Überregionales : Zwei Tote durch Böller

Bundesweit einzige Todesfälle in Brandenburg. Ministerpräsident Woidke zeigt sich betroffen

Potsdam - In Brandenburg sind zum Jahreswechsel zwei junge Männer durch Böller ums Leben gekommen. Es waren die bundesweit einzigen derartigen Todesfälle. In Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) starb ein 19-jähriger Stahnsdorfer, nachdem er einen offenbar selbst gebauten Sprengkörper gezündet hatte. Ein 35-Jähriger wurde in Gusow (Märkisch-Oderland) durch Böller tödlich verletzt. Die Herkunft der Sprengkörper ist bislang unklar.

Die Bilanz ist dramatisch: Zwei Tote durch Silversterknaller hat es in Brandenburg nach bisherigen Angaben noch nicht gegeben. Neben den zwei Todesfällen seien zudem zwölf Menschen durch Feuerwerk verletzt worden, darunter auch ein elfjähriger Junge.

Die Todesfälle sorgten für Betroffenheit. Die Ereignisse zeigten, welche weitreichenden Folgen der Umgang mit illegalen Böllern und der leichtfertige Gebrauch von Feuerwerk haben könne, ließen Ministerpräsident Dietmar Woidke und Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) mitteilen. Initiativen für ein Böller-Verbot gab es jedoch aus der Landespolitik nicht. Woidke zollte den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehren und Rettungsdiensten, die über Silvester Dienst hatten, große Anerkennung. In der Silvesternacht gab es nach Polizeiangaben in Brandenburg insgesamt 560 Einsätze, davon 400 zwischen Mitternacht und 6 Uhr am Neujahrstag. Dies sei in etwa Vorjahresniveau. Es seien rund 500 Polizisten zusätzlich im Einsatz gewesen.

In Berlin gab es in der Silvesternacht teils massive Attacken auf Beamte – nicht nur mit Böllern und Raketen. Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wurde durch körperliche Gewalt verletzt, ein weiteres durch Feuerwerk. In den Morgenstunden wurde die Besatzung eines Rettungswagens laut Feuerwehr sogar mit Schusswaffen bedroht. Unklar blieb, wo das passierte. Auf Twitter vermeldete die Feuerwehr insgesamt acht Angriffe auf Einsatzkräfte und 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge mit „erheblichen Sachschäden“. Insgesamt musste die Feuerwehr in der Silvesternacht in Berlin etwa 1600 Mal ausrücken. Die Polizei zählte rund 1700 Einsätze. Auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor mit laut Polizei mehreren Zehntausend Besuchern sei es zu diversen Strafanzeigen wegen unerlaubten Feuerwerks, Drogen, Körperverletzungen und Taschendiebstahls gekommen. 13 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe – die meisten wegen sexueller Belästigung – wurden erstattet.

In Potsdam gab es 69 Rettungseinsätze mit drei Verletzten sowie 28 Feuerwehreinsätze wegen durch Pyrotechnik verursachter Brände. Zudem sorgte das Feuerwerk wie in zahlreichen anderen Städten für eine drastisch erhöhte Feinstaubbelastung. Laut Landesumweltamt wurden in der Babelsberger Großbeerenstraße um 1 Uhr 145 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen – fast das Dreifache des Grenzwertes von 50 Mikrogramm. SCH, loy, dpa

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