Wissenschaft : Blick auf die SED

Zeithistoriker untersuchen die Kommunistischen Parteien des Ostblocks

Nachdem sich die Zeithistoriker in den vergangenen Jahren ausführlich mit der Rolle der Staatssicherheit im DDR-Regime auseinandergesetzt haben, richten sie ihren Blick nun verstärkt auch auf die Einheitspartei SED. Im Rahmen einer internationalen Tagung zu den Kommunistischen Parteien im Ostblock 1956-1991 am Zentrum für Zeithistorische Forschung (5. bis 7. Dezember) untersucht der ZZF-Historiker Jens Gieseke die Rollen der SED. In einem Vortrag am Donnerstag diskutiert er die Spielräume und Grenzen der kommunistischen Staatspartei in der ostdeutschen Gesellschaft und vergleicht sie mit denen der kommunistischen Parteien des Ostblocks.

Die SED war in der DDR allgegenwärtig. Gieseke will in seinem Vortrag nun die Frage aufwerfen, wie ihre Instanzen im Alltag funktionierten und wie sie die Aufgaben von Staatssicherheit, Medien und Wirtschaft ausbalancierten. Er will herausarbeiten, wer Mitglieder der SED waren und nach welchen Maximen sie handelten. Am Ende steht die Frage, warum die SED ihre Handlungsmacht im Herbst 1989 verlor.

Der Historiker Jens Gieseke war von 1993 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Seit 2008 ist er Leiter der Forschungsabteilung „Kommunismus und Gesellschaft“ am Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF). Zuletzt erschienen von ihm die Publikationen „Die Stasi 1945–1990“ (zuvor unter dem Titel: Der Mielke-Konzern), „Die Geschichte der Stasi“ sowie „Die Geschichte der SED“.

Der Vortrag von ZZF-Historiker Gieseke findet im Rahmen der internationalen Konferenz „Communist Parties Revisted“ statt, die in dieser Woche vom Potsdamer ZZF veranstaltet wird. Die Konferenz betrachte die Kommunistischen Parteien des Ostblocks 1945 bis 1990.

Die Kommunistischen Parteien werden hauptsächlich als isolierte, monolithische Machtapparate beschrieben. Im Kontrast dazu wollen Historiker aus aller Welt bei dem Treffen zu einer Reinterpretation des stark normativen Parteilebens und der Praktiken der Machtsicherung kommen. Analysen der Partei-Organisationen sollen unter anderem Licht in die verschlossenen Strukturen der Parteien bringen. Das vorderste Ziel der Konferenz ist eine vergleichende Perspektive für das breite Spektrum der kommunistischen Parteien dieser Zeit im Ostblock zu erhalten. Der Fokus wird dabei auf der ostdeutschen SED , der CPSU und der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei liegen.

Der Vortag zur SED von Jens Gieseke findet am 5. Dezember um 19 Uhr im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG), im Konferenzraum, Am Neuen Markt 9, statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Jan Kixmüller

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