• Anomalie über Südatlantik: Magnetfeld der Erde verändert: Steht eine Polumkehr direkt bevor?

Anomalie über Südatlantik : Magnetfeld der Erde verändert: Steht eine Polumkehr direkt bevor?

Im Abstand von rund 250 000 Jahren kehrt das Magnetfeld der Erde seine Pole um. Die letzte Polumkehr fand schon vor 780 000 Jahren statt. Nun haben Forscher eine Anomalie über dem Südatlantik aufgezeichnet, die ihnen Sorge bereitet.

Foto: dpa

Potsdam - Die südatlantische Anomalie bereitet den Forschern seit einiger Zeit Sorge. Einige sahen die Schwächezone im Magnetfeld der Erde, die sich derzeit über dem Südatlantik ausbreitet, bisher als Vorbote einer Polumkehr. In der Erdgeschichte kommt solch eine Umkehrung der magnetischen Pole der Erde relativ häufig vor, in der jüngeren Geschichte der Erde wechselten die Pole etwa alle 200 000 bis 300 000 Jahre und mit ihnen die Richtung des Erdfeldes. Die letzte Polumkehr hin zur heutigen Ausrichtung des Erdmagnetfelds fand jedoch schon vor 780 000 Jahren statt – ein solches Ereignis ist also überfällig.

Die Polumkehr ist stets mit einer Phase sehr geringer Feldstärken verbunden, also einer Phase erhöhter Strahlungsdosen aus dem All. Das hat auch Folgen für die Menschheit. Bei Satelliten, die auf tiefen Umlaufbahnen die südatlantische Anomalie vor der Küste Brasiliens überfliegen, wurden häufiger als andernorts Ausfälle der Elektronik beobachtet, Passagiere auf Langstreckenflügen sind dort erhöhten Strahlungsdosen ausgesetzt. Bei einer kompletten Polumkehr des Planeten befürchten einige Experten sogar den Zusammenbruch ganzer Stromnetze auf der Erde. Eine Navigation mit dem Kompass wäre dann ebenfalls unmöglich.

Rekonstruktion des Erdmagnetfelds der Vergangenheit soll Forschern helfen

Neueste Ergebnisse von Wissenschaftlern des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) und der Universitäten von Island, Liverpool und Nantes zeigen nun allerdings, dass die südatlantische Anomalie vermutlich kein Vorbote einer Polumkehr ist. Zu diesem Schluss kommen die Forscher anhand der Rekonstruktion des Erdmagnetfelds der Vergangenheit, basierend auf paläomagnetischen Messdaten aus Sedimentbohrkernen und vulkanischen Gesteinen. Die im Gestein enthaltenen magnetischen Minerale wie Magnetit oder Hämatit „speichern“ die Ausrichtung und Stärke des Erdmagnetfelds zur Zeit ihrer Bildung. In einem Zeitraum von 50 000 bis 30 000 Jahren vor heute ähnelte die Verteilung der Intensität des Magnetfelds mindestens zwei Mal dem heutigen Feld, mit schwachen Werten über dem Südatlantik oder Südamerika. „In beiden Fällen nahm die Feldstärke in diesen Schwächezonen nach einiger Zeit wieder zu und die Anomalien verschwanden, ohne dass es zu einer Polumkehr kam“, so die Forscher.

„Aus unserer Betrachtung der vergangenen 50 000 Jahre schließen wir, dass die heutige südatlantische Anomalie nicht als Beginn einer Feldumkehr gedeutet werden kann“, erklärte die Ko-Autorin der Studie Monika Korte vom Potsdamer GFZ. Wie lange die gegenwärtige Anomalie im Südatlantik noch anhalten wird, können die Forscher nicht sagen. Die Feldstärke könnte noch über einige Jahrhunderte weiter abnehmen. Und auch wenn eine komplette Polumkehr eigentlich bereits überfällig ist, gebe es keinen Grund zu Panik: „Bevor sich das Magnetfeld erneut umkehrt, könnten noch Jahrtausende vergehen“, schätzen die Experten. 

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