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„Werden sehen, ob es dabei bleibt“ : Gazprom drosselt wie erwartet Gas-Lieferung durch Nord Stream 1

Seit 9 Uhr fließen durch Nord Stream 1 nur noch 20 Prozent der Kapazität. Der Chef der Bundesnetzagentur sieht unterdessen Gas-Einsparerfolge in Deutschland.

Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1.
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1.Foto: Stefan Sauer/dpa

Wie angekündigt hat Russland die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 am Mittwochmorgen weiter eingeschränkt. Seit 9 Uhr fließen 14 Millionen Kilowattstunden pro Stunde und damit nur noch 20 Prozent der Kapazität durch die Rohre, wie aus den Netzdaten auf der Nord-Stream-1-Website hervorgeht.

Am Mittwochnachmittag teilte der russische Gas-Riese Gazprom mit, dass Siemens Energy eine für den Betrieb von Nord Stream 1 wichtige Turbine immer noch nicht übergeben habe. Die Verzögerung liege in der Verantwortung von Siemens Energy, sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Witali Markelow.

Siemens Energy wies die Vorwürfe entschieden zurück. Der Transport der Turbine könne sofort starten, sagte ein Sprecher. Alle erforderlichen Dokumente für die Ausfuhr von Deutschland nach Russland lägen vor. „Was allerdings fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland“, betont er: „Diese Informationen können von niemand anderem als Gazprom bereitgestellt werden.“

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte im Deutschlandfunk, „zur Zeit sehen wir die nominierte Drosselung“. Gazprom liefert demnach 20 Prozent der Kapazität. „Wir werden im Laufe des Tages sehen, ob es dabei bleibt“, sagte Müller weiter.

Der Präsident der Netzagentur lobte erste „Einsparerfolge“. Private Haushalte und die Industrie verbrauchten „auch temperaturbereinigt fünf, sechs, sieben Prozent weniger Gas“. Jetzt im Sommer gelinge es, Gas einzuspeichern.

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„Im Herbst ändert sich die Situation, der Gasverbrauch steigt", warnte Müller. Deswegen seien alle Sparanstrengungen notwendig. „Deutschland muss weniger Gas verbrauchen.“

Jetzt müsse in allen Bereichen der Gesellschaft etwas getan werden, sei es technische Innovation, sei es das Diversifizieren von Energiequellen. „Aber das Entscheidende ist das Gaseinsparen. Und da möchte ich gern weniger sozusagen Klagen hören, sondern mehr Meldungen, wo jemand sagt, wir als Branche, wir als Stadt, wir als Region tragen dazu bei, Gas zu sparen.“ Zugleich müssten die Verbraucher sich auf höhere Energiepreise einstellen, sagte Müller. „Es ist eine Preisentwicklung auf Ansage.“

Der Chef der Netzagentur kritisierte, Gas sei inzwischen Teil der russischen Außenpolitik, der russischen Kriegsstrategie.

Gazprom bucht mehr Kapazität bei der Transgas-Leitung durch die Slowakei

Gazprom hatte am Montagabend angekündigt, die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 ab Mittwochmorgen von derzeit 40 Prozent auf nur noch 20 Prozent der Kapazität zu drosseln. Als Grund gab der Konzern die Wartung einer Turbine an. Die Bundesregierung reagierte mit Unverständnis.

Unterdessen hat Gazprom nach Angaben des Pipelinebetreibers Eugas am Mittwoch deutlich mehr Kapazität bei der Transgas-Leitung durch die Slowakei gebucht als in den vergangenen Tagen. Im slowakischen Grenzort Velké Kapusany, dem Startpunkt des slowakischen Abschnitts, wurde die Durchleitung von 68,6 Millionen Kubikmeter Gas angemeldet.

Am Vortag waren es 36,8 Millionen Kubikmeter. Die Buchung deutet darauf hin, dass Gazprom die bei Nord Stream 1 ausfallenden Gaslieferungen nach Europa über die Route durch die Slowakei ausgleicht. (AFP/Reuters/dpa)