Wissenschaft : Brandbrief an die Präsidentschaftskandidaten

Offener Brief von Mitgliedern der Universität Potsdam kreidet prekäre Verhältnisse an

In einem Offenen Brief haben Vertreter der Universität Potsdam Forderungen an die Präsidentschaftskandidaten der Universität Potsdam gestellt. Studierende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Vertreter der Intelligenzija Potsdam, des Studierendenparlaments (StuPa) und des Studierendenausschusses (AStA) wollen mit dem Schreiben auf „zahlreiche eklatante Schieflagen“ in der Lehre hinweisen. Die Unterzeichner schreiben, dass sie mit dem neuen Präsidenten – gewählt wird am 28. September – gemeinsam die aktuellen Entwicklungen „kritisch hinterfragen und die Hochschule unter den Vorzeichen der Gerechtigkeit neu denken und verwirklichen“ wollen. Als „unabdingbar“ bezeichnen sie dabei sechs „sofort umzusetzende“ Maßnahmen.

Zum einen fordern die Unterzeichner die sofortige Verbesserung der Situation des „akademischen Prekariats“, insbesondere von Lehrbeauftragten und der Privatdozenten. Auch eine öffentliche Stellungnahme des zukünftigen Präsidenten gegen die Zwangsexmatrikulation zahlreicher Diplom- und Magister-Studenten erwarten die Autoren. Der Zugang zum Masterstudium müsse allen Studierenden zudem offen stehen, die Arbeitsbedingungen für studentische Beschäftigte müssten sich verbessern und die neuen Regelungen zum Teilzeitstudium sollten mit möglichst hoher Flexibilität umgesetzt werden.

Schließlich soll die Finanzierung der Universität verbessert werden, indem höhere Budgetfreigaben seitens des Landes Brandenburg und Zuwendungen des Bundes gemeinsam erkämpft werden. „Die Diskussion um die Einführung von Studiengebühren oder Studienkonten als Antwort auf die geplanten Kürzungen halten wir für unsozial, unredlich sowie unsinnig und lehnen sie deshalb ab.“ Letztlich gelte es, schreiben die Unterzeichner weiter, die marktförmige Dynamik innerhalb der Universität Potsdam und der Bildungsinstitutionen insgesamt abzuwenden. Sie würde einem humanistischen Bildungsideal „diametral entgegenstehen“. Die Verfasser prangern vor allem „ausbeuterische Verhältnisse“ in der Bezahlung von Lehrkräften an. Befristete und damit unsichere Arbeitsverhältnisse seien die Regel: „Insbesondere der offiziell ausgeblendete, aber strukturell sehr reale Missbrauch des Lehrauftrags führt zur Prekarisierung.“ Gearbeitet würde für eine eklatant geringe Aufwandsentschädigung ohne politisches Mitspracherecht und ohne Sicherheiten eines ordentlichen Vertrages. Dieser Entwicklung müsse dringend Einhalt geboten werden, denn die negativen Auswirkungen würden Lehrende und Studierende gleichermaßen betreffen. Jan Kixmüller