Zukunft der Monarchie : Normaler König

Elisabeth Binder

Geboren aus Mythen und Märchen uralter Zeiten, ist die Faszination an Königen und Prinzessinnen ungebrochen. Das liegt auch daran, dass sie menschliche Schicksale spiegeln, die lichten Höhen ebenso wie die finsteren Abgründe. Der britische Dichter William Shakespeare ist mit seinen Königsdramen einer der berühmtesten Chronisten dieses Phänomens. Glücklicherweise hat er seine Stücke geschrieben, lange bevor an die Hype-Kultur der Social Media auch nur zu denken war.

Schon zeichnet sich ab, dass der offizielle Besuch des Herzogs und der Herzogin von Cambridge diese Woche in Deutschland auf großes Interesse treffen wird, aber nicht nur, weil er die deutsch-britischen Beziehungen festigen soll. William und Kate, wie sie im Volksmund genannt werden, bringen ihre Kinder George und Charlotte mit. Die Kameras fiebern den niedlichen Bildern einer heilen Familie entgegen. Das Besondere und das Moderne an dieser Familie besteht darin, dass das Glück wohl nicht nur aufgemalt ist, sondern echt. Das ist keineswegs selbstverständlich, wie der Blick in die Geschichte zeigt. Das Schicksal hält sich nicht an die Vorstellungswelt, dass der königlichen Geburt ein vorbildliches Leben nach festen Vorgaben folgen muss, das sich allein der Pflichterfüllung unterordnet. Schon Williams Großvater Philip entstammt einer Ehe, die bei seiner Geburt bereits zerrüttet war. Bekannt ist auch, dass sein Vater, Prinz Charles, lange unter der Kälte der königlichen Erziehung mit all ihren protokollarischen Zwängen und Einengungen gelitten hat.

Die tradierte Haltung, den Ansprüchen der königlichen Geburt unter allen Umständen genügen zu müssen, macht die Monarchie angreifbar, auch wenn sie keine politische Macht hat. Denn sie impliziert Selbstüberhöhung. An den Skandalen in ihrem „annus horribilis“ 1992 wäre die Queen, die heute eine Ikone der Weltgeschichte ist, beinahe gescheitert.

In Prinz William kommt nun der Protagonist einer neuen Generation, die Dinge anders macht. Das erklärt seine große Popularität im eigenen Land, und es erklärt, warum viele ihm zutrauen, die Monarchie wirklich zukunftsfest zu machen. Immerhin gehört sie so fest zur Tradition, zur Geschichte und auch zur Folklore seines Landes, dass es tragisch wäre, ginge sie in Skandalen unter. Dass William Dinge verändern kann, verdankt er vor allem seiner Mutter Diana, der früh verstorbenen „Königin der Herzen“. Sie war es, die ihn aus den vermeintlichen höfischen Zwängen rettete und früh darauf achtete, dem Sohn eine möglichst lebensnahe und liebevolle Erziehung zu geben. So erzog sie ihn zu einem auch im Herzen demokratischen Prinzen.

Er begab sich auf die Suche nach Glück und fand es in der bürgerlichen Kate, attraktiv, zielstrebig und nicht skandalanfällig. In ihrer Familie erlebte William das ganz normale Leben, das er sich immer so gewünscht hat. Vollständig wird er das nie erreichen können. Je mehr königliche Pflichttermine die Queen delegiert, desto voller wird Williams Terminkalender. Mal eben so den Job zu wechseln, ist nicht drin. Königskinder leben in einem goldenen Käfig, dessen Gitter aus Beobachtung bestehen. Prinz William freilich ist mit seinem Leben so umgegangen, dass er dieser Beobachtung standhalten kann. Er hat sein Glück gefunden, hat zum ersten Mal seit 350 Jahren als Thronfolger eine Bürgerliche in „die Firma“ gebracht. Er setzt sich für die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen ein. Wer unter allen Umständen Haltung wahrt, landet leicht am Abgrund, das gilt nicht nur, aber auch für Royals.

Darum mögen die Briten William, weil er Dinge anders macht. In ihm und seiner Frau präsentiert sich die nächste Generation als Beweis dafür, dass Kinder es besser machen können als ihre Eltern. Das mag noch nicht das Ende des Brexit sein. Da sind dann Williams bürgerliche Altersgenossen gefragt. Aber auch die sind vielleicht in der Lage, es besser zu machen als die Eltern.

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