• Ausweichquartier für Potsdamer Studentenclub "Casino": Provisorische Utopie

Ausweichquartier für Potsdamer Studentenclub "Casino" : Provisorische Utopie

Das Ausweichquartier des Studenten-Clubs „Casino“ an der Fachhochschule Potsdam feiert Richtfest. Die Eröffnung ist für den 1. April geplant.

Maximal zwei Jahre soll das „Casinotopia“ stehen bleiben.
Maximal zwei Jahre soll das „Casinotopia“ stehen bleiben.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Studierende laufen mit Bauhelmen herum, tragen Bretter, sägen, bohren und hämmern: Alles andere als akademisch geht es auf der Baustelle des „Casinotopia“ am Fachhochschule-Campus im Bornstedter Feld zu, dem Ausweichquartier des Studenten-Clubs „Casino“, der wegen Sanierungsarbeiten mindestens ein Jahr lang geschlossen wird. Am Donnerstag wurde das Richtfest des komplett von Studierenden errichteten Rohbaus gefeiert, eröffnet werden soll das Casinotopia am 1. April, kurz vor Start des Sommersemesters.

Studierende nehmen die Sache selbst in die Hand

„Wir als Kulturwissenschaftler hatten alle keine Ahnung vom Häuser-Bauen, aber vor einem Jahr haben wir einfach gesagt: Wir bauen jetzt ein Haus!“, sagte Yvo Bermann von der Projektgruppe „Viva el Campus!“, die den Bau organisiert hat. Aus allen Bereichen der Fachhochschule Potsdam (FHP) hatten sich über 40 freiwillige Helfer gefunden, darunter Designer, Sozialwissenschaftler und Bauingenieure. Zusammen haben sie in den vergangenen zwei Wochen die Holzkonstruktion aus dem Boden gestampft, die nur 50 Meter vom Casino entfernt steht.

Noch müssen Fenstertüren eingesetzt sowie Elektrik und Wasseranschlüsse gelegt werden. Auch fehlen noch etwa 3000 Euro, um die Gesamtkosten von 45 000 Euro decken zu können. Die Organisatoren suchen nach Förderern. Der Großteil der Kosten wurde vom AStA der FHP sowie der Hochschule selbst finanziert.

Geplant sind neben dem Café- und Barbetrieb auch Kino und Konzerte

Wie im alten Casino soll es nicht nur den normalen Café- und Bar-Betrieb geben, sondern auch Kino-Abende sowie Konzerte und Tanzveranstaltungen, die im Sommer nach außen verlagert werden sollen. „Es wird weniger musikalische Veranstaltungen geben, aber dafür versuchen wir, sie etwas größer zu machen“, sagte Stefan Flath, Bauingenieur-Student und Bauleiter des Casinotopia. Zusätzlich kann der benachbarte Solar-Pavillon für Veranstaltungen genutzt werden. Im Winter wird das Casinotopia per Heizlüfter beheizt. Sanitäre Anlagen wird es nicht geben, hier werden Gäste auf die umliegenden Gebäude ausweichen müssen. „Für ganz Eilige wollen wir vielleicht einen City-Roller bereitstellen“, so Bermann.

Nicht alle Ideen ließen sich realisieren: Eigentlich sollte das Dach des Casinotopia eine begehbare Terrasse werden, dafür hätten jedoch mehrere Stützpfeiler errichtet werden müssen, welche andere Veranstaltungen im Café eingeschränkt hätten. Dafür können von der bereits fertigen Tribüne zukünftig auch Filme im Freien geschaut werden. Bermann sieht in dem Provisorium durchaus die Chance für eine Belebung des Campus-Lebens: „Das Casino ist dadurch näher am Campus und viel sichtbarer“, sagt er.

Maximal zwei Jahre soll das Casinotopia stehen

Maximal zwei Jahre lang soll das Casinotopia stehen bleiben, abgerissen wird es danach aber nicht. Das Gebäude, das dem AStA der FHP gehört, soll anschließend für andere studentische Projekte weitergenutzt werden und einen neuen Standort auf dem Campus bekommen.

Unter den freiwilligen Helfern befindet sich auch ein ehemaliger Student: Michael Rosin, mittlerweile selber Architekt und Dozent an der FHP, kennt das Casino noch aus seiner eigenen Studienzeit von vor 20 Jahren und war sofort begeistert, als um Mithilfe gebeten wurde: „Es fiel mir nicht schwer, da Ja zu sagen“, sagt er. Ihm gefalle, dass die Studierenden, die das Ausweichquartier bauen, das alles selbst auf die Beine gestellt haben: „Denen traue ich zu, die Zukunft zu gestalten, wenn ich das so sehe.“