pendeln zwischen Luxemburg und Potsdam sei nicht erst in ihrem Alter kräftezehrend. Zum alten Eisen möchte sie sich aber trotzdem nicht zählen lassen. Das Arbeitsamt will sie eigentlich in Rente schicken. Doch Petra Raach sucht eine neue Herausforderung.

Gemiensam mit Studenten der Universität sollen in drei aufeinander folgenden, jeweils einsemestrigen Projekten insgesamt vierzig ältere arbeitssuchende Akademiker wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Nach einer „Diagnosephase“, in der vor allem die Stärken der Teilnehmer festgestellt werden, geht es an die gemeinsame wissenschaftliche Projektarbeit mit Studenten, deren Themen von Unternehmen der Region angeboten werden. Zur Wahl stehen bisher beispielsweise die Planung eines Biathlonevents für einen Skaterpark, die Markteinführung einer neuartigen Bibliothekssoftware oder die nationale und internationale Vermarktung von Grundstücken im Wissenschaftspark Golm.

Viele weitere Aufgaben, unter anderem auch bei sozialen Trägern, sind geplant, kündigt die 32-jährige Projektkoordinatorin Kerstin Grothe-Benkenstein an.

Während der sechsmonatigen Qualifizierung an der Universität absolvieren die Projektteilnehmer ein begleitendes Trainingsprogramm, in dem ihnen sowohl Kenntnisse im Projektmanagement als auch in der Führung von altersgemischten Teams vermittelt werden sollen. Beatrix Neuser steht ihnen dabei beratend zur Seite. Die 56-jährige Personal- und Organisationsberaterin, die vor zwei Jahren aus Köln nach Potsdam zog, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, gerade als älterer Mensch im Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Die Hoffnung, dass es gelingen kann, lässt auch die Meinung eines beteiligten Unternehmers zu: „Wenn sich die Teilnehmer hier engagieren, dann können sie ihre eigenen Arbeitsplätze schaffen.“

Das will auch der 52-jährige Helmut Krüger, der in jungen Jahren Soziologie studierte, dann aber immer etwas anderes gemacht hat. Am Marketing hänge zwar nicht sein Herz, aber er sei offen und flexibel für neue Erfahrungen. Besonderes Interesse zeigt er an den Begegnungen zwischen jüngeren und älteren Studierenden, die auch schon dadurch zustande kommen werden, weil allen Projektteilnehmern das allgemeine Lehrangebot der Universität offen stehen wird.

Interessenten können ihre Bewerbungen bis zum 30. März an die Projektkoordinatorin Kerstin Grothe-Benkenstein, Universität Potsdam, Campus der Generationen, Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam oder per e-mail an [email protected] schicken.

Astrid Priebs-Tröger

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