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Absolventen verlassen das Land : Nach dem Studium weg aus Brandenburg

Studieren in Brandenburg, ja, aber dann nichts wie weg. Mehr als jeder zweite Hochschulabsolvent zieht es nach dem Studium wieder aus Brandenburg weg.

Foto: Uwe Anspach/dpa

Potsdam/ Köln/ Maastricht - Junge Menschen studieren gerne in Brandenburg, zum Geldverdienen nach dem Studium zieht es sie aber woanders hin. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Maastricht University in Zusammenarbeit mit der Zeitarbeitsfirma Studitemps. Laut aktuellen Zahlen der Studienreihe „Fachkraft 2030“ müsse Brandenburg mit einer Netto-Abwanderung von rund 57 Prozent von Menschen am Übergang von Hochschule zu Beruf rechnen. An der Erhebung haben rund 18.700 Personen aus ganz Deutschland teilgenommen.

„Damit verliert das Land sehr viel von dem Fachkräfte-Potenzial, das es selbst ausgebildet hat“, so Julia Menke von Studitemps. Demnach wollen deutlich mehr potenzielle Fachkräfte das Land verlassen als kommen. „Brandenburg hat es bei angehenden Hochschulabsolventen alles andere als leicht“, sagte Eckhard Köhn, CEO bei Studitemps. „Sehr viele wollen nach dem Studium gehen. Leider, denn so profitieren natürlich andere Regionen von der hochschulischen Ausbildung des Landes“, so Köhn.

Das Land Brandenburg bildet zusammen mit Sachsen-Anhalt, das sogar auf 64 Prozent Abwanderungsverluste kommt, bundesweit das Schlusslicht. Städten wie Hamburg und Berlin kommen hingegen auf einen positiven Zuzugssaldo: 160 Prozent Hamburg, 78 Prozent Berlin. In Brandenburg zeigt die Entwicklung gegenwärtig nach unten: waren es 2016 noch 40 Prozent, die wegziehen wollten, sind es heute bereits 17 Prozent mehr. Negativ entwickelt sich auch der Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik: Laut Studie sei hier in den nächsten Jahren bei Absolventen mit einem Wegzug von 43,9 Prozent zu rechnen.
Für das Brandenburger Wissenschaftsministerium ist das Ergebnis der Studie nicht überraschend: „Brandenburg ist eben kein Land mit einer Fülle an Arbeitsplätzen wie München, Hamburg oder Berlin“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding am Mittwoch. Vor allem in wirtschaftlich schwächeren Regionen seien nicht immer genügend qualifizierte Stellen für die Absolventen vorhanden. Wichtig sei es, so Breiding, dass diejenigen Studierenden mit guten Angeboten im Land gehalten werden, die auch gebraucht würden. Auch profitiere das Land von den Wanderbewegungen – beispielsweise bei den Lehrern. Viele Lehrkräfte aus anderen Bundesländern fingen in Brandenburg an. „Die finanzielle Berechnung zur Abwanderung ist einseitig und wir teilen sie nicht", so Breiding.  

Brandenburg habe in den vergangenen Jahren mit vielfältigen Maßnahmen sein Studienangebot auf die Bedürfnisse des Landes und seiner Wirtschaftsstruktur ausgerichtet, so Breiding. So sei die Zahl der dualen Studienangebote in enger Kooperation mit brandenburgischen Unternehmen hat sich in den vergangenen fünf Jahren von 10 auf mehr als 30 verdreifacht worden: „Tendenz weiter steigend“. Diese Absolventen würden nach Studienabschluss überwiegend in Brandenburg verbleiben. 
Zudem habe Brandenburg hat 2017 als erstes Bundesland eine Transferstrategie beschlossen, in der es unter anderem um die Fachkräftesicherung, die Bindung der Absolventen im Land sowie Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft heraus gehe. „Brandenburg baut in diesem Zusammenhang derzeit in den Regionalen Wachstumskernen Präsenzstellen der Hochschulen auf“, erklärte der Sprecher.  Dadurch würden einerseits Studierwillige gewonnen und für die Hochschulen geworben, anderseits erhielten Unternehmen vor Ort einen Zugang zu den Absolventen der Hochschule. 

Auch habe das Land und die Hochschulen im vergangenen Jahr die bundesweit erste Landes-Postdoc-Akademie eingerichtet, die promovierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der Brandenburger Universitäten ein umfangreiches ergänzendes Qualifikationsangebot für Tätigkeiten in Wirtschaft und Wissenschaft eröffnet.
 (mit dpa)