Wissenschaft : Ästhetisches Laboratorium

Präsentation der Abschlussarbeiten des Lehramtsstudiengangs Kunst an der Universität Potsdam

Astrid Priebs-Tröger

Kurz vor der Sommerpause sind auf dem Unigelände in Golm nicht mehr allzu viele Studenten anzutreffen. Doch als kürzlich die diesjährige Schau der Abschlussarbeiten des Lehramtsstudiengangs Kunst eröffnet wurde, strömten die Besucher zahlreich in das große Foyer im Haus 5. Bis heute Abend werden hier die vielfältigen wie anspruchsvollen Resultate eines Studienganges gezeigt, der noch immer um sein Weiterbestehen bangen muss. 14 erfolgreiche Absolventen stellte Professor Meike Aissen-Crewett zur Vernissage persönlich vor. Der Stolz auf das gemeinsam Erreichte war ihr deutlich anzumerken.

In ihren Eröffnungsworten beschrieb die engagierte Hochschullehrerin, unter Berufung auf Friedrich Schiller und den amerikanischen Philosophen John Dewey, welchen Stellenwert ästhetische Bildung hat und wie ihr Studiengang, der vor allem Selbsterfahrung und individuelle künstlerische Entwicklung fördert, solche Prämissen umsetzt. Eigene Wege zu finden und zu gehen, sei das Hauptanliegen. Das „reine“ Lehrverhältnis werde schrittweise abgelöst von einem gemeinsamen Wachstumsprozess. Wenn die Studierenden dabei an die eigenen Grenzen kommen, diese überschreiten und etwas Neues entdecken, seien künstlerische „Höhenflüge“ immer wieder möglich. Meike Aissen-Crewett verwies auch auf die gute technische Ausstattung des Fachbereichs und die Möglichkeit, an der „überschaubaren“ Potsdamer Universität auch mal ganze Tage an der Staffelei zu verbringen.

Dass ihre Studenten von diesen hervorragenden Gegebenheiten profitieren, war auf den ersten Blick zu sehen. Nicht nur die ungeheure Vielfalt der ausgestellten Exponate, von der Malerei und Grafik, über Fotos und Videos bis hin zu Installationen und Skulpturen, überzeugte, sondern auch deren hohe handwerkliche und künstlerische Qualität.

Neun Seminarräume und das an sich wenig einladende Foyer wurden nach ausgefeilten individuellen Konzepten mit Kunst „bestückt“. Im Eingangsbereich empfingen den Besucher die expressiven Acrylbilder von Florian Bredendiek, die auch direkt den Weg ins spannungsvoll inszenierte Obergeschoss wiesen. Dort gab es zum Thema „Augenblicke“ unter anderem eine sparsam inszenierte fotografische Selbstdarstellung von Annika Marsollek zu sehen, gefolgt von der dick vereisten Stahlrohrskulptur „Verlauf“ von Astrid Gleichmann im Nebenraum oder den originellen Kaltnadelradierungen von Stefanie Breda im Gang, die die alltäglichen Lebensspuren der Künstlerin unter dem Motto „Trampelpfade Friedrichshain“ abbildeten.

Gleichfalls überraschend in Idee und Ausführung die farbigen zerstörten und wieder kunstvoll zusammengesetzten Glasflaschen von Lisanne Ruppert, die deren zahlreiche Sprünge ebenfalls fotografisch dokumentierte. Einen skurrilen Videofilm mit dem Titel „Berlin downtown“ hatte hingegen Johannes Erdmann kreiert, den er im barocken Goldrahmen präsentierte. Noch witziger waren die Charakterköpfe aus Speckstein im Erdgeschoss von Alexander Oberhoff-Droste anzuschauen, deren Gesichter mit ausrangiertem Computerschrott ironisch verfremdet waren.

Großes grafisches Talent war auf dem „Moor-Triptychon“ und der Serie „Handgriffe“ von Rafael Kobylak zu entdecken. Wie es überhaupt Spaß machte in diesem ästhetischen Laboratorium auch als Betrachter immer wieder neue Entdeckungen zu machen. Denn keiner der Räume war wie der andere. Jeder Raum ließ deutlich die ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihre Konzepte aufscheinen, so dass man mit Lust und Gewinn hindurch gehen konnte.

Keinesfalls sollte man dabei die Exponate von Alexa Friedrich, Judith Kerste, Monika Hadasch, Anne Menning, Nicole Weidner und Corinna Wenzel übersehen. 14 junge Menschen sind hier über Jahre herangereift und stehen nach dem Staatsexamen dem Land Brandenburg, „dass es bitter nötig hat“, so Meike Aissen-Crewett, als Kunsterzieher zur Verfügung. Diese Chance sollte auch in Zukunft bestehen und genutzt werden.

Astrid Priebs-Tröger

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